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Potsdam Restplätze sollen anders vergeben werden
Lokales Potsdam Restplätze sollen anders vergeben werden
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17:51 04.10.2018
Schlafsäcke und Koffer zeugen von einer langen Nacht vor dem Büro des Studentenwerks.
Schlafsäcke und Koffer zeugen von einer langen Nacht vor dem Büro des Studentenwerks. Quelle: Foto: Bernd Gartenschläger
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Südliche Innenstadt

Diese Nacht wird sich so schnell nicht wiederholen. Das Studentenwerk Potsdam erwägt, aus dem Tag der freien Vergabe Konsequenzen zu ziehen und Restplätze in den Studentenwohnheimen in Zukunft anders zu verteilen.

Etwa ein Dutzend Studenten hatte in der Nacht von Montag auf Dienstag im Treppenhaus vor dem Büro des Studentenwerks übernachtet, um morgens früh um sieben Uhr einen der begehrten Restplätze im Studentenwohnheim zu ergattern. Schon am Montagabend äußerte einer der Wartenden gegenüber der MAZ die Beschwerde, das Studentenwerk hätte den Termin besser auf einen anderen Tag legen sollen, denn viele Einführungsveranstaltungen für das Wintersemester fanden am Dienstag statt.

Über 100 Wartende am Tag der freien Vergabe

Am Tag der freien Vergabe werden jedes Jahr die letzten Zimmer in Studentenwohnheimen vermietet, die bis dahin noch frei geblieben sind. Der Termin richtet sich nach dem Semesterstart und findet seit einigen Jahren immer Anfang Oktober statt. 101 Wohnungssuchende versuchten am Dienstag ihr Glück. Doch nur 29 Mietverträge konnten abgeschlossen werden. Mehr freie Plätze gab es nicht in den Wohnheimen der Stadt.

Änderungen im nächsten Jahr

Dass sich viele Studenten die „Nacht der freien Vergabe“, wie einige Beteiligten sie nannten, um die Ohren schlagen mussten, sei nicht im Interesse des Studentenwerks gewesen, erklärt Josephine Kujau, Sprecherin des Studentenwerks Potsdam. Im vergangenen Jahr seien es „nur eine handvoll“ Wartende gewesen, die im Treppenhaus übernachtet hatten. Für das nächste Jahr kündigte Kujau deswegen an, ein anderes Vergabeverfahren in Erwägung zu ziehen. Als Beispiel nennt sie etwa die Uni München, wo Restplätze nach einem Losverfahren verteilt werden und nicht an diejenigen, die sich als erstes in eine Liste eintragen. „Wir wollen die missliche Wohnungslage nicht auf dem Rücken der Studierenden austragen“, sagt Kujau.

Miete im Studentenwohnheim kostet durchschnittlich 235 Euro

Der Wohnungsmarkt in Potsdam ist schwierig für Studenten. „Es gibt nahezu keinen bezahlbaren Wohnraum und nur viel zu wenig studentische Wohnheime. Eine Miete von 500 Euro auf dem freien Wohnungsmarkt kann sich doch fast niemand leisten“, sagt Florian Rumprecht, der selbst an der Universität studiert. Im Studentenwerk kostet die Miete durchschnittlich 235 Euro. Rumprecht ist Mitglied der Initiative „Unter Dach und Fach“, die für mehr studentischen Wohnraum in der Stadt kämpft. Am Tag der freien Vergabe hatte die Initiative ein Protestcamp vor dem Hauptbahnhof errichtet und den wartenden Studenten Essen und Trinken ins Treppenhaus gebracht.

Immer mehr Studenten in der Stadt

Potsdam und seine Universitäten wachsen. Jedes Jahr steigen die Studierendenzahlen. In den kommenden Jahren sollen zu den aktuell 26.000 Studienplätzen in der Stadt rund 3000 weitere hinzu kommen. Seit dem Jahr 2008 nahm die Zahl der öffentlich geförderten Studienplätze bundesweit um 45 Prozent zu, während die Zahl der öffentlich geförderten Wohnheimplätze nur um knapp acht Prozent stieg.

„Ohne ausreichend bezahlbaren Wohnraum wird der Traum des expandierenden Studienstandorts Potsdam nur allzu schnell ein Albtraum werden“, sagt Florian Rumprecht. Die Landesregierung sei in der Pflicht, zu handeln.

Hilfe gefordert

Auch Peter Heiß, Geschäftsführer des Studentenwerks Potsdam, fordert Hilfe von der Politik. Dem Studentenwerk würden staatliche Mittel für Neubauten oder Sanierung von Wohnheimen fehlen. „Mehr bezahlbaren Wohnraum für die Studierenden zu schaffen und zu erhalten, das ist eine gesamtstaatliche Aufgabe und dafür brauchen wir deutlich mehr Unterstützung der Politik“, sagt Heiß. Dennoch könne er den Wohnungssuchenden in Potsdam im Moment nur raten, sich im Umland etwas zu suchen.

Die 72 Studenten, die am Tag der freien Vergabe keinen Platz im Wohnheim bekommen haben, konnten sich in eine Warteliste eintragen. Die Chancen, in den nächsten Wochen noch eine Bleibe im Wohnheim zu bekommen, stehen allerdings schlecht. Laut Sprecherin Kujau könne man nicht verallgemeinernd sagen, wie lang die Wartezeit für einen Wohnheimplatz ist. Seit Anfang des Jahres hatten sich in Potsdam bereits rund 3500 Studenten auf ein Zimmer beim Studentenwerk beworben.

Von Jonas Nayda