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Potsdam Er berechnete das „Mercure“ und kämpfte für das Potsdamer Stadtschloss: Herbert Posmyk ist tot
Lokales Potsdam Er berechnete das „Mercure“ und kämpfte für das Potsdamer Stadtschloss: Herbert Posmyk ist tot
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19:39 28.10.2019
Herbert Posmyk im Alter von 84 Jahren zwischen Stadtschloss und Mercure-Hotel. Quelle: Bernd Gartenschläger
Innenstadt

Er war ein begnadeter Fotograf, Statiker des „Mercure“ und großer Versöhner der Nachkriegszeit. Nun ist Herbert Posmyk im Alter von 90 Jahren gestorben.

Ein trauriges Stück, dissonant, elegisch und sanft hätte der in Potsdam lebende Star-Dirigent Christian Thielemann als Begleitung für die Fotografien Herbert Posmyks gewählt, die die Ruine des Stadtschlosses vor der finalen Sprengung zeigen. Diese Bilder seien „wirklich hochmusikalisch, nicht knallig farbig, sondern so ein bisschen verblasst“.

Thielemann, der drei dieser Aufnahmen in einer Ausstellung gesehen hatte, war Ende 2016 der Herausgeber des Bildbandes „Der Untergang des Stadtschlosses“ mit den Fotografien Posmyks.

Der Alte Markt mit der Stadtschlossruine Ende der 1950er Jahre, im Hintergrund die Garnisonkirche. Quelle: Herbert Posmyk/Edition Braus

„Das Schloss hat mich auch als Ruine beeindruckt“, sagte Herbert Posmyk, der Statiker und leidenschaftliche Amateurfotograf: „Es hatte eine gewisse Patina nach dem Großbrand von 1945 und strahlte auch während des zweiten Untergangs 1959/60 Größe und Würde aus.“

Doch die Bilder sind nur das eine. Das andere war der aktive Protest gegen den Abriss: Gemeinsam mit 14 Kollegen des VEB Hochbauprojektierung hatte Posmyk in Telegrammen an den DDR-Präsidenten Wilhelm Pieck, nach Moskau und Paris einen Appell für den Erhalt des Stadtschlosses ausgesandt.

Der DDR-Staat reagierte gereizt: Wenn sie nicht Ruhe gäben, „werden wir Mittel finden, sie zum Schweigen zu bringen“, hieß es nach Vorladung zum Rat des Bezirkes: „Gehen Sie an ihre Arbeit!“

Nach Potsdam kam der 1929 bei Opole im heutigen Polen geborene Herbert Posmyk 1953. Er war am Wiederaufbau der Wilhelm-Staab-Straße beteiligt, der DDR-weit ersten Komplett-Rekonstruktion einer Barockstraße.

Seine größte Ingenieurleistung aber, das sagte er selbst, war die statische Berechnung des heutigen Mercure-Hotels vom neun Meter tiefen Atomkriegsbunker bis hinauf zum 17. Geschoss.

Mit seinen Fotografien von der Stadtschlossruine hielt Herbert Posmyk die Erinnerung an das alte Potsdam wach. Doch er begleitete auch seine DDR-Baustellen mit der Kamera.

Mehrere Jahre arbeitete er daran, nicht mit dem Computer, sondern mit Tabellen und dem Rechenschieber. 1968, als das neunte Stockwerk stand, fotografierte Posmyk von der Baustelle aus die Sprengung des Garnisonkirchturms.

Die letzte Arbeit des Statikers war der Wohnblock am Staudenhof mit der Filiale der Sparkasse und der Apotheke zur Straße Am Kanal. Ab 1977 begleitete er als Prüfstatiker den Bau der Wissenschaftlichen Allgemeinbibliothek (WAB) und des Instituts für Lehrerbildung (IfL) auf den Fundamenten der alten Potsdamer Mitte.

2016 gehörte Herbert Posmyk zu den Erstunterzeichnern des Bürgerbegehrens gegen den Abriss des Mercure-Hotels, der Fachhochschule im Gebäudekomplex des früheren IFL und des Staudenhofs.

Das einstige Interhotel sei für ihn „das wichtigste und bedeutendste Gebäude, das Potsdam in der DDR-Zeit hervorgebracht hat“, sagte er 2014, als die Stadtgesellschaft im wütenden Streit um die Zukunft des Havelhochhauses gespalten schien.

Wenn er heute im Angesicht des wieder aufgebauten Stadtschlosses vor der Wahl stünde, das Hotel noch einmal zu bauen, „dann würde ich sagen: Niemals!“ Doch da es nun einmal dort steht, „gibt es Argumente dafür, es stehen zu lassen: Die Nähe zum Bahnhof, die gigantische Aussicht. Meines Erachtens könnten sich Hotel und Stadtschloss vertragen“, sagte er: es sei nicht so einfach, wie es „mancher auf den Lippen trägt: weg damit!“

Die Trauerfeier für Herbert Posmyk auf dem Neuen Friedhof in Potsdam ist am 5. November, Beginn: 11.15 Uhr.

Von Volker Oelschläger

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