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Potsdam Nackte Frauen und schwarze Kassen
Lokales Potsdam Nackte Frauen und schwarze Kassen
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19:07 18.09.2013
Foto: dpa
Potsdam-Mitte

Der ehemalige Geschäftsführer des Landesverbands muss sich seit Mittwoch vor dem Potsdamer Amtsgericht verantworten – und Jan R. breitet nach anfänglichem Zögern Dinge auf der Anklagebank aus, die mancher Handwerksmeister wohl lieber unter den Tisch gekehrt hätte.

Dem 43-jährigen Beelitzer wird Untreue im besonders schweren Fall vorgeworfen. Er soll als Geschäftsführer des Landesinnungsverbands und des Landesbildungszentrums der Brandenburger Dachdecker über mehrere Jahre hinweg mehr als 43.000 Euro in die eigene Tasche abgezweigt haben. Das bestreitet Jan R. Er habe sich das Geld – jeweils Beträge zwischen 1000 und 6000 Euro – zwar auszahlen lassen. Es sei aber für Veranstaltungen des Verbands wie die Weihnachtsfeier des Vorstands, das Sommerfest, Obermeistertagungen und Motorradtouren der Dachdeckerschaft eingesetzt worden.

Die Veranstaltungen hatten laut R. immer einen offiziellen – und offiziell abgerechneten – Teil mit feinem Essen, reichlich Getränken und Grußworten. Es folgte stets der inoffizielle Part mit „entsprechender kultureller Umrahmung“. Nach intensiven Nachfragen der Richterin ist klar: Die Herren vom Vorstand haben sich Stripperinnen bestellt, bar bezahlt und nicht ganz offiziell abgerechnet. „Nackttänzerinnen waren bei allen Dachdeckerfeiern Usus“, sagt der Angeklagte, den Kopf so rot wie die Streifen auf seiner Krawatte. Für die Ehefrauen der Dachdecker habe auf Weihnachtsfeiern auch ein gut gebautes männliches Modell die Hüllen fallen lassen.

„Es gab kein Limit“, sagt R. 2006 bis 2010 sei das normal gewesen – „da lief man mit dem Geld durch die Gegend.“ Der Vorstand habe gefordert: „Organisier eine Weihnachtsfeier, die ihren Namen verdient!“, erzählt R. „Ich bin los und habe gesagt: Wir wollen den größten Raum, das beste Essen und Alkohol ohne Ende – so lief das.“ Die Zeche habe immer er bezahlt, immer bar. Zeugen gebe es nicht. „Aber die Herren vom Vorstand waren immer involviert.“

Rechnungen und Quittungen von Restaurants, Hotels und Tänzern kann R. nicht vorweisen. „Es geht hier um Ihre Existenz!“, rügte Staatsanwalt Ralf Roggenbuck Jan R. Wie könnte er das nicht wissen, immerhin ist er selbst Anwalt.

„Mein Fehler war es, dass ich mich nicht darum gekümmert habe, dass vernünftig abgerechnet wurde“, sagt Jan R. Das alles sei allein zwischen ihm und dem damaligen Vorstandsvorsitzenden Wolfgang B. abgelaufen. Offenbar mit gutem Grund: Das Geld wurde von einem Konto abgehoben, von dem nur wenige wussten. Es handelt sich um das Konto des zum Verband gehörigen Berufsförderwerks, ein Verein, der nur auf dem Papier existierte. Dort parkte der Verband Geld – eine schwarze Kasse, denn seit 2002 hing über allem wie ein Damoklesschwert eine Forderung des Finanzamts. „Wir sollten 360000 Euro nachzahlen“, berichtet Jan R. Um im Falle der Pleite weitermachen zu können, sei auf Drängen des Vorstandschefs das Konto überhaupt erst eröffnet worden.

Die Verhandlung wird in der kommenden Woche fortgesetzt.

Von Nadine Fabian

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