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Potsdam Das sagt die Potsdamer Fachhochschule zur Naphtalin-Belastung
Lokales Potsdam Das sagt die Potsdamer Fachhochschule zur Naphtalin-Belastung
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18:10 29.10.2019
Die Studenten der Fachhochschule klagen über anhaltende Gesundheitsbeschwerden wie etwa Kopfschmerzen und Übelkeit. Quelle: Archivfoto: Friedrich Bungert
Potsdam

Studenten der Potsdamer Fachhochschule beschweren sich über eine anhaltende Gesundheitsschädigung an der Hochschule: Ein Seminarraum des Fachbereichs Informationswissenschaften sei mit dem Stoff Naphtalin belastet, was bei den Studenten zu körperlichen Reaktionen wie Kopfschmerzen und Übelkeit führe, der Studentenrat spricht von einer inakzeptablen Situation.

Tatsächlich ist der Hochschule die Naphtalinbelastung – die sich vor allem durch einen starken Geruch nach Mottenkugeln bemerkbar macht – des Raums in einem Altbau des Campus seit langem bekannt. „Betroffen ist ein Raum in Haus zwei. Nach Meldung einer Geruchsbelastung im Oktober 2017 wurde der Raum umfassend untersucht und eine erhöhte Naphtalinbelastung festgestellt. Der Büroraum wurde geräumt, gesperrt und ist nicht mehr zugänglich“, teilt die Pressesprecherin der Fachhochschule, Steffi Brune, auf MAZ-Anfrage mit.

Eine Havariemeldung an den zuständigen Brandenburgischen Landesbetrieb für Liegenschaften sei umgehend erfolgt, zudem habe die Hochschule im vergangenen Jahr auf eigene Kosten eine umfassende Raumluftanalyse vorgenommen. „In einem angrenzenden Raum wurde eine leicht erhöhte Belastung festgestellt, die aber unterhalb des Richtwertes liegt“, sagt Steffi Brune. Demnach liege die Belastung bei 8,2 Mikrogramm pro Kubikmeter, der gesetzliche Grenzwert aber bei 10 Mikrogramm pro Kubikmeter. bei einer derartigen Belastung „sind keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen zu erwarten“, so die Sprecherin. Erst bei mehr als 30 Mikrogramm Naphtalin pro Kubikmeter bestehe Handlungsbedarf, schließlich liege der gemessene Wert im Seminarraum weit unter den Grenzwerten. Die Fachhochschule hat auch weitere angrenzenden Räume untersuchen lassen und dort ebenfalls Belastungen deutlich unterhalb der Grenzen gemessen. „Wir verstehen sehr wohl, dass eine Geruchsbelastung zu Bedenken führt, aber wir können die unbedenkliche Nutzung des Seminarraums nur bekräftigen“, sagt Steffi Brune.

Schutzanzüge für die Dozenten

Den FH-Studenten reicht das jedoch nicht. „Im Studierendenrat, im Fachbereichsrat, mit der Dekanin und sogar mit Kanzlerin und Präsidentin der FHP haben wir das Thema besprochen und eine Schließung des Raums für die Lehre gefordert“, sagen sie, „wir sind auf viel Verständnis gestoßen, doch passiert ist nichts.“ Auch eine eingereichte Liste mit 147 Unterschriften habe nichts bewirkt. „Besonders nachdem wir erfahren haben, dass von Seiten des Fachbereichs schwangeren Studentinnen auf Grund der möglichen Gesundheitsbelastung von einem Besuch des Seminarraums auch im Rahmen von Lehrveranstaltungen abgeraten wird, machen wir uns noch stärkere Sorgen um unsere Gesundheit.“

Deshalb haben die Studenten am Montag Atemmasken und Schutzanzüge überreicht, um auf die Gesundheitsgefährdungen aufmerksam zu machen. Die Kommilitonen weisen sie darauf hin: „Auch bei Seminaren mit Anwesenheitspflicht könnt ihr euch entscheiden, diesen Raum nicht zu betreten!“ Als Studentenvertreter werde man alles tun, damit aus einer solchen Entscheidung kein Nachteil entsteht.

Am Dienstagmittag schließlich wandte sich dann die Hochschul-Präsidentin Eva Schmitt-Rodermund an die Studenten: „Sie wissen, dass wir seit langem an dem Problem dran sind, aber unsererseits immer wieder vor Schwierigkeiten stehen, die notwendigen Sanierungsmaßnahmen anzustoßen, wir wurden immer wieder vertröstet, obwohl es dazu regelmäßige intensive Nachfragen gab. Das Thema begleitet mich seit dem ersten Tag meiner Amtszeit und Sie können sich vorstellen, dass das mehr als ärgerlich ist“, schreibt sie. Das Problem des Seminarraums sei aus ihrer Sicht leicht zu lösen – und hätte bereits angegangen werden können, wenn sich die Studentenvertreter direkt an sie als Präsidentin gewandt hätten. „Sowohl im Fachbereich als auch auf dem Gelände des Campus gibt es Räume, die sehr schnell als Alternative herzurichten sind“, sagt sie. Im Lauf des Dienstags benannte sie eine Ausweichlösung und ließ diese auch bereits herrichten.

Gefahr aus dem Boden

Naphtalin findet sich oft in Altbauten, es wurde früher in der Verklebung von Zwischendecken verwendet. Deshalb ist es, wie auch im Fall der Fachhochschule, der Fußboden, welcher den störenden Geruch verbreitet. Eine hohe Naphtalinbelastung kann, vor allem wenn sie über die Atemluft aufgenommen wird, zu schwerwiegenden Erkrankungen führen.

Von Saskia Kirf

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