Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Potsdam Nazi-Vorkaufsrecht am Groß-Glienicker See
Lokales Potsdam Nazi-Vorkaufsrecht am Groß-Glienicker See
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:33 04.02.2014
Anwohnerin Inna Maximini-Sager und Andreas Menzel von der BI "Freies Groß Glienicker Seeufer“ auf dem umfehdeten Grundstück. Quelle: Ildiko Röd
Anzeige
Groß Glienicke

Das Problem: Der heutige Grundstückseigentümer D. pocht anscheinend immer noch auf dieses Vorkaufsrecht.

Das einstige Grundstück der Familie Blaustein besitzt nun zwar keinen Uferzugang mehr, weil der Wasserstreifen zu DDR-Zeiten Kolonnenweg der Grenzer war und heute dem Bund gehört. Doch auch wer Zugriff auf die Parzelle "in zweiter Reihe" hat, könnte den Uferzugang leicht verwehren.

Anzeige

Genau so eine Absicht von D. befürchten aber etliche seiner Nachbarn an der Landhausstraße.

Gemeinsam wollten mehrere Nachbarn im Jahr 2004 in einer "Erwerbergemeinschaft" das Grundstück von der Erbin der Familie Blaustein kaufen. Aber D. ließ sich das alte Vorkaufsrecht als Recht eintragen.

Dies wiederum empörte die Blaustein-Erbin, die bekannte New Yorker Wirtschaftsanwältin Nancy Joy Felsten. Sie wollte keine Wiederauferstehung eines "Nazi-Unrechts" erleben. Ihr Entschluss: "So, dann verkaufe ich eben gar nicht."

Damit war die Geschichte aber nicht zu Ende. 2012 gab es überraschend eine Klage von Anwohner D. gegen Nancy Joy Felsten und die Landeshauptstadt.

Ziel der Klage: Rückabwicklung der Grundstücksschenkung an die Stadt und Verkauf des Grundstücks an D., der offenbar argumentiert, dass sein Vorkaufsrecht umgangen worden wäre.

Nachbarn wie das Ehepaar Klaus Sager und seine Frau Inna Maximini-Sager können den Standpunkt nicht nachvollziehen: Im Fall einer Grundstücks-Schenkung wie bei der Badewiese gebe es gar kein Vorkaufsrecht. Und beim Rest des Grundstücks sei Nancy Joy Felsten immer noch Eigentümerin.

Eine wichtige Rolle soll das Grundstück eigentlich beim künftigen Seerundwanderweg nach Spandau spielen. Käme D. mit seiner Klage aber durch, wäre das auch ein Rückschlag für die Wegeplanung, erklärt Andreas Menzel von der Bürgerinitiative "Freies Groß Glienicker Seeufer": "Ich hoffe nur, dass das Gericht die Klage abweist. Der Oberbürgermeister wäre gut beraten, anderenfalls Widerklage zu führen, um das Vorkaufsrecht löschen zu lassen."

Wie der Rechtsstreit ausgeht, ist natürlich noch ungewiss. Klar ist aber schon, dass die Groß Glienicker sich bei der Blaustein-Erbin Nancy Joy Felsten für ihre großzügigen Schenkung erkenntlich zeigen wollen: Mit einem Gedenkstein will man die vertriebene Familie ehren. Auch die anderen jüdischen Mitbürger am Groß Glienicker See sollen nicht vergessen sein. "Der Plan ist, an den Seegrundstücken mit ehemals jüdischen Eigentümern eine Form des Gedenkens zu finden", so Menzel.

Von Ildiko Röd

Potsdam Mitschüler müssen Schock verarbeiten - Trauer in Nuthetal nach tödlichem Skiunfall
11.02.2014
Potsdam Alternative für das marode Ribbeckeck in Bornstedt geplant - Biosphäre bekommt eigenen Jugendklub
04.02.2014
Potsdam RTL verlängert mit Potsdamer Unternehmen Ufa Serial Drama - GZSZ wird weiter in Babelsberg produziert
04.02.2014