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Potsdam Neue Heimat für Potsdams Künstler
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19:23 01.09.2014
Neue Räume für Künstler in der Ahornstraße. Vorne Mathanja Clemm, hinten links Nela Stark und rechts Marion Börsch. Quelle: Bernd Gartenschläger
Potsdam

Die Kunstszene in Potsdam hat ein neues Zentrum. In Babelsberg haben 15 Musikbands und acht bildende Künstler ihre neuen Proberäume und Ateliers bezogen. "Hier kommt es zu einer einzigartigen Symbiose aus Musik, bildender Kunst und Kultur", sagt Robert Weiland. Der Künstler hat die Immobilie im Internet gefunden und war sofort begeistert. "Ich habe die Räume dann Kollegen, vor allem aus dem Kunsthaus 17, als Möglichkeit präsentiert", erzählt er.

Mathanja Clemm hat das Atelier gefallen, das ihr Weiland gezeigt hat. Der Standort ist gut, sagt sie, und besonders gefällt ihr die Mischung auf dem Areal: "Es ist inspirierend, die Musiker in Hörweite zu haben." Sie teilt sich mit Marion Börsch und Nela Stark das 45 Quadratmeter große, helle Atelier. Große Fenster lassen viel Licht in den Raum. Die drei Künstlerinnen verabreden sich nicht etwa zum gemeinsamen Arbeiten, "es ist eher eine Überraschung, wer da ist", sagt Börsch. In dem Gebäude, das früher eine Schreinerei war, fühlen sich die Künstler sehr wohl. "Wir sind wie eine riesige Wohngemeinschaft. Die Türen sind meistens offen und wir trinken Kaffee gemeinsam", ergänzt Stark.

Diese Atmosphäre gefällt auch Iris Jana Magdowski. Die Beigeordnete für Bildung, Kultur und Sport dankt dem Besitzer des Areals, Jörg Thiede. "Als Stadt hätten wir die Problematik, dass Künstler Räume benötigen, nicht so schnell in den Griff bekommen", sagt sie. "Was im Augenblick in Potsdam passiert, gefällt mir auch nicht", ergänzt sie. Damit meint sie, dass neben dem Künstlerhaus 17 auch die Ateliers auf dem Gelände der Alten Brauerei wegfallen. Darüber hinaus stehen die Kunsthäuser "Scholle 51" und "Sans titre" vor dem Aus. "Doch wir dürfen die Künstler nicht verlieren", sagt sie. Dem stimmt auch der Leiter der Wirtschaftsförderung, Stefan Frerichs, zu: "Die Stadt braucht das Jugendliche, Frische und Freie, das es hier gibt. Die Kreativwirtschaft ist uns wichtig."

Dass Künstler den Gebäudekomplex beziehen, begrüßt der Besitzer des Geländes, Jörg Thiede, sehr. Er stellt die Räume zu günstigen Konditionen zur Verfügung. "Wenn ich nicht kreativ-verrückt wäre, hätte ich das nicht gemacht."

Zunächst läuft das Projekt bis 2017. "Dann bin ich 80. Entweder es wird verkauft oder ich übertrage das Konzept auf junge Leute", sagt er. Robert Weiland ist zuversichtlich, dass die Räume den Künstlern bleiben. "Ich würde hier gern den Rest meines künstlerischen Schaffens verbringen."

Interview mit dem Mäzen

MAZ: Warum nennen Sie das Areal Potsdamer Bronx?
Jörg Thiede, Eigentümer der Gebäude: Die Stadt hat seit über 20 Jahren hier nichts gemacht, es sieht noch aus wie 1991. Für die Künstler ist die kreative Atmosphäre positiv. Aber ich wünsche mir eine bessere Infrastruktur und eine schnelle Sanierung der Ahornstraße. Seit 2010 habe ich die Zusage. Bis heute hat man nur den Straßenverlauf vermessen!
Wie kam es, dass die Künstler hier neue Arbeitsräume finden?
Thiede: Eigentlich sollte hier ein Start-Up-Zentrum entstehen. Das scheiterte jedoch an der Finanzierung. Dann wurden die Räume ins Internet gestellt – und Roland Weiland hat sich gemeldet. Ich kenne die Kunstszene, und die Künstler hier sind wirklich gut, die haben Niveau.
Die Künstler sind Ihnen also lieber als die Start-Ups?
Thiede: Auf jeden Fall! Die Räume sind fantastisch. Die große Halle können die Künstler für Konzerte und Ausstellungen nutzen, so entsteht ein neues Kunst- und Kulturzentrum.

Von Fabian Schäfer

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