Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Potsdam Neue Pläne: RAW in Potsdam bekommt eine Holzfassade
Lokales Potsdam Neue Pläne: RAW in Potsdam bekommt eine Holzfassade
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
01:16 14.06.2019
Weniger Beton, dafür echtes Holz und eine klimafreundliche Doppelfassade – so sehen die neuesten Pläne für das RAW aus – die „Brücke“ über die alte Halle ist entfallen. Quelle: Simulation: Jürgen Mayer H
Innenstadt

Die Architektur des geplanten Digitalzentrums „Creative Village“ am früheren Reichsbahnausbesserungswerk (RAW) hat sich erneut gewandelt – nachdem die „Brücke“ über das RAW-Denkmal abgesagt ist, sieht der neueste Entwurf nun Holz anstelle von Beton vor.

Am Dienstag veröffentlichte Investorenvertreter Mirco Nauheimer die neuen Visualisierungen. Außerdem kündigte er weitere öffentlich nutzbare Räume an.

Der große Neubauriegel bleibt zwar gewaltig – doch neben Glasflächen wird die Fassade anstelle von Beton nun mit Holz gegliedert. Quelle: Jürgen Mayer H

Mehr Freiheiten durch neue Pläne

Man habe sich für eine Doppelfassade entschieden – und dadurch viel gestalterische Freiheit gewonnen. „Es gab zu viele Glasflächen und durch die Doppelfassade können wir einen außenliegenden Sonnenschutz anbringen. Die Nutzer können außerdem selbst lüften, sodass das Haus nicht permanent klimatisiert werden muss“, nennt Nauheimer einige Vorteile der nach seinen Angaben deutlich teureren Fassadenvariante. Zudem setze sich das Holz „schöner vom Backstein der historischen Halle ab“, sagte er der MAZ.

Der neue Entwurf des Architekturbüros Jürgen Mayer H. sieht hohe hölzerne Streben vor, die vom ebenfalls in Holz gefassten Sockelgeschoss sechs Etagen nach oben reichen und das hölzern gefasste Dach zu tragen scheinen.

Projekt bereits in ähnlicher Form realisiert

Diese Grundstruktur der neuen Fassade hat das Architekturbüro bereits einmal umgesetzt. Der Justizpalast im belgischen Hasselt wurde 2013 mit der Holzoptik errichtet. Zugleich wurden die Fensterflächen dort mit dunklem Stahlgewebe als Sonnenschutz überzogen, was für Potsdam in dieser dunklen Ausführung nicht vorgesehen ist.

Der zwölf Stockwerke hohe Justizpalast im belgischen Hasselt wurde 2013 von Jürgen Mayer H ebenfalls mit Holz gestaltet. Die Fenster wurden mit einem schwarzen Stahlgewebe überzogen – das ist so in Potsdam allerdings nicht geplant. Quelle: Filip Dujardin

In der belgischen Kleinstadt sollte das Justizzentrum, das sich unmittelbar neben dem Bahnhof und an einer Gleistrasse über zwölf Etagen erhebt, dem niedergegangenen Industriestandort Hasselt ein neues Image verpassen – „als Katalysator einer urbanen Regeneration“ verkörpere der Bau „die Dynamik einer wachsenden Stadt, die sich als innovativer Ort in der Provinz Limburg“ zu profilieren versuche – so schrieb die Fachzeitschrift „ Bauwelt“ 2013.

Das Justizgebäude in Hasselt mit Holzpfeilern und einem dunklen Stahlgewebe vor den Fenstern. Quelle: Jürgen Mayer H

Der Streit um das „Creative Village“

Seit Anfang 2018 wird das IT-Projekt „Creative Village“ debattiert. Einerseits wird um die Größe und Architektur gestritten.

So wird der Neubau neben der 14 Meter hohen historischen Wagenhalle bis zu 33 Meter hoch und damit alle Gebäude in der Umgebung überragen. Auch eine zwischenzeitlich vorgesehene Überbrückung des Baudenkmals sorgte für Kritik – dadurch wäre die Neubaufassade über 250 Meter lang geworden.

Anwohner sorgen sich um die Folgen für das Umfeld. Der Investor rechnet mit bis zu 1400 hochbezahlten Arbeitsplätzen am neuen IT-Standort. Eine Anwohnerinitiative fordert die Stadt auf Maßnahmen gegen steigende Immobilienpreise und Mieten zu ergreifen. Außerdem wird Transparenz vom Investor gefordert. Bis heute ist nicht klar, wer hinter dem 120-Millionen-Euro-Projekt steht.

Neuen Veranstaltungsort etablieren

Nauheimer kündigte zudem weitere öffentliche Innen-Bereiche entlang der Bahntrasse an. „Es geht uns um eine breite Nutzung. Das Areal muss offen und erlebbar sein“, reagierte er auf Forderungen des Stadtforschers Hans-Hermann Albers, der in der MAZ gefordert hatte, dass nur eine starke Einbindung in die Umgebung das RAW-Projekt zu einem akzeptieren Teil der Nachbarschaft machen könne.

Nauheimer will einen neuen Veranstaltungsort etablieren. „Das war ursprünglich nur ein sehr kleiner Bereich“, erklärt Nauheimer. Nun sei die Planung auf rund 850 Quadratmeter angewachsen. Der nördliche Bereich der alten Wagenhalle ist im Entwurf als „Kaiserhalle“ für bis zu 400 Menschen ausgelegt und soll laut Nauheimer für „Ausstellungen, Abi-Parties, Live-Musik und andere Feiern“ genutzt werden.

So sieht es derzeit in der alten Wagenhalle des Potsdamer RAW aus. Quelle: Varvara Smirnova

Von Peter Degener

Vom 14. bis 16. Juni dreht sich in Babelsberg bei einem bunten Fest alles um das böhmische Erbe und andere historische Facetten der wechselvollen Geschichte.

11.06.2019

Die FDP-Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung Potsdam hat Björn Teuteberg und Sabine Becker zu ihren Vorsitzenden gewählt.

11.06.2019

100 Unternehmen mit mehr als 1000 Arbeitsplätzen werden künftig am Wissenschaftsstandort in Potsdam-Golm erwartet. Auf die Internationalisierung stellt man sich auch mit dem Namen ein. Der Park heißt nun „Potsdam Science Park“.

11.06.2019