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Potsdam So soll Potsdams neue Schule aussehen
Lokales Potsdam So soll Potsdams neue Schule aussehen
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20:52 13.04.2018
Rund die Hälfte des Waldes soll erhalten bleiben, indem eine naturnahe Bauweise der Schulgebäude angestrebt wird. Quelle: Peter Degener
Waldstadt

Das Projekt des Schul- und Sportcampus am Rand der Waldstadt II soll größer und zugleich verträglicher für Anwohner und Wald gestaltet werden. Statt auf rund sechs Hektar sollen die Gesamt- und die Förderschule, zwei Sporthallen und zwei große Sportfelder nun auf etwa 13 Hektar Fläche verteilt werden. Dadurch werden größere Abstände zu den Wohnriegeln am Caputher Heuweg gewonnen und zusammenhängende Waldareale bis an die Bahntrasse erhalten.

So warben zumindest der Baubeigeordnete Bernd Rubelt (parteilos) und Stadtplanungschef Andreas Goetzmann am Donnerstagabend vor den Anwohnern für den Campus. Das Projekt ist bei den Anwohnern der Waldstadt allerdings umstritten. Rund 150 Bürger kamen zu der eigens einberufenen Bürgerversammlung der Stadt in der Aula des Humboldt-Gymnasiums.

Der neue Entwurf für den Campus sieht ein deutlich größeres Baufeld vor, das sich tiefer in den Wald entlang der Bahn zieht (links im Bild). Damit werden größere Abstände zur Wohnbebauung möglich, außerdem können ganze Waldflächen zwischen Wohngebiet und Bahntrasse erhalten bleiben. Quelle: Lutz Hannemann

Bürgerinitiative lehnt Pläne weiterhin ab

„Der Vorentwurf sah noch anders aus. Das ist jetzt eine bessere Variante, aber wir sind für den kompletten Walderhalt und grundsätzlich dafür, dass nirgends in Potsdam im Wald gebaut wird“, kommentierte Oksana Adams, die Sprecherin der neugegründeten Bürgerinitiative. „Wir sind an der Stadtgrenze angekommen. Wo soll es in den nächsten 50 Jahren weitergehen, wenn wir schon jetzt an Grenzen stoßen“, fragte Sabine Blossey, Mitgründerin der Initiative.

Anwohnerin Oksana Adams sprach sich auf der Bürgerversammlung gegen die Pläne aus. Quelle: Peter Degener

Sie fürchtet Lärm von der Bahntrasse und mangelnde Luft- und Lebensqualität wenn wie geplant rund die Hälfte des Waldes gerodet wird. Andreas Goetzmann sprach davon, dass man „auf eine in den Wald eingebundene, naturnahe Bauweise hinarbeiten“ würde, wie das auch beim „Kleeblatt“-Bau des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (Pik) auf dem Telegrafenberg praktiziert wurde. Er versprach einen Architekturwettbewerb, um eine hohe Qualität zu sichern.

Zwei Varianten für kommende Planung vorgestellt

Zwei grundsätzliche Varianten für die Bebauung wurden nun erstmals vorgestellt: Die Variante A setzt konsequent darauf, die Förderschule von der Gesamtschule zu trennen. „Damit gewinnt man zwischen beiden Standorten ein Stück Wald von der Wohnbebauung bis an die Bahntrasse. Der Nachteil liegt darin, dass die Förderschule mit dem Auto nur durch das Wohngebiet erreichbar wäre“, sagte Goetzmann. Im vorderen Bereich an der Tram-Wendeschleife würde eine Sporthalle mit Tiefgarage entstehen.

Variante A: Die Gesamtschule und eine Sporthalle mit Tiefgarage befinden sich nördlich an der Tram-Wendeschleife. Die Förderschule soll südlich an die Sportplätze angedockt werden und hätte eine unterirdische Sporthalle. Zwischen den Schulen bleibt viel Wald erhalten. Quelle: Stadt Potsdam

In der Variante B befinden sich beide Schulen rund um einen gemeinsamen Hof und werden zusammen von der Heinrich-Mann-Allee erschlossen. In der Gesamtschule sollen 850 Schüler unterrichtet werden, in der Förderschule bis zu 300 Schüler. In beiden Fällen sind zwei große Sportfelder weit dahinter im heutigen Landschaftsschutzgebiet neben der Bahntrasse vorgesehen.

Variante B: Beide Schulen sind einander gegenüber geplant. An der Tram-Wendeschleife soll eine doppeltstöckige Sporthalle mit zwei Feldern übereinander errichtet werden. Die Sportplätze bleiben im südlichen Bereich. Quelle: Stadt Potsdam

„Es muss ein Vorzeigeprojekt für die Waldstädter werden“

Peter Ullrich, der direkt neben dem Baufeld wohnt, war nach der Präsentation erstaunt. „Ich war erst ein Gegner, aber mir wurde die Planung hier sehr gut dargestellt. Mir ist jetzt wichtig, dass es Gebäude werden, auf die wir als Waldstädter Stolz sein dürfen. Es muss ein Vorzeigeprojekt werden“, sagte Ullrich.

Die 78-jährige Christa Anders war ebenfalls positiv überrascht. „Dass diese Einrichtungen gebraucht werden, ist keine Frage und dass es nun 60 Meter Abstand zu meinem Haus gibt, ist ganz schön“, sagte sie und lobte auch die Bürgerversammlung selbst, die von der „WerkStadt für Beteiligung“ organisiert und moderiert worden war. „Das war ausgezeichnet vorbereitet“, sagte sie.

Stadtplanungschef Andreas Goetzmann erklärt die Vor- und Nachteile der Entwürfe bei der Bürgerversammlung im Humboldt-Gymnasium. Quelle: Peter Degener

Stimmungsbild „Ich stimme keiner Variante zu.“

Doch in der Diskussion blieben die positiven Stimmen in der Minderheit. Die überwiegende Zahl der Bürger entschied sich auf den Tafeln mit beiden Entwürfen mit einem roten Klebepunkt für folgende Aussage: „Ich stimme keiner Variante zu.“ Einige wenige favorisierten die erste Variante, bei der ein breites Waldstück in der Mitte zwischen den Schulen erhalten bliebe. Nun muss sich die Stadtpolitik mit den Entwürfen befassen – und der ablehnenden Haltung vieler Anwohner.

Auf fünf solcher Tafeln stimmten die Anwesenden ab – das Stimmungsbild war überall das gleiche. Quelle: Peter Degener

Von Peter Degener

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