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Potsdam So schön ist es jetzt in der Traditions-Gaststätte „Havelgarten“
Lokales Potsdam So schön ist es jetzt in der Traditions-Gaststätte „Havelgarten“
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11:05 28.11.2019
Das Restaurant Havelgarten am Kiewitt. Quelle: Friedrich Bungert
Potsdam

Der Havelgarten gegenüber der Insel Herrmannswerder ist eine Potsdamer Institution. Alteingesessene Potsdamer kennen das Ausflugslokal am Kiewitt, wo die Eltern eine Wurst essen und ein Bierchen schlürfen konnten, während die Kleinen am Wasser spielten. 

Es ist November und die Tische und Bänke der Sonnenterrasse sind schon eine ganze Weile weggeräumt. Die mächtigen Kastanien, die den Biergarten flankieren, sind kahl und ragen mit nackten Ästen in den Himmel, das Wasser ist grau und wenig einladend. Der Anblick eines vereinzelten Ruderbootes lässt einen frösteln. Aber der Ausblick ist schön. Entspannend.

Neueröffnung noch weitgehend unbekannt

Seit 1913 gibt es die Gastwirtschaft am Ufer der Havel. Mit einer großen Terrasse und einem traumhaften Blick über Wasser und Grün, die Stadt im Hintergrund. „Da brannte der Asphalt“, erzählt der jetzige Restaurantchef.

Miki Leisner führt das Lokal nun, das vom Gastronom Bork Melms betrieben wird, ebenso wie das Gutshaus Neukladow in Berlin. Der Havelgarten war jahrelang geschlossen und es gab in dieser Zeit etliche – oft missglückte – Versuche, dem Traditionshaus wieder Leben einzuhauchen. Dass es wieder geöffnet ist, hat sich noch nicht so sehr herumgesprochen.

Im Sommer bietet der Biergarten einen perfekten Ausblick. Quelle: Friedrich Bungert

Heute brennt vor allem einer: Der Restaurantchef für seinen Havelgarten. „Das ist mein Baby“, sagt er, „jeder soll wissen, was für ein schönes Fleckchen Erde das hier ist.“ Leisner ist nicht nur der Restaurantleiter, sondern auch die gute Seele des Ladens.

Er kämpft an allen Fronten, sagt er. Eine Glühbirne aus dem Keller holen? Macht der Miki. Oder mal ein Bett in der Pension neu beziehen? Macht der Miki. „Ich kann ja nichts von meinen Angestellten verlangen, was ich selbst nicht kann oder will“, sagt er. Und wenn die Gäste ihm sagen „Mach weiter so!“, ist das sein Applaus.

Steckbrief zum Havelgarten

Der Havelgarten befindet sich Am Kiewitt 30 hinter dem Bahnhof Charlottenhof in Potsdam West.

Geöffnet istMontag bis Sonnabend von 7.30 bis 21 Uhr. Frühstück gibt es ab 7.30 Uhr und warme Küche ab 12 Uhr. Sonntags wird von 9 bis 13 Uhr Brunch angeboten.

Am 8. Dezember findet ab 18 Uhr ein Glühweinabend statt.

Miki Leisner hat eine lange Geschichte in der Gastronomie, auch wenn er ursprünglich gar nicht aus der Branche stammt. Letzte und wohl prägendste Erfahrungen hat er im Gutshaus Neukladow am Wannsee gesammelt. Und hat diese auch als Vorbild für der Havelgarten genommen.

Havelblick, Kaminfeuer und knusprige Ente

Denn das Ausflugslokal ist weit mehr als nur ein Biergarten am Havelufer. Natürlich gibt es den auch, aber auch das ganze Lokal besticht mit Gemütlichkeit, wenn vorm knisternden Kaminfeuer Oldenburger Ente oder Königsberger Klopse verspeist werden können.

Der neue Havelgarten: hell und modern, aber mit bürgerlicher Küche und gemütlichem Kamin. Quelle: Friedrich Bungert

„Wir bieten gutbürgerliche deutsche Küche an“, berichtet Leisner. Dazu zählt er beispielsweise Senfeier, saure Nieren in Rotweinjus oder die knusprige Ente. Eine andere Spezialität: Jeschkes Biergulasch. Das heißt eben so, weil der Koch Jeschke heißt und der Gulasch nach seinem Hausrezept gekocht wird – was vermutlich von Oma Jeschke stammt.

Dabei ist das Design nicht etwa altbacken, sondern „eleganter Landhausstil“, beschreibt der Restaurantleiter seinen Stil. Helle Räume bestimmen das Ambiente, der wunderschöne Blick auf die Havel ist von allen Tischen aus zu haben. Und auch die Preise sind nicht Wannsee, sondern Potsdam, sagt Leisner verschmitzt.

Ein brasilianisches Fass als Bar

Der Clou aber ist das riesige Fass aus Brasilien, in dem früher 140.000 Liter Zuckerschnaps reiften und das nun zu einer Bar in Form eines Leuchtturms umgebaut wurde. Gut geeignet ist das Lokal auch für Geburtstage, Hochzeiten oder andere Events dank der geheizten und überdachten Terrasse.

Betreiber der Gaststätte ist Bork Melms. Er hat sich viel überlegt, um dem Traditionshaus wieder zu neuem Leben zu verhelfen. Da ist einmal das engagierte Team, geführt von Restaurantleiter Leisner. Und nicht nur das Areal ist aufgehübscht mit Biergarten, Lounge, Restaurant und Pension, auch das Angebot.

Der Barbereich hat die Form eines Leuchtturms. Quelle: Friedrich Bungert

Das tägliche Frühstück ab 7.30 Uhr steht nicht nur den Pensionsgästen, sondern auch Besuchern offen. Unter der Woche wird eine Mittagskarte von 12 bis 14 Uhr angeboten, sonntags gibt es Brunch. Für die Weihnachtsfeiertage steht Gänsebratenessen auf dem Programm.

Das Ausflugslokal Havelgarten soll wieder das werden, was es mal war: ein gutes Restaurant, beliebt bei den Potsdamern. Das hofft Restaurantchef Miki Leisner.

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Von Ute Swart

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