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Potsdam Neues Hybridschiff „Schwielowsee“ vom Stapel gelassen
Lokales Potsdam Neues Hybridschiff „Schwielowsee“ vom Stapel gelassen
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16:26 03.02.2019
Viel Echtholz und große Fenster zur Natur: So soll der Salon des Hybridschiffs „Schwielowsee“der Weißen Flotte aussehen.
Viel Echtholz und große Fenster zur Natur: So soll der Salon des Hybridschiffs „Schwielowsee“der Weißen Flotte aussehen. Quelle: Weiße Flotte
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 Es ist nicht Papenburg; es ist nicht die Meyer-Werft, und es ist nicht die Aida. Aber für Potsdam sind die Bolle-Werft Neuderben (Sachsen-Anhalt) und das Hybridschiff „Schwielowsee“ genauso wichtig: Der „Schleichfahrer“ mit seinen 250 Sitzplätzen hat seinen Stapellauf Ende November an der Elbe überstanden. Der Innenausbau läuft auf Hochtouren, um fit zu sein für das erste „Schaulaufen“ zur 61. Flottenparade am 14. April.

Hervorragend im Zeitplan

„Wir sind bestens im Zeitplan und zwei Wochen schneller als bei früheren Schiffen“, sagt Jörg Winkler, einer der beiden Flotten-Chefs. Auch die Elektro-Ladesäulen der Energie und Wasser Potsdam (EWP) am Ausflugs- und am Technikhafen werden pünktlich zum Termin da sein, verspricht der Geschäftsführer, der das Unternehmen zusammen mit Jan Lehmann lenkt.

Sonderbemalung aus Babelsberg

Inzwischen ist auch klar, wer auf Höhe der Wasserlinie die Schilflandschaft auf die Flanken des Schiffes malt und sprüht: Die „Edelsprayer“ von art.efx aus Babelsberg werden das machen; sie haben schon viele Kunstwerke auf Strom- und Trafokästen, auf Postverteilstationen und Hausfassaden gebracht, republikweit. Da das Schiff bereits schwimmt, werden die Jungs ihr Werk vom Wasser aus verrichten müssen; das haben sie noch nie versucht. Mindestens eine Woche brauchen sie dafür und eine Trockentemperatur von mindestens zehn Grad plus.

Das neueste Schiff der Weißen Flotte Potsdam hat den Stapellauf schadlos überstanden und wird schwimmend innenausgestattet. Die MAZ zeigt Impressionen aus der Werft in Derben.

Innenausbau läuft auf Hochtouren

Am Ausrüstungskai ist die Elektroverkabelung der „Schwielowsee“ fast fertig; tausende Meter Kabel jeder Dicke durchziehen Wände, Böden und Decken des stählernen Schiffes. Seine dieselgetriebenen Stromaggregate werden gerade eingebaut. Die technische Ausstattung der Küche hat begonnen. Im Fahrgastsalon hängen überall noch Kabel heraus; eine indirekte Beleuchtung wird es geben über den Köpfen der Gäste. Man sitzt auf eher schlichten Stühlen mit verschiedenfarbigen Polstern an hölzernen Tischen, auf Holzparkett. Anders als bei der gewollt schlossartigen Gestaltung des Flaggschiffs „Sanssouci“ ist das Design der „Schwielowsee“ betont modern.

Einmaliger Antrieb bei Gastro-Schiffen

Hochmodern ist vor allem auch der Antrieb und in seiner Art einmalig: kein anderes Fahrgastschiff mit Gastronomie in Deutschland verfügt über diesen Hybrid-Antrieb: Eine von drei Fahrstunden läuft das Schiff mit Akku-Strom, den Rest mit Strom aus zwei verschieden starken Dieselgeneratoren. Wenn die Akkus mit den Jahren immer besser werden, kann das Ausflugsschiff auch noch längere Tourabschnitte rein elektrisch fahren.

Leise summend wird der Neuling am 14. April mit der gesamten, lärmenden Flotte den Hafen am Mercure-Hotel verlassen und die Stadt durchfahren. Das Rauschen der Bugwelle dürfte sein lautestes Fahrgeräusch sein, ehe er „auf hoher See“ und abseits der Ufer-Wohngebiete wieder die Dieselaggragate anschaltet, die den Strom für den Elektroantrieb liefern.

Großinvestition für die Flotte

Das alles hat seinen Preis: fast 3,5 Millionen Euro gibt die Flotte für das schnittige Schiff aus, mit dem die „Paretz“ ersetzt wird, die 1964 auf der Yachtwerft Berlin gebaut worden und bis zur Wende als „Sputnik“ an der Elbe unterwegs war. Gemeinsam mit ihrem Schwesterschiff „Lunik“, der späteren „Sacrow“, hatte die Weiße Flotte Potsdam die „Sputnik“ 1991 vom Kraftverkehrsbetrieb Wittenberge übernommen und verkauft sie jetzt nach Prag, wo schon mehrere frühere Schiffe aus Potsdam weiter ihren Dienst tun.

Alt-Kapitän tauft das neue Schiff „Schwielowsee“

Natürlich wir auch das neue Schiff getauft werden, doch diesmal holt sich die Flotte dafür keinen Prominenten. Der frühere Kapitän Heinz Ahlgrimm (82) wird ausholen und die angeseilte Sektflasche am Bug der „Schwielowsee“ zerschellen lassen. Der Mann aus Ferch hatte lange Jahre und bis ans Ende seiner Dienstzeit die „Belvedere“ gefahren.

Von Rainer Schüler