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Potsdam Harter Streit zum Kreativquartier
Lokales Potsdam Harter Streit zum Kreativquartier
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17:26 09.05.2019
Eingang zum Kunsthaus im alten Rechenzentrum.
Eingang zum Kunsthaus im alten Rechenzentrum. Quelle: Varvara Smirnova
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Innenstadt

Die Stadtverordneten haben am Mittwoch Errichtung eines neuen Zentrums für die Kunst- und Kreativwirtschaft in der Potsdamer Mitte beschlossen.

Bei der finalen Abstimmung enthielten sich die meisten Mitglieder der Linken, die Fraktion Die Andere stimmte komplett dagegen.

Das Zentrum auf dem Gelände des früheren Langen Stalls und der alten Feuerwache soll ab Ende 2023 schrittweise eröffnet werden. Potenzielle Miete sind die aktuellen Nutzer des Kunsthauses im alten Rechenzentrum, das Ende 2023 freigezogen und dann abgerissen werden soll.

Die Linke scheiterte mit dem Versuch, den 31. Dezember 2023 als Zieltermin aus der Beschlussvorlage zu streichen. Fraktionschef Hans-Jürgen Scharfenberg warnte vor den Konsequenzen für die Nutzer bei einem möglichen Verzug auf der Neubaustelle.

Auf Antrag der Linken soll bis Jahresende eine Machbarkeitsstudie vorliegen, in der die Kosten eines Teilerhalts des alten Rechenzentrums und die aus der erforderlichen Sanierung resultierenden höheren Mieten für die Nutzer ermittelt werden.

Annette Paul als Sprecherin des Rates für Kunst und Soziokultur äußerte im Namen der Nutzer grundsätzliche Kritik an dem Neubauprojekt. Auf Nachfrage von Janny Armbruster (Grüne) bekräftigte sie: „Ich möchte nicht missverstanden werden. Wir möchten das Kulturquartier.“

Doch das Zentrum sei „nicht das, was wir alle brauchen“. Dabei verwies Paul unter anderem auf die nur für die Anfangszeit in einem Teil des Zentrums limitierte Miethöhe.

André Tomczak (Die Andere) kritisierte, Einwände und Anregungen der „Betroffenen“ im bisherigen Verfahren seien von der Verwaltung „weggewischt“ worden.

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Horst Heinzel (CDU/ANW) reagierte scharf. Er wolle „aus Sicht eines Außenstehenden etwas sagen. Die Stadt sind wir alle. Und wir bezahlen das alle.“

Mit dem Zentrum solle in Haus errichtet werden, „das dem Stand der Technik entspricht. Mitten in der Stadt. Davon träumen andere.“ Er warnte davor, das Projekt kleinzureden.

Wolfhard Kirsch (Bürgerbündnis) rechnete vor, dass allein der beim Grundstücksverkauf geplante Preisnachlass um sechs Millionen Euro zur Förderung des Projekts „24.000 Euro pro Arbeitsplatz“ entspreche: „Darüber würde sich jeder Handwerker freuen.“

Auch Grünen-Fraktionschef Peter Schüler, der mit der Kommunalwahl aus der Stadtpolitik ausscheidet, warnte: „Ja, die Kreativwirtschaft hat einen großen Bedarf, Kunst und Kultur nicht minder.“

Wenn das geplante Zentrum dem Bedarf nicht entspreche, „werden wir weitere Lösungen suchen“. Aber die „heutige Diskussion“ sei „das Dümmste“, weil sie das geplante Kreativquartier „gefährde“.

Von Volker Oelschläger