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Potsdam Warum Krampnitz der Verkehrskollaps droht
Lokales Potsdam Warum Krampnitz der Verkehrskollaps droht
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16:32 07.08.2019
Gesprächspartner Philipp Pajak, Carmen Klockow, Siegmar Gumz, Anja Hänel und Saskia Ludwig vor der Villa Adlon in Neu Fahrland. Quelle: Bernd Gartenschläger
Potsdam

Die Hasso-Plattner-Stiftung sucht nach Varianten für eine Verkehrswende in Potsdam. „Wir sind in der Analysephase“, sagte Teamleiter Philipp Pajak am Dienstagabend in einer Podiumsdiskussion zum Verkehr in Potsdam in der Villa Adlon. Aktuell würden Akteure, Bürger und die Stadtverwaltung befragt.

Mit 80 Studenten in acht Gruppen solle anschließend nach Lösungsansätzen gesucht werden. Eine Erkenntnis vorab: In Potsdam sei „sehr wenig Platz“, so Pajak. Neue Radwege etwa seien nur durch eine Umverteilung des öffentlichen Raums möglich, etwa zu Lasten parkender Autos.

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Pajaks dringendste Empfehlung: Die Verkehrswende funktioniere nicht mit Verboten. „Wir müssen alternative Angebote schaffen. Denn so lange Privatautos in der Stadt sind, werden auch die Busse nicht schneller.“ Zudem müsse der öffentliche Nahverkehr „massiv ausgebaut werden“. Aktuell flössen 70 Prozent der Ausgaben in Deutschland in die Infrastruktur für den Individualverkehr.

Ludwig wirbt erneut für Drahtseilbahn

Gastgeberin des Verkehrsforums war die CDU-Landtagsabgeordnete Saskia Ludwig. Sie hatte vor einigen Wochen mit dem Vorschlag für Furore gesorgt, zur Entlastung des Stadtverkehrs Drahtseilbahnen aufzubauen. Am Dienstag warb sie erneut dafür. Potsdam solle, wie München oder Leipzig, mit einer vom Bund geförderten Machbarkeitsstudie zumindest „den ersten Schritt machen“.

Eingang zur Villa Adlon. Quelle: Bernd Gartenschläger

Zentraler Anlass der Veranstaltung waren die immer dringenderen offenen Fragen zur Verkehrsanbindung des in Krampnitz geplanten neuen Stadtviertels mit 10.000 Einwohnern im Jahr 2035.

Wie berichtet, ist die Eröffnung der Straßenbahnanbindung als wichtigste Ader für den öffentlichen Nahverkehr erst vor wenigen Monaten von 2025 auf frühestens 2028 verschoben worden.

Carmen Klockow (Bürgerbündnis), die Ortsvorsteherin von Neu Fahrland, warb in der Villa Adlon für den Antrag ihrer Fraktion, die weitere Entwicklung von Krampnitz auf Eis zu legen, bis die Verkehrsfrage geklärt ist.

Gegen Wachstum „auf Teufel komm raus“

Sie stellte auch die aktuelle Stadtentwicklungspolitik insgesamt in Frage: Die Landeshauptstadt sei „dabei, durch extremes Bevölkerungswachstum“ ihre Qualitäten „zu zerstören“: „Wir sollten unseren Schatz an Natur und Weltkulturerbe erhalten“, mahnte Klockow, „und nicht auf Teufel komm raus mehr Bevölkerung nach Potsdam ziehen.“

Widerspruch kam von Verkehrsplaner Siegmar Gumz. Es sei „extrem gefährlich, wenn eine Stadt der Größe Potsdams sagt, sie will nicht mehr wachsen“. Dann nämlich drohe eine Explosion der Miet- und Grundstückspreise.

Während der Podiumsdiskussion. Quelle: Bernd Gartenschläger

Gumz präsentierte auch die Rechnung für eine wirkungsvolle Verkehrswende mit mehr öffentlichem und weniger individuellem Verkehr. Aktuell würden auch in Potsdam 80 Prozent mit dem eigenen Auto und nur 20 Prozent mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurück gelegt.

Wolle man den Anteil des Privat-Verkehrs auf 60 Prozent zurück fahren, müsse man die Ausgaben für die öffentlichen Verkehrsmittel verdoppeln.

Verkehrsplaner Gumz und Anja Händel, die Landesgeschäftsführerin des ökologischen Verkehrsclubs Deutschland (VCD), nannten es misslich, dass die Straßenbahn nach Krampnitz erst Jahre nach dem Zuzug der ersten Bewohner fahren soll. Gumz warnte, das weitgehend auf alternative Verkehrsmittel setzende Konzept für Krampnitz werde scheitern, wenn es nicht vom ersten Tag an umgesetzt werde.

„Harte Umverteilung nötig“

Wie berichtet, soll es pro Wohnung nur einen halben Auto-Stellplatz geben. Stattdessen sollen diverse Alternativen vom Fahrrad bis zum Car Sharing bereit gestellt werden. Voraussetzung dafür sei ein städtebaulicher Vertrag mit den vor Ort aktiven Immobiliengesellschaften, sagt Gumz.

Diese Alternativen nämlich sei mit erheblichem finanziellen Aufwand verbunden. Er sprach von drei Euro Nebenkosten pro Quadratmeter Wohnraum: „Ich persönlich habe die Erfahrung gemacht, dass alle großen Entwicklungsgesellschaften dieses Problem noch ignorieren.“

In der Villa Adlon. Quelle: Bernd Gartenschläger

VCD-Chefin Händel sieht die Landeshauptstadt allerdings in einer guten Verhandlungsposition: „Potsdam ist ein interessantes Pflaster für Investoren“, sagte sie.

Carmen Klockow warnte davor, eingleisig zu denken: „Nur freie Fahrt für Radfahrer hieße, den Trend zu verpassen.“ Saskia Ludwig stellte wie Klockow die Frage nach den Grenzen des Wachstums: „Wann ist eigentlich Schluss? Ich glaube nicht, dass es die Lösung ist, weiter und weiter zu wachsen.“

Gumz forderte in Sachen Verkehrsplanung eine gravierende Änderung an den Stellschrauben. Die Stadt müsse, nach Jahrzehnten des personellen Kahlschlags, viel mehr Kapazitäten im Bereich Stadt- und Verkehrsplanung bereitstellen. „Wir brauchen nicht nur Planstellen, sondern auch Budgets“, sagte Gumz: „Da muss eine harte Umverteilung stattfinden. Sonst lösen wir die Probleme nicht.“

Von Volker Oelschläger

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