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Potsdam Neun neue Hochhäuser: So wächst Potsdam weiter
Lokales Potsdam Neun neue Hochhäuser: So wächst Potsdam weiter
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07:59 16.04.2019
Wie vertragen sich Lebensqualität und eine hohe Bebauung? Die Wohntürme an der Havelbucht gehören zusammen mit dem Hotel Mercure zu Potsdams ältesten Hochhäusern. Quelle: Varvara Smirnova
Potsdam

Die Stadt Potsdam wächst in den nächsten Jahren wieder in die Höhe. Nicht nur der Turm der Garnisonkirche, sondern eine ganze Reihe von Wohn- und Gewerbegebäuden werden erstmals seit der Jahrtausendwende in Potsdam geplant. Angesichts des Drucks auf dem Wohnungsmarkt werden in Potsdam außerdem zunehmend Lücken bebaut, Häuser aufgestockt und Freiflächen versiegelt.

Wie hoch und auch wie dicht soll Potsdam bebaut werden? Diese Fragen beschäftigten am Donnerstagabend beim „Stadt Forum Potsdam“ im Treffpunkt Freizeit die Teilnehmer. Dabei wurden auch die höchsten Bauprojekte von der Stadtverwaltung vorgestellt.

Neun neue Türme geplant

Im kommenden Jahrzehnt werden nach aktuellen Planungen mindestens neun Hochhäuser die Silhouette der Stadt ergänzen – sowohl im Zentrum als auch an den Rändern der Stadt: In Waldstadt II wird in der Straße Zum Kahleberg ein Zwölfgeschosser mit Wohnungen errichtet. In Krampnitz soll nach dem jüngst beschlossenen Masterplan ein Haus am westlichen Platz des Viertels zwischen zehn und 14 Stockwerke hoch werden.

Auch der Neubau am RAW-Areal in der Friedrich-Engels-Straße wurde mit seinem höchsten Punkt bei 33 Meter unter den kommenden Hochhausprojekten geführt.

Den buchstäblichen Höhepunkt unter den neuen Türmen bildet allerdings die Planung auf der Gewerbebrache im Kirchsteigfeld. Dort soll ein Haus mit 16 Geschossen errichtet werden, das aus einer Reihe von fünf weiteren Zehngeschossern entlang der Autobahn 115 herausragen wird. Es soll Büroflächen beherbergen.

Das Interhotel - heute Hotel Mercure – war 1969 das erste Hochhaus Potsdams. Quelle: MAZ/Walter Hagen

48 existierende Hochhäuser

Die Stadtplanerin Karin Juhasz , die seit fast 40 Jahren in der Stadtverwaltung arbeitet, hat die Hochhäuser gezählt, die in der DDR-Zeit in Potsdam errichtet worden sind: 43 Wohnhäuser mit mindestens elf Geschossen prägen das Stadtbild. Allein in den 1970er Jahren wurden 36 Hochhäuser errichtet. Damals entstanden die Wohngebiete Am Stern und Zentrum Ost, sowie zahlreiche Hochhäuser rund um die Havelbucht und den Kiewitt.

Hinzu kommen aus DDR-Zeiten noch das heutige Hotel Mercure – es bildete bei seiner Eröffnung vor fast genau 50 Jahren den Auftakt des Drangs in die Höhe – und das „Haus der Athleten“ im Luftschiffhafen, wo zahlreiche Schüler der Sportschule leben.

Zwei der drei Hochhäuser des Schlaatzes – ursprünglich waren sechs geplant Quelle: Bernd Gartenschläger

Während der Errichtung des Wohngebiets Schlaatz endete die Ära der Hochhäuser vorerst aus ganz pragmatischen Gründen. „Es gab nicht genug Ersatzteile für die Fahrstühle, die allerdings sehr reparaturanfällig waren. Deshalb wurden am Schlaatz nur drei der ursprünglich sechs geplanten Hochhäuser gebaut. Wir mussten dafür nachverdichten“, erklärt Juhasz und sieht darin auch einen Grund für die sozialen Problem des Stadtteils.

Die Seniorenresidenz "Heilig Geist Park" in der Burgstraße ist derzeit Potsdams höchstes Gebäude. Samt der Spitze ragt es nach Angaben des Betreibers bis in 84 Meter Höhe. Quelle: Bernd Gartenschläger

Seit 1990 sind nur noch drei weitere prominente Hochhäuser in Potsdam errichtet worden: 1998 einerseits das Stern Plaza am Stern-Center mit 24 Etagen und 73 Meter Höhe. Im gleichen Jahr wurde auch Potsdams derzeit höchstes Gebäude fertiggestellt – die Seniorenresidenz „Heilig Geist Park“ an Stelle der einstigen Heilig-Geist-Kirche an der Havel erreicht mit ihrer Metallspitze nach Angaben des Betreibers eine Höhe von 84 Meter im Stadtbild. 2001 wurde schließlich in der Babelsberger Steinstraße der elfgeschossige Büroturm der Investitions- und Landesbank ILB errichtet, der mittlerweile von den Stadtwerken genutzt wird.

Das ILB-Hochhaus in der Steinstraße war 2001 das bis heute zuletzt errichtete Hochhaus in Potsdam. Es wird heute von den Stadtwerken genutzt, Quelle: Bernd Gartenschläger

Nachverdichtung als Reizwort

Die Rückkehr zum Hochhausbau in Potsdam wurde im Stadtforum unterschiedlich aufgenommen. „Ergänzende Hochhäuser wie in Waldstadt II können geeignete Maßnahmen sein, aber man muss sich immer fragen zu welchem Zweck“, mahnte die Architektin Petra Kahlfeldt, die dem Potsdamer Gestaltungsrat angehört.

Durch den Druck auf dem Büro- und Wohnungsmarkt werde oft nur nach der Quantität gefragt – wie viele Wohnungen, wie viel Gewerbefläche entstehen könnte. „Geht es aber auch darum neue Angebote zu entwickeln, damit Wege ins Zentrum vermieden werden?“, fragte Kahlfeldt. „Nachverdichtung“ dürfe nicht zum Reizwort und zur Drohkulisse für die Anwohner werden.

Ihr Kollege im Gestaltungsrat, Dieter Eckert, fragte sich, wieso in Krampnitz gerade um den zentralen Park im Zentrum nur niedrig gebaut wird. „Der Rand verdient Höhe an diesem großen Raum“, sagte er. Der Stadtplaner Uli Hellweg, der im Forum Krampnitz tätig ist, stellte dagegen in Frage, dass Hochhäuser einen Beitrag zur Urbanität leisten und forderte eine Rückbesinnung auf Blockbebauung und belebten Straßenraum, wie es in Krampnitz vorrangig geplant ist.

Freiräume als Ausgleich

Die durch Verdichtung schwindenden Freiräume beschäftigten die Landschaftsarchitektin Pia von Zadow. Sie will Freiräume lebenswerter machen, wie es in der Gartenstadt Drewitz passiert ist. Dazu forderte sie ein Freiraum-Kataster, um etwa im Rahmen von Ausgleichsmaßnahmen gezielt kleine Räume aufwerten zu können.

Der Potsdamer Baubeigeordnete Bernd Rubelt (parteilos) konnte zwar kurzfristig nicht an der Veranstaltung teilnehmen. Der MAZ sagte er aber zur Frage von Dichte und Höhe: „Wir müssen mit dem vorhandenen Boden schonend umgehen, eine Mindestdichte ist deshalb wichtig.“

Die nächsten Themen im „Stadt Forum Potsdam“

Dreimal im Jahr lädt das „Stadt Forum Potsdam“ zum Austausch über Themen der Stadtentwicklung ein. Dabei kommen Experten aus Potsdam und von außerhalb zu Wort.

Die nächste Sitzung findet am 5. September um 18 Uhr im Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte (HBPG) statt und hat das brisante Thema „Mieten und Wohnen in Potsdam“. Dabei soll es um Strategien der kommunalen Wohnungsgesellschaft Gewoba und der Wohnungsbaugenossenschaften gegen die Mietentwicklung und Wohnungsmangel gehen.

Die Wiederherstellungdes Potsdamer Stadtkanals, die Frage von Wasser in der Stadt, aber auch das Problem der dann entfallenden Parkplätze werden voraussichtlich am 21. November im HBPG diskutiert.

Hinweis: In einer früheren Version des Textes fehlte die Erwähnung der Seniorenresidenz „Heilig Geist Park“.

Von Peter Degener

MAZ-Service: MAZImmo

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