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Potsdam Nach Potsdam kam der Nobelpreis
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19:02 10.10.2019
Die Autorin Olga Tokarczuk war am Mittwochabend im Literaturladen Wist – am Donnerstagmorgen rief das Nobelpreiskomitee an. Quelle: Friedrich Bungert
Potsdam

Eben noch zu Gast auf der Lesebühne im Literaturladen Wist – plötzlich Literaturnobelpreisträgerin! Nachdem die polnische Autorin Olga Tokarczuk (57) in Potsdam ihr bereits 2014 erschienenes, aber erst jetzt ins Deutsche übertragene Werk „Jakobsbücher“ am Mittwochabend vorgestellt hatte, erhielt sie nur wenige Stunden später am Donnerstagmorgen aus Stockholm die höchste Autorenweihe.

Buchhändler Carsten Wist hatte tatsächlich schon am Mittwoch bei der Deutschlandpremiere von „Jakobsbücher“ den Verdacht: „Wenn Sie die nächste Literaturnobelpreisträgerin kennenlernen wollen – hier ist sie! Lassen Sie sich Ihre Bücher signieren – der 9. Oktober 2019 wird ein historischer Tag.“ Er sollte Recht behalten.

Der Mann, dem die Potsdamer Leser vertrauen: Buchhändler Carsten Wist. Quelle: Michael Lüder

„Ich will nicht sagen, dass wir das Gefühl hatten – aber im Vorfeld sprach einiges dafür, dass es Olga Tokarczuk wird“, sagt Carsten Wist. „Sie hat im vergangenen Jahr den Man-Booker-Preis für ein Buch, das schon lange zurückliegt, erhalten und stand damit nun auch in der Wahrnehmung des englischsprachigen Raums.“ Zudem seien ihre Bücher „in diesen religionsaufgeheizten Zeiten“ brandaktuell: „Sie schreibt keine historischen Romane – sie sagt sehr, sehr viel über unsere Zeit.“ Letztes Quäntchen für die Prophetie im Hause Wist: die Buchmacher in London. „Wir dachten, es laust uns der Affe! Olga Tokarczuk lag in den letzten Tagen auf Rang 9, stieg dann auf 3 und rutschte am Tag der Lesung auf 4 – die göttliche Zahl! Ein gutes Omen!“

Langer Abend mit Champagner und Wein

Olga Tokarczuk habe sich ob seiner Vorahnungs-Euphorie zurückgehalten. „Wir haben noch lange am Abend zusammengesessen, haben mit Champagner angefangen, sind dann zu einen wunderbaren Wein gewechselt und haben uns die nächste Lesung versprochen.“ Wann Olga Tokarczuk als Nobelpreiträgerin in den Literaturladen zurückkehrt, ist freilich ungewiss. „Wir hoffen, dass es nicht wieder zehn Jahr dauert“, sagt Carsten Wist, „sie kommt auf jeden Fall zurück zu denen, die sie schon vorher toll gefunden haben, die schon vorher besessen waren.“

2009 hatte die Polin zum ersten Mal in der renommierten und mehrfach ausgezeichneten Potsdamer Buchhandlung gelesen. „Da haben wir sie schon gemocht und gewartet, dass ein neues Buch erscheint“, so Carsten Wist, der die knapp 1200 Seiten „Jakobsbücher“ in einer Woche gelesen hat. „Das ist kein Stoff, den du abends vor dem Einschlafen noch im Bett liest. Das tut weh, aber es ist geistvoll. Das ist ’ne harte Arbeit, aber du wirst belohnt. Auch die Übersetzer muss man loben.“

Ein Gläschen auf Peter Handke

Schon ein paar Mal hatte Carsten Wist Nobelpreisträger in spe zu Gast: Toni Morrison etwa, Imre Kertész und Herta Müller lasen bei Wist – und räumten wenig später den weltweit bedeutendsten Preis für Literatur ab. „So knapp vor der Verkündung wie Olga Tokarczuk war aber noch niemand bei uns“, sagt Carsten Wist.

Und Peter Handke, der in diesem Jahr ebenfalls den Nobelpreis erhält? „Wir sind große Fans!“, schwärmt Carsten Wist. „Leider gibt Peter Handke keine Lesungen – wir haben ihn oft angeschrieben... Aber wir haben ihm viele Abende gewidmet und sein Werk gefeiert.“ Ein Glas Champagner erhebt Carsten Wist heute auch auf ihn.

Von Nadine Fabian

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