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Potsdam Nulldrei nimmt Abschied von der Sandscholle
Lokales Potsdam Nulldrei nimmt Abschied von der Sandscholle
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06:10 09.01.2017
Fußballturnier der Babelsberger Grundschulen auf der Sandscholle. Quelle: Bernd Gartenschläger
Babelsberg

Pragmatismus contra Tradition. Auch wenn viele Freunde des Babelsberger Fußballs mit der Lösung nicht glücklich sind: Auf der Suche nach einem Standort für eine neue Grundschule in Babelsberg läuft offenbar alles auf den Rasenplatz auf der Sandscholle hinaus. Im Gegenzug soll am Bahnhof Rehbrücke eine neue Sportanlage mit zwei wettkampftauglichen Fußballplätzen und einem Funktionsgebäude entstehen, die dem SV Babelsberg 03 als Hauptnutzer zur Verfügung gestellt wird. Zudem soll auf der Sandscholle neben dem jetzigen Kunstrasenplatz ein kleinerer Bolzplatz gebaut werden. Auch eine Schulturnhalle ist im Gespräch. Das bestätigten mehrere Teilnehmer des letzten Treffens der AG Schulentwicklung der MAZ.

Eine Babelsberger Traditionsstätte verschwindet

„Eine Traditionsstätte geht verloren, das ist eine Katastrophe für den Verein. Doch wenn die Stadt ihre Zusagen einhält, gewinnen wir unter dem Strich anderthalb Plätze. Dadurch ergeben sich für unseren Nachwuchs ganz neue Möglichkeiten“, sagte Enrico Große, Nachwuchsleiter und Co-Trainer der ersten Männermannschaft des SV Babelsberg 03. „Aus Sicht unseres Vereins ist das nicht die Lösung, doch aus Sicht der Stadt ist die Sandscholle offenbar alternativlos“, erklärte Alexander Kallenbach, 1. Vorsitzender des SV Concordia Nowawes. „Es ist ein Kompromiss, der manchem weh tut“, meinte Jens Lüscher, viele Jahre Vorstandsmitglied der Nulldreier, und nannte als Stichworte „Identität“ und „Tradition“. Jan Kuppert, langjähriger Sportfotograf und Mitglied der Stadtfraktion „Die Andere“ sagte: „Das Areal in Rehbrücke ist weit weg von der Babelsberger Homebase. So ein Schritt ist riskant. Nulldrei und Concordia sollten zumindest zusehen, dass bei diesem Deal so viel wie möglich für den Sport heraus springt. So müsste man auch das Umfeld der Nowawiese am Babelsberger Park aufwerten.“

Initiative „Pro Sandscholle“ findet 2200 Unterstützer

Doch es gibt zahlreiche Potsdamer, die überhaupt nichts von den Bauplänen der Stadt halten. So unterschrieben bis Heiligabend über 2200 Unterstützer eine Petition der Initiative „Pro Sandscholle“. „Es bringt nichts, einen intakten Sportplatz im Planungsraum Babelsberg wegzunehmen. Wenn sich Nulldrei als Kiezverein etablieren will, kann er sich nicht vertreiben lassen“, erklärte Initiator Roman Böttcher. Der Student an der Uni Potsdam glaubt, dass die Stadt nicht ernsthaft genug nach Alternativstandorten suche. Zudem habe sie gerade in jüngerer Vergangenheit Flächen und Immobilien, die sich durchaus als Schulstandorte geeignet hätten, an private Investoren verkauft. Als Beispiel gilt der Horstweg, wo erst Kleingartenanlagen geschliffen wurden und jetzt Stadtvillen entstehen.

Mancher Fußballfan fragt sich auch, warum der Fußballverein Babelsberg 03 nicht entschlossener um die Sandscholle mit ihrem schier unverwüstlichen Rasenplatz kämpft und sich den Wünschen der Stadt – zumindest öffentlich – eher klaglos fügt. Liegt es an finanziellen Abhängigkeiten? Schließlich erhält Nulldrei für Betrieb und Instandsetzung des gepachteten Karl-Liebknecht-Stadions von der Kommune einen nicht unerheblichen Zuschuss. Im Jahr 2016 exakt 360 000 Euro. Für 2017 sind seitens der Stadt sogar 415 000 Euro eingeplant.

Derlei Vermutungen weist Nulldrei-Geschäftsführer Björn Laars zurück: Die Stadt sei zu diesen Zahlungen verpflichtet. Das Geld werde zweckgebunden verwendet und abgerechnet. Zur Sandscholle sagte er: „Das ist einschwebendes Verfahren. Wir hören uns alles an. Ich sehe das auch als eine Chance, dass etwas Vernünftiges für unseren Nachwuchs entsteht“, so der Ex- Fußballprofi. Eines allerdings sei klar: „Es darf nicht so ausgehen, wie bei der Nowawiese.“ Die ist wenige Wochen nach der Übergabe abgesoffen.

Verkauf von Schulgebäuden

In der Zeit von 2000 bis 2010 hat die Stadt Potsdam zwölf Schulgrundstücke aus ihrem Besitz veräußert. Das geht aus einer Antwort des Rathauses auf eine Anfrage der Fraktion Die Andere hervor.

Allein in Babelsberg wurden vier Grundstücke verkauft: Flotowstraße 10 im Jahr 2001 (jetzt Neue Grundschule Potsdam), Tuchmacherstraße 51 (2002, jetzt Wohnnutzung), Rudolf-Breitscheid-Straße 21 (2006, jetzt Evangelische Grundschule Babelsberg) und Espengrund 10 (2010, jetzt katholische Marien-Schule).

Die Schließung des Espengrundgymnasiums am Ende des Schuljahres 2007/2008 und der spätere Verkauf des unsanierten Gebäudes an das Erzbistum waren seinerzeit stark umstritten.

Als Grund für die Verkäufe
sinkende Schülerzahlen wegen des Geburtenknicks nach der Wende angegeben. Zudem ging man für die Zukunft lediglich von einem moderaten Bevölkerungswachstum aus.

Von Jens Trommer

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