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Oberbürgermeisterwahl Potsdam Oberbürgermeisterwahl in Potsdam 1998
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07:42 14.06.2018
Ausgabe des Potsdamer Stadtkuriers vom 28. September 1998. Quelle: MAZ
Potsdam

Ein Bürgerentscheid macht die Wahl zum Oberbürgermeister 1998 nötig. Mehrere Parteien wenden sich immer mehr vom amtierenden Oberbürgermeister Horst Gramlich (SPD) ab. Ihm wird Führungsschwäche, Bürgerferne und Weltfremdheit vorgeworfen. Gramlich wird zunehmend isoliert, eine Fortführung des Amtes unwahrscheinlich. Ein Bürgerbegehren zur vorzeitigen Abberufung des Oberbürgermeisters vom 9. Februar bis 8. März ist erfolgreich. 12.747 Menschen unterschreiben. Schließlich gibt es einen Bürgerentscheid am 17. Mai 1998. 39,7 Prozent der Wahlberechtigten nehmen daran teil, 87,4 Prozent der Teilnehmer stimmt für eine vorzeitige Abberufung Gramlichs.

Wahl zum Oberbürgermeister 1998

Kandidat (Partei)

Gültige Stimmen

Prozent

Matthias Platzeck (SPD)

51.905

63,5

Anita Tack (PDS)

20.243

24,5

Wieland Niekisch (CDU)

7.458

9,1

Falk Richter (Kampagne)

1.333

1,6

Jürgen Rohne (Einzelbewerber)

990

1,2

Am 27. September 1998 gewinnt Matthias Platzeck, damaliger Umweltminister Brandenburgs, die Wahl zum Oberbürgermeister von Potsdam mit großer Mehrheit. Nach der Wahl sagte der damals 44-jährige Platzeck, dass er "ein Oberbürgermeister für alle Potsdamer" sein möchte. Seine Maxime lautet: Transparenz müsse als Normalität in die Stadtpolitik einziehn - und nötig seien: "Arbeit, Arbeit und nochmals Arbeit".Aber Wunder dürfe keiner erwarten, so der Wahlsieger. Bereits im Wahlkampf hatte er auf Versprechen verzichtet.

Mit seinem Sieg hat Platzeck das geschafft, womit nicht nur er selbst und die SPD, sondern auch seine Mitbewerber fest gerechnet haben: Sieg bei der vorgezogenen Oberbürgermeisterwahl im ersten Wahlgang. Was dazu kommt: Die Sozialdemokraten haben die PDS in deren einstiger Hochburg Potsdam sls stärkste Kraft im Rathaus verdrängt.

Die Zweitplatzierte Anita Tack räumt noch am Wahlabend ein, dass ihr Ziel "sehr hochgesteckt" gewesen sei, den "beliebtesten Minister" in die Stichwahl zu zwingen.

Wieland Niekisch, abgeschlagener Dritter bei der Wahl, wollte von Platzeck mit Anspielung auf dessen Rolle als Kronprinz von Brandenburgs Ministerpräsidenten Manfred Stolpe wissen, ob der neue Oberbürgermeister auch wirklich acht Jahre im Amt bleiben wird. Platzeck lächte nur: "Solange mich die Bürger wollen, bleibe ich Oberbürgermeister". Vier Jahre später tritt Stolpe zurück und Platzeck wird am 26. Juni 2002 Ministerpräsident von Brandenburg.

Von MAZonline/ Quelle: Bereich Statistik und Wahlen der Landeshauptstadt Potsdam