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Potsdam Anklage nach Oberlin-Bluttat: Pflegekraft griff Opfer mehrfach an
Lokales Potsdam

Oberlinhaus Potsdam: Pflegekraft griff Opfer mehrfach an

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17:35 07.09.2021
Vier Monate nach der Bluttat im Oberlinhaus hat die Staatsanwaltschaft Potsdam Anklage erhoben.
Vier Monate nach der Bluttat im Oberlinhaus hat die Staatsanwaltschaft Potsdam Anklage erhoben. Quelle: Julian Stähle
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Potsdam

Mehr als vier Monate nach der Gewalttat mit vier Toten im Thusnelda-von-Saldern Haus, einem Potsdamer Wohnheim für Behinderte des Oberlin-Vereins, hat die Staatsanwaltschaft Anklage gegen die 52-jährige Tatverdächtige erhoben. Der Pflegekraft wird Mord in vier Fällen sowie versuchter Mord in drei Fällen und gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. „Die Angeschuldigte ist hinreichend verdächtig, am 28. April 2021 fünf schutzlose Bewohner der Einrichtung in Tötungsabsicht angegriffen zu haben“, teilte die Behörde in Potsdam am Dienstag mit.

Zwei der Opfer wurden mehrfach angegriffen

Ihr werde zur Last gelegt, vier Menschen mit Behinderungen heimtückisch getötet zu haben, nachdem sie dies zunächst in zwei Fällen vergeblich versucht hatte – zwei der Opfer wurden dem Vernehmen nach zweimal angegriffen.

Der vorläufigen Einschätzung der Sachverständigen, die Pflegekraft habe die Taten im Zustand erheblich verminderter Schuldfähigkeit begangen, sei die Staatsanwaltschaft gefolgt, hieß es weiter.

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Die angeklagte Pflegekraft hatte viele Jahre dort gearbeitet. Die Frau ist inzwischen in einer psychiatrischen Klinik untergebracht. Der vorläufigen Einschätzung der Sachverständigen, die Mitarbeiterin habe die Taten im Zustand erheblich verminderter Schuldfähigkeit begangen, sei die Staatsanwaltschaft gefolgt, hieß es von der Behörde.

Von verminderter Schuldfähigkeit sprechen Juristen, wenn die Fähigkeit des Täters oder der Täterin, das Unrecht einzusehen oder nach dieser Einsicht zu handeln, erheblich verringert ist. Dies kann zum Beispiel wegen einer krankhaften seelischen Störung oder einer tiefgreifenden Bewusstseinsstörung so sein.

Ende April waren in dem Wohnheim der diakonischen Einrichtung Oberlinhaus die vier Menschen getötet und eine Bewohnerin schwer verletzt worden. Die weiteren angeklagten Mordversuche sollen sich laut der Behörde bereits zuvor gegen dieselben Menschen gerichtet haben. Die Tat hatte bundesweit für Aufsehen gesorgt.

Weitere Details zum Fall wollten Staatsanwaltschaft und Gericht nicht bekanntgeben. Die Anklage wurde vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts Potsdam erhoben. Wann es zur Hauptverhandlung und damit zur Klärung der Abläufe in dem Heim kommt, ist nach Angaben des Gerichts noch offen. Es sei aber nicht ausgeschlossen, dass noch in diesem Jahr verhandelt werde, sagte eine Gerichtssprecherin.

Von dpa, MAZonline