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Potsdam Grüne Oase – mitten im Beton-Dschungel
Lokales Potsdam Grüne Oase – mitten im Beton-Dschungel
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19:00 04.06.2019
Am Dienstag wurde in der Ökolaube das Projekt „Summ“ vorgestellt: Imke Eisenblätter von der „Tafel Potsdam“, Tafel-Sprecherin Maria Conze, Juliane Weiß-Geschäftsstellenleiterin Nabu Potsdam, Silke Meyer-Künstlerin und Imkerin. Quelle: V. Smirnova
Schlaatz

Wunderbare Orte gibt es in Potsdam ja zuhauf. Schlösser, Gärten, Kirchen, Bürgerpalais. Aber daneben gibt es noch all die kleinen Plätze, die quasi unter dem Radar der Hochglanz-Städteporträts fliegen – und die deshalb wie „Überraschungseier“ anmuten, wenn man sie denn doch entdeckt. Die Ökolaube des Naturschutzbunds Deutschland (Nabu) am Schlaatz ist so ein Ort. Wie man hinkommt? Ganz einfach: „Sie ist am besten mit der Straßenbahn Linie 92, 96 usw. zu erreichen. Aussteigen an der Haltestelle Bisamkiez und – zu Fuß etwa 300 Meter – die Brücke über die Nuthe überqueren. Oder an der Haltestelle Betriebshof aussteigen und von da aus entlang des Radweges neben den Gleisen Richtung Nuthe laufen. An der Brücke den Weg hinunter Richtung Kleingartensparte und weiter bis zum Garteneingang der Ökolaube am Holzsteg.“ So steht es auf der Internetseite des Potsdamer Nabu.

Ein verwunschener Ort

Was nicht erwähnt wird, ist das große Staunen über die Ökolaube, die 1994 im Beisein des damaligen Umweltministers Matthias Platzeck (SPD) eröffnet wurde. Hinter der Eingangspforte, kaum einen Steinwurf von den Wohntürmen entfernt, tut sich ein verwunschener Ort auf. Da ist das in ökologischer Lehmbauweise gemauerte Bullerbü-Häuschen mit üppig-wilder Dachbegrünung, dazu der Teich, in dem die Frösche quaken, und ein uriger Lehmbackofen. Außerdem ein Insektenhotel und auf einem blumenbestandenen Hügel thronen Bienenstöcke. Willkommen im Garten Eden! Nur mit dem kleinen Unterschied, dass im Paradies zwei Menschen lebten. In dieser Idylle aber dürften sich wesentlich mehr tummeln. In der guten Jahreszeit halten meist Ehrenamtler die Laube offen. Immerhin 3500 freiwillige Helfer hat der Potsdamer Nabu, wie Geschäftsstellenleiterin Juliane Weiß am Dienstag bei einem Pressetermin sagte – somit stehen die Chancen gut, beim Besuch in der Ökolaube grüne Gastgeber anzutreffen.

„Geistige Nahrung“ darf nicht fehlen

Zu den Angeboten gehört das „grüne Klassenzimmer“. Und – in diesem Jahr in zweiter Auflage – ein Ferienworkshop mit dem schönen Titel „Summ. Biene. Kunst. Kultur“. Das Besondere: Finanziert wird er von der „Tafel Potsdam“, was auf den ersten Blick nicht gerade nahe liegend wirkt. Auf den zweiten hingegen umso mehr, handelt es sich doch um einen Teil des Bundestafel-Projekts „Tafel macht Kultur“. Für „Summ“ fließen 15 000 Euro.

Der Lehmbackofen. Quelle: V. Smirnova

Der Gedanke dahinter: Reales Essen – das ist das Eine. Doch die „geistige Nahrung“ darf dabei nicht unter den Tisch fallen. Sie ist genauso wichtig, besonders für die Kinder. Deren Anteil unter den Tafel-Besuchern ist in Potsdam besonders hoch. „Wir haben 40 Prozent Kinder unter unserer Kundschaft – im Bundestrend ist es nur ein Drittel“, erklärte Imke Eisenblätter, Tafel-Leiterin und Mitglied im Vorstand der Bundestafel, beim Pressegespräch unter der riesigen Linde in der Ökolaube. In dem verzauberten Ambiente werden vom 17. bis 26. Juli Kinder und Jugendliche unter der Anleitung von Silke Meyer – ihres Zeichens Künstlerin und Imkerin – mit Workshops die Welt zwischen Honigwaben und Wildbienenhäusern erkunden.

Bienen kommunizieren durch Tanz

Dabei wird unter anderem enthüllt, wie Bienen mittels Tanz kommunizieren, oder welche Wildkräuter lecker sind. Wobei Silke Meyer auch die bitteren Wahrheiten nicht verschweigt: 75 Prozent weniger fliegende Insekten gibt es in den letzten Jahren. Und während die Bienen in größeren Städten durchaus prosperieren, ist es im ländlichen Raum mit seiner Monokultur weit schlechter bestellt. Bei den „Summ“-Workshops hat sich die Tafel neben dem Nabu noch den Schlaatzer Kinderklub „Unser Haus“ mit ins Veranstalter-Boot geholt. Wermutstropfen: Mittlerweile sind die Workshops fast alle ausgebucht; maximal fünf Plätze pro Tag stehen der Allgemeinheit noch offen.

Die Ökolaube am Schlaatz. Quelle: V. Smirnova

Aber wer diesmal nicht zum Zuge kommt, muss sich nicht grämen. Schon am 16. Juni findet in der Ökolaube das Sommerfest und der Tag der Offenen Tür statt. Unterdessen hat die Tafel noch ein zweites regionales Kooperationsprojekt im Rahmen von „Tafel macht Kultur“ gestartet. Nutznießer der Förderung ist hier die „Arche“. Deren Leiter, Christoph Olschewski, stellte in der Ökolaube die Bandbreite der Betätigungsmöglichkeiten „seiner“ Kinder – vom Segeln an der Ostsee bis Breakdance-Workshops – vor.

Tafel Potsdam: Ehrenamtliche gesucht

Doch auch die Tafel selbst würde sich über Hilfe freuen – vor allem ideeller Natur. Denn der wunde Punkt ist nach wie vor die schwierige Suche nach den freiwilligen Helfern. Imke Eisenblätter: „Pro Tag könnten wir mindestens zwei bis drei Leute zusätzlich gebrauchen.“ Wünschenswerterweise „körperlich fitte Leute“, wie Tafel-Sprecherin Maria Conze ergänzte. Denn die Arbeit bei der Lebensmittelausgabe in der Drewitzer Straße ist nun mal kein Spaziergang ...

Von Ildiko Röd

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