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Potsdam Von Teilnehmenden bis Führungskräfte: So gendert Potsdam
Lokales Potsdam Von Teilnehmenden bis Führungskräfte: So gendert Potsdam
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14:49 11.01.2020
Das sogenannte Gendersternchen ist vielen ein Graus – in Potsdam hat man andere Lösungen für geschlechtergerechte Sprache gefunden. Quelle: dpa
Potsdam

Was haben die Begriffe Wahlberechtigte, Betreuungsperson und Geburtsname gemeinsam? Sie sind geschlechtergerecht – und werden deshalb von Potsdams Gleichstellungsbeauftragter Martina Trauth (Linke) für die Benutzung in der Verwaltung empfohlen.

Potsdams Gleichstellungsbeauftragte Martina Trauth (Linke). Quelle: Friedrich Bungert

Im September 2015 hat die Potsdamer Stadtverordnetenversammlung die Stadtverwaltung verpflichtet, „geschlechtergerechte Sprache in allen Geschäftsbereichen, insbesondere in Publikationen nach außen“ weiter zu fördern. So wurden unter anderem Antragsformulare überarbeitet, Briefvorlagen neu geschrieben und der Webauftritt der Stadt umformuliert. Seit 2009 hatte es Versuche gegeben, Männer und Frauen gleichermaßen anzusprechen. Aus den Einwohnern wurden damals „Einwohner/innen“, aus dem Oberbürgermeister „der/die Oberbürgermeister/in“ mit dem Zusatz „Hauptamtliche/r Beamte/r auf Zeit“ – eine unbefriedigende Lösung, wie man im Rathaus schnell erkannte.

Verwendung ist für Verwaltung verbindlich

Den aktuellen Stand der Dinge wollten zwei Stadtverordnete – Anja Günther für die Linken und Alexander Frehse für die Partei – nun mittels einer Kleinen Anfrage an Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) ermitteln. Der nun veröffentlichten Antwort des OB zufolge ist die Sprache in der Landeshauptstadt sehr gerecht geregelt: Die Verwendung genderneutraler Begriffe ist für die Verwaltung verbindlich, ein Leitfaden der Gleichstellungsbeauftragten hilft bei deren Verwendung. In der Antwort aus dem Büro des Oberbürgermeisters auf die Anfrage klingt das dann so: „Jeder und jede unterschriftsberechtigte Beschäftigte wird damit aufgefordert, die Inhalte seiner beziehungsweise ihrer Schreiben auf die Anwendung der geschlechtergerechten Sprache hin zu überprüfen.“

Alexander Frehse (Die Partei) hat gemeinsam mit Anja Günther (Linke) nach der Umsetzung der gendergerechten Sprache in der Verwaltung beim OB angefragt. , Quelle: MAZ

Ob die Gleichstellungsbeauftragte aber mit dieser Formulierung glücklich ist, bleibt offen. Ihr Leitfaden informiert darüber, dass die sogenannten Paarformulierungen „die Verständlichkeit von Texten erschweren und bei den Lesenden zu einer raschen Ermüdung führen“ können und „aus Gründen der Verständlichkeit und Lesbarkeit eines Textes“ besser neutrale Formulierungen gewählt werden sollten. Eben: Wahlberechtigte statt Wählerinnen und Wähler, Betreuungsperson statt Betreuer und Betreuerin und Geburtsname statt Mädchenname.

Doppelpunkt und Debatten

Andere Städte, etwa Niedersachsens Landeshauptstadt Hannover und die Marzipanmetropole Lübeck, suchen indes eigene Lösungen für die Neutralität in der Verwaltungssprache. So hat sich Lübeck mit Jahresbeginn für die Nutzung eines „Gender:Doppelpunkts“ entschieden – dort heißt es nun also Lübecker:innen statt Lübecker und Lübeckerinnen oder ähnlichem. In Hannover wiederum wurde schon vor einem Jahr kontrovers debattiert, dass die Stadtverwaltung aus dem Lehrer die Lehrenden gemacht hat. In Potsdam hingegen hatte es vor viereinhalb Jahren keinen Aufschrei gegeben, als die Stadtverwaltung dazu übergegangen war, ihre Sprache zu verändern. Tatsächlich hat wohl kaum jemand in der Stadt gemerkt, dass er oder sie nun nicht mehr als Bürgerin oder als Einwohner angesprochen wird – sondern eben als Potsdamer Bevölkerung, so wie es der Leitfaden empfiehlt.

Zugleich gibt es aber auch in der Landeshauptstadt noch viel zu tun. So haben im vergangenen Jahr neun weibliche Stadtverordnete fraktionsübergreifend die Aufschlüsselung der Daten im statistischen Jahresbericht der Stadt nach Geschlechtern gefordert – das Material dafür wäre vorhanden.

Von Saskia Kirf

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