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Potsdam Ozeanriesen auf dem Templiner See
Lokales Potsdam Ozeanriesen auf dem Templiner See
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15:18 17.08.2017
Hobbyhistoriker Hans-Joachim Rook mit dem Buch „Deutsche Jugend baut Ozeanriesen“ von Max Bartsch. Quelle: Volker Oelschläger
Potsdam

Die „Columbus“ war der erste Schnelldampfer in einer rasch wachsenden Liliputanerflotte, der 1929 vor den Augen staunender Zaungäste auf dem Templiner See manövrierte. Der originale, fast 240 Meter lange Ozeanriese war Ende 1913 in Danzig vom Stapel gelaufen. Am Steuer des im Maßstab 1:20 originalgetreuen Nachbaus saß Marine-Oberingenieur a.D. Max Bartsch.

Am Ufer standen Manager der Norddeutschen Lloyd, Reederei der großen „Columbus“, die den Kapitän samt Schiff sofort nach dieser Vorführung zu

Der Kleine Kreuzer „Königsberg“ auf dem Templiner See. Quelle: Sammlung Rook

einer Werbefahrt einluden: „Nach Neuyork, wo es drüben den Amerikanern gezeigt werden sollte.“ In seinen 1937 erschienenen Erinnerungen „Deutsche Jugend baut ,Ozeanriesen‘“ beschreibt Bartsch die Fahrt im Eisenbahnwaggon nach Bremerhaven und an Bord der „Bremen“ bis nach Brooklyn, wo das Modell schließlich inmitten riesiger Dampfer über den Hudson kreuzte.

Der in Bergholz-Rehbrücke lebende Hobby-Historiker Hans-Joachim Rook (82) hat das Buch im Internet aufgestöbert und will es nun gemeinsam mit einer Sammlung historischer Aufnahmen für die 2018/19 geplante Sonderausstellung „Umkämpfte Wege der Moderne. Potsdam und Babelsberg 1914-1945“ an das Potsdam-Museum übergeben.

Max Bartsch. Quelle: Sammlung Rook

Bartsch, der im Ersten Weltkrieg auf einem U-Boot gedient hatte, war nach der Demobilisierung und der von den Siegermächten beschlossenen Entmilitarisierung Deutschlands in seine Geburtsstadt Dresden zurück gekehrt. 1924 gründete er in Klein Zschachwitz im Auftrag des Deutschen Flottenvereins eine Schiffsmodellbauschule mit dem Ziel, „die Jugend in den Dienst einer Marinepropaganda zu stellen“.

Idee des Ingenieurs war der Bau einer Flotte von Schiffsmodellen durchgängig im Maßstab 1:20, die sich aus eigener Motorkraft bewegen sollten. Die Schiffe fuhren mit einem, manchmal auch mehreren Mann Besatzung, die sich an Bord wie Riesen ausnahmen. Mit dem Bau der „Columbus“ wurde noch in Sachsen begonnen. Durch Vermittlung von Freunden des Projekts wie Prinz August Wilhelm von Preußen und Großadmiral Alfred von Tirpitz kam die Schule schließlich in die Mark. Der Rat der Stadt Potsdam bot Bartsch einen

Modelle der Schnelldampfer „Hamburg“ und „Columbus“ sowie des Schlachtkreuzers „Hindenburg“ auf der Elbe. Quelle: Sammlung Rook

Werkraum im Luftschiffhafen an. Und „die herrlichen Wasserflächen märkischer Seen“, so schrieb er, „waren der denkbar geeignetste Platz für die künftige Miniaturmarine“.

Hans-Joachim Rook stieß als Herausgeber einer Broschüre zum 1000. Jubiläum Potsdams 1993 erstmals auf die Schiffsmodellbauschule. Gemeinsam mit Reiner Wachs vom Potsdam-Museum verfasste er für das Buch „Segler und Dampfer auf Havel und Spree“ den Beitrag „Hochseedampfer kreuzten auf Havelgewässern“. Bei seinen Recherchen begegnete er einer betagten Babelsbergerin, die ihm Fotografien überließ von ihrem Freund, der einst selbst in der Schule arbeitete.

„Columbus“ zieht bei einer Schiffsmodell-Flottenparade auf dem Rhein an Adolf Hitler vorbei. Quelle: Sammlung Rook

1934 wechselte die Schiffsmodellbauschule zum neu gegründeten Reichsbund deutscher Seegeltung. Das Modellprogramm änderte sich. Nun wurden Kriegsschiffe nachgebaut, das Panzerschiff „Deutschland“, der Schlachtkreuzer „Hindenburg“, der Kleine Kreuzer „Königsberg“, das von Bartsch als „Flottenküken“ geführte Torpedoboot „Iltis“ Die Schiffe wurden Teil der NS-Propagandamaschine. „Die Flotte auf der SA-Marine-Woche in Dresden und auf dem Reichsparteitag in Nürnberg“ ist der Titel eines der Kapitel in Bartschs Buch, die davon berichten. Auf einem Bild paradiert die „Columbus“ vor Hitler auf dem Rhein.

Bartsch zog sich 1938 aus der Schule zurück, die zur Abteiinsel in Berlin-Treptow wechselte. 1944 wurde sie von Bomben zerstört.

Umkämpfte Wege der Moderne

Der Luftschiffhafen wurde 1911 auf einem 25 Hektar großen Areal am Templiner See angelegt. Geplant war ein Luftfahrtzentrum für Europa unter der Leitung des Luftfahrtpioniers Ferdinand Graf von Zeppelin.

1912 wurde die damals größte Luftschiffhalle Europas errichtet. Ab 1914 wurden Kriegsluftschiffe gebaut, die Produktion wurde 1917 eingestellt. 1920 wurde die Halle im Zuge der Entmilitarisierung Deutschlands abgerissen.

1924 erwarb die Stadt Potsdam das Gelände. 1927 wurde dort der Land- und Wassersportplatz Luftschiffhafen eröffnet. Zur Anlage gehörten u.a. ein Stadion für 13 000 Zuschauer, eine Regattastrecke, ein Freibad, eine Festhalle.

Das Potsdam-Museum bereitet für 2018/19 eine zweiteilige Sonderausstellung „Umkämpfte Wege der Moderne. Potsdam 1914-1945“ vor. Ein Fokus dieser Ausstellung richtet sich auf die Zeit-, Kultur- und Alltagsgeschichte.

In Vorbereitung der Sonderausstellung sollen zugleich Lücken im Sammlungsbestand erkundet und gefüllt werden. Das Museum sucht dafür Zeitzeugen und Zeitzeugnisse. Kontakt: 0331/289 68 11 oder per E-Mail über Wenke.Nitz@Rathaus.Potsdam.de

Von Volker Oelschläger

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