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Potsdam So anstrengend ist der Alltag eines Paketfahrers in Potsdam
Lokales Potsdam So anstrengend ist der Alltag eines Paketfahrers in Potsdam
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00:30 11.05.2019
Stadthelden Paketfahrer Jens Bernau Quelle: Foto: Rainer Schüler
Brandenburger Vorstadt

 Wenn Jens Bernau seinen Arbeitstag beginnt, liegt Schwerstarbeit vor ihm: Rund eine Tonne Last wird er bewegen, doch wie ein Gewichtheber sieht er nicht aus. Der 43 Jahre alte DHL-Paketfahrer treibt zwar regelmäßig Sport – Radfahren, StandUp-Paddeln, Volleyball –, aber er müsste nicht trainieren, um den Job zu schaffen.

Das Gewicht der Ware, die er transportiert, verteilt sich auf rund 150 Einzelsendungen. Die kleinsten sind so groß wie ein Stück Butter, die größten mannshoch. Wiegen dürfen sie nie mehr 31,5 Kilogramm. „Wir sind ja keine Spedition“, sagt Bernau. Aber bis zu dem Maximalgewicht landet vieles in seinen Händen: Blumenerde, Hundefutter, Katzenstreu, Rollmatratzen und sogar Autoreifen.

Jens Bernau beliefert Kunden in der Brandenburger Vorstadt, ein Kiez mit vielen Treppen. Bis zu einer Tonne transportiert er während eines Arbeitstages.

Zwei Wellen starten in der Basis

7.45 Uhr. Schichtbeginn. Bernau ist Teil der „ersten Welle“ in der Basis im Industriegebiet Drewitz; die „zweite Welle“ rollt eine Stunde später los. Reihenweise stehen die gelben Transporter an der Wand, das Heck geöffnet zur Beladung. Rund 150 Sendungen, kleine und große, leichte und schwere lädt Bernau in den Transporter, um sie in den folgenden Stunden im Zielgebiet wieder auszuladen, zur Haustür und dann bis vor die Wohnung zu tragen.

Paketfahrer Jens Bernau scannt in der Zustellbasis seine Fracht. Quelle: Rainer Schüler

Bernaus häufigstes Einsatzgebiet ist die Brandenburger Vorstadt. Viele alte Häuser, viele Etagen, kaum Fahrstühle. „Ein Treppen-Job“, sagt Bernau und grinst. Für ihn kein Problem, den 43-Jährigen bringt so schnell nichts aus der Puste.

Fahrer war mal Zimmermann

Bernau ist gelernter Zimmermann und schweres Arbeiten gewohnt. Er war beschäftigt bei einem Unternehmen, das von öffentlichen Auftraggebern lebte: „Die hatten immer was zu meckern und nachzubessern und zahlten erst, wenn alles nachgebessert war.“ Als er mal zwei Monate kein Geld bekam, war seine Geduld am Ende. Er wechselte zur Deutschen Post – problemlos. Das ist jetzt 19 Jahre her. Bernau hat den Schritt nie bereut. Das Unternehmen zahle gut, sagt er. „Am besten in dieser Branche.“

8.45 Uhr. Der Wagen ist beladen – und zwar nach Bernaus ganz eigenem Sortiersystem. Er verstaut die Pakete so in den Regalen des Autos, wie er die Straßen anfährt: Die Lieferungen für die erste Straße liegen gleich hinter der Fahrertür zum Frachtraum; auf der linken Regalseite, was er nach links ausliefert, auf der rechten, was nach rechts muss. „Das ist effektiv und schnell“, sagt Bernau.

DHL-Paketbote Jens Bernau bei der Auslieferung von Paketen in der Brandenburger Vorstadt. Foto: Stefan Gloede

Bernau lenkt den Iveco nach Potsdam-West, er teilt sich die Straßen mit fünf anderen Fahrern. Es ist ein harter Job, auch für den Wagen, der im Minutentakt beschleunigen, bremsen und immer wieder starten muss – das verschleißt die Technik. Die Bordsteinkanten hoch und runter geht es, der Aufbau auf der Ladefläche schaukelt, die Einbauregale ächzen. Doch Jens Bernau kennt jeden Bordstein und weiß, wo er hoch kommt auf den Bürgersteig und wo lieber nicht.

Hohe Bordsteine sind gefährlich

In der Hans-Sachs-Straße sind Kanten oft so hoch, dass er das Fahrzeug aufsetzen würde und vielleicht nicht wieder auf die Straße käme. Dort fährt er dann den Bürgersteig entlang, auch um den übrigen Verkehr nicht unnötig zu behindern. Denn in der Brandenburger Vorstadt auf der Fahrbahn zu stehen, verursacht häufig Stau. Dann fluchen die blockierten Autofahrer, Bernau kennt das zu Genüge, er nimmt’s gelassen.

Bernau fährt immer dasselbe Auto: Kein Navi, kein Radio, keine Klimaanlage, nur das Seitenfenster. Schon im Frühjahr trägt er kurze Hose, kurzes Shirt; er ist ja immer in Bewegung. Und zufrieden. Ein Radio? „Will ich nicht“, sagt er. „Würde mich nur ablenken.“

Bernau kennt jede Parklücke

Jens Bernau kennt seinen Kiez, die Schnellpark-Lücken, die Bordsteinkanten – die Kunden. „Das sind zu 60 Prozent immer dieselben, die dauernd bestellen und dann auch viel.“ Sind die nicht zuhause, findet Bernau meistens jemandem im Haus, der auch das Fremdpaket annimmt. Er punktet mit Freundlichkeit: „Hallo, Frau Bergmann, hier ist die Post. Kann ich ein Paket für Müller auch bei ihnen lassen?“ Er kann – und er wusste vorher schon: Bei Frau Bergmann klappt’s.

Über die Jahre hat er sich aufgeschrieben, wer Pakete auch für Nachbarn annimmt, er hat’s im Kopf „notiert“. Doch es gibt auch Häuser, da wird er nie was los. Dann wirft er einen Abholzettel ein. Einen zweiten Zustellversuch gibt es in aller Regel nicht, es sei denn, Bernau kennt den Kunden gut und hält auf der Rücktour noch mal für ihn an.

Jede kleine Lücke ist Jens Bernau recht zum Parken, hier in der Feuerbachstraße. Quelle: Rainer Schüler

In der Feuerbachstraße beginnt seine Tour. An der Nummer 16 muss er ein Acht-Kilo-Paket in den vierten Stock bringen; Bernau sieht’s sportlich: „So spare ich mir den teuren Fitness-Trainer.“ Doch er wird das Schwergewicht nicht los, also packt er noch zwei Pakete drauf und trägt den die Ladung zur anderen Straßenseite. Da macht Regina da Silva (66) auf: „Er ist der Beste“, sagt sie und nimmt ihm nicht nur ihr eigenes, sondern alle Pakete ab.

Stilles Örtchen in der Werkstatt

Von der Feuerbach-Straße geht es weiter durch die Lennéstraße in die Carl-von-Ossietzky-Straße. Dort winkt ein stilles Örtchen, denn auch ein Paketfahrer muss mal. Die 1a-Autowerkstatt steht ihm immer offen, und die Schlosser bleiben sogar dann geduldig, wenn er zum Austragen der Sendungen mal in ihrer Einfahrt steht. Auch in der Gerhart-Hauptmann-Schule darf Bernau mal aufs Klo, wenn nicht gerade Ferien sind; im Café „Mossy“ macht er gerne eine Mittagspause.

Da sitzt er dann beim Tee und erzählt – ganz anonym natürlich – von seinen Kunden, die er oft seit vielen Jahren kennt. Er weiß, wer was arbeitet, wer krank ist, wer heiratet oder sich gerade scheiden lässt. Wer zu Hause ist, macht immer auf und meistens schnell; samstags steht dann schon mal eine Mieterin im Nachthemd an der Tür und lächelt ihn verlegen an. „Samstags passiert das öfter mal“, sagt Jens Bernau: „Mich wundert das nicht mehr.“ Zum Kaffee wird er öfter eingeladen, auch zur Besichtigung der Wohnung, die gerade umgebaut wurde.

Bei Eis ist es besonders heikel

Es ist sonnig und kalt an diesem Wochentag. Aber was macht er, wenn es draußen schüttet? Die Pakete sind doch aus Pappe. „Ich hab ja keine langen Wege“, sagt er „und wenn, lege ich auch mal meine Jacke drüber.“ Bei Schnee und Eis ist indes Vorsicht angesagt. An extremen Wintertagen vor ein paar Jahren musste er in der Ossietzkystraße mal mitten auf der Fahrbahn parken – gefangen in den tiefen Spurrinnen, die die Autos ins Eis gegraben hatten.

Hatte er schon Pannen? „Eine“, gesteht er: Da hatte er eine Bordsteinkante falsch eingeschätzt; der Reifen platzte. Und er hat mal den Autoschlüssel stecken lassen; der Iveco war zu, als er zurück kam. Jemand aus der Zentrale musste kommen mit einem zweiten Schlüssel. „Das passiert mir nur ein Mal“, sagt er, doch unter den Kollegen passiere das zwei, drei Mal die Woche.

Freundlichkeit hilft meistens weiter

Bernau ist die Ruhe und Freundlichkeit in Person, aber er kann auch sauer werden. In der Hans-Sachs-Straße etwa bestellt jemand dauernd und viel und gibt ihm bei jeder Lieferung in barschem Ton Retouren mit, um selber keinen Weg zu haben; „Das könn’ se gleich wieder mitnehmen!“, heißt es dann. Bernau müsste es nicht machen, tut es aber. „Wir sind ein Serviceunternehmen.“ Nach außen bleibt er freundlich, auch wenn er innerlich kocht.

DHL – Der Paketdienst der Post

Das Paketzentrum in Börnicke (Landkreis Havelland) versorgt die Städte Potsdam und Brandenburg, die Landkreise Potsdam-Mittelmark, Teltow-Fläming, Barnim, Uckermark, Ostprignitz-Ruppin, Havelland und Prignitz sowie die nördlichen und westlichen Teile Berlins mit Päckchen und Paketen.

Bundesweit gibt es 35 DHL-Paketzentren, zwischen denen die Sendungen über Nacht entsprechend der Zieladressen per Lkw ausgetauscht werden.

In Börnicke werden pro Tag im Eingang und Abgang bis zu 450.000 Pakete bearbeitet.

Vom Paketzentrum aus werden die Sendungen in den frühen Morgenstunden in die DHL-Zustellbasen (nur Pakete) bzw. Zustellstützpunkte (Pakete und Briefe) der Region gebracht, dort von den Postboten eingescannt, beladen und zugestellt.

In ländlichen Gebieten erfolgt die Auslieferung von Briefen und Paketen durch einen Postboten – den so genannten „Verbundzusteller“.

Im städtischen Raum – wie Potsdam - werden Pakete und Briefe getrennt durch Paketzusteller und Briefzusteller ausgeliefert.

Potsdam wird von zwei Zustellbasen aus beliefert. Eine befindet sich in Potsdam (Am Buchhorst 35) und eine in Kleinmachnow (Hermann-von Helmholtz-Straße 3-7).

Die Zustellbasis Potsdam versorgt Waldstadt, Schlaatz, Potsdam Süd, Templiner Vorstadt, Potsdam West, Brandenburger Vorstadt, Jägervorstadt, Potsdam Nord, Innenstadt, Nauener Vorstadt, Berliner Vorstadt.

Kleinmachnow versorgt Potsdam Südost, Klein Glienicke, Kleinmachnow, Teltow, Stahnsdorf und Südwestberlin (Teile von Charlottenburg, Wilmersdorf, Steglitz, Zehlendorf und Wannsee).

Werktäglich beliefern rund 65 Paketboten die Privat- und Geschäftskunden in Potsdam. Ihr Arbeitstag beginnt in der so genannten „ersten Welle“ morgens gegen 8 Uhr in den Zustellbasen mit dem Scannen der Sendungen und Beladen der Transporter. Das dauert etwa eine Stunde.

Gegen 9 Uhr beginnt die „zweite Welle“ ihren Dienst.

Ein Paketbote liefert im Durchschnitt rund 150 Pakete täglich aus.

DHL Paket ist die Marke der Deutschen Post für das nationale Paketgeschäft.

Der Name DHL setzt sich aus den Anfangsbuchstaben der Firmengründer Dalsey, Hillblom und Lynn zusammen.

DHL Paket errichtet in Ludwigsfelde eines der größten Paketzentren Europas.

Die bestehenden Paketzentren in Rüdersdorf und Börnicke werden damit deutlich verstärkt.

In Ludwigsfelde wird hochmoderne Sortiertechnik zum Einsatz kommen, so dass Anfang/Mitte 2021 hier bis zu 50.000 Päckchen und Pakete pro Stunde bearbeitet werden können.

Die meisten DHL-Paketzentren schaffen stündlich zwischen 30.000 und 40.000 Sendungen.

Deutschlandweit werden pro Werktag von der Deutschen Post rund fünf Millionen Pakete transportiert und ausgeliefert.

Bei Paketen haftet die Deutsche Post bis zu 500 Euro im Fall von Verlust oder Beschädigung. Höherversicherungen sind möglich.

In Potsdam hat die Post für den Brief- und Paketversand 24 Partner-Filialen (inklusive Postbank Finanzcenter) und 31 DHL-Paketshops.

Die bundesweit 3700 Packstationen sind rund um die Uhr in Betrieb. Potsdam hat 22 davon. Damit ist die brandenburgische Landeshauptstadt in den neuen Bundesländern die Stadt mit der höchsten Zahl Packstationen pro Einwohner.

Unter www.postfinder.de kann man nach Eingabe des eigenen Standortes die Adressen der Packstationen sowie die Standorte und Öffnungszeiten der umliegenden Filialen, Paketshops und Briefkästen abrufen.

An manchen Häusern klingelt Bernau an diesem Tag vergeblich. Es gibt auch keine Briefkästen am Haus, und er hat keine Schlüssel zum Flur. Also muss er mit dem Scanner eine Benachrichtigung drucken. Am Ende des Liefertages steckt er die Nachrichten dann in Umschläge und schreibt per Hand Adressen drauf.

Späte Hilfe für Havarie-Kollegin

Normalerweise endet Bernaus Arbeitstag pünktlich. Nur an diesem Tag dauert es dann doch noch deutlich länger: In der Waldstadt ist ein Lieferwagen nicht am Post-Auto einer Kollegin vorbeigekommen und hat sich den Spiegel dabei beschädigt. Drei Stunden wartet die Kollegin auf die Polizei zur Aufnahme des Bagatellunfalls, ehe Kollegen geschickt werden, die fast 80 Pakete zu übernehmen. Bernau rückt als erster an.

Ein Dutzend Pakete wuchtet der 43-Jährige in seinen Iveco, fährt los und muss auch noch Adressen suchen im weitgehend unbekannten Kiez der Einfamilienhäuser. Hier sind die Wege lang sind zu Nachbarn, doch auch dort wird er die Lieferungen nicht los. Bernau ist sauer. „Da muss man als Fahrer Ablageverträge machen“, sagt er, „dann kann mit Einverständnis des Empfängers die Sendung auch am Hintereingang ablegen.“ Gegen vier nachmittags hat er dann endlich Feierabend.

Von Rainer Schüler

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