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Potsdam Psychiatrie-Patientin soll Zimmergenossin erwürgt haben
Lokales Potsdam Psychiatrie-Patientin soll Zimmergenossin erwürgt haben
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15:34 30.10.2019
Die des Totschlags beschuldigte 35-Jährige und ihre Verteidiger Robert Kain (l.) und Bodo Zielonka. Quelle: Bernd Gartenschläger
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Potsdam

Einer Psychothriller-Szene gleicht der Fall, mit dem sich seit Donnerstag das Landgericht Potsdam beschäftigt: Beschuldigt ist eine 35-jährige Frau, die im Zustand der verminderten Schuldfähigkeit ihre 82-jährige Zimmergenossin in der Psychiatrie In der Aue im Bett erwürgt haben soll. Die Beschuldigte habe einen Menschen getötet, ohne Mörderin zu sein, konstatiert Staatsanwalt Gerd Heininger. Die Anklage lautet auf Totschlag. Vei der Verhandlung handelt es sich allerdings um ein Sicherungsverfahren. Das heißt, es geht nicht um Bestrafung und Gefängnis, sondern um die Unterbringung der Beschuldigten in einer Fachklinik.

Weil die Beschuldigte an einer paranoiden Schizophrenie leidet, sei davon auszugehen, dass sie weitere Straftaten begeht, so Heininger: „Die Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik ist daher empfohlen.“ Für sas Sicherungsverfahren sind insgesamt fünf Verhandlungstage angesetzt.

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Die Tat ereignete sich während einer akuten Psychose

Ob sich rekonstruieren lässt, was genau in der Nacht zum 10. Juli 2017 zwischen 0.45 und 1 Uhr im Patientenzimmer AB 209 geschah, ist allerdings fraglich. „Unsere Mandantin kann nichts dazu beitragen“, sagt Robert Kain, einer von zwei Verteidigern. „Die Tat, die ihr vorgeworfen wird – wer auch immer sie begangenen hat – ereignete sich während einer akuten Psychose.“ Zum Tatvorwurf werde die Beschuldigte, die derzeit im Fachklinikum Teupitz (Dahme-Spreewald) untergebracht ist, daher keinerlei Angaben machen. Sie wolle aber Fragen zu ihrer Person beantworten, „weil ihre Biografie mit der Krankheitsgeschichte untrennbar verwoben ist“. Dem renommierten Psychiater Mathias Lammel, der das Verfahren begleitet, hat die Frau dem Vernehmen nach bereits ausführlich von sich erzählt. Weil der Experte aber aus terminlichen Gründen den ersten Verhandlungstag nicht wahrnehmen konnte, schloss der Vorsitzende des Schwurgerichts, Theodor Horstkötter, die Sitzung nach Verlesung der Anklage. Fortsetzung am 19. April.

Klinikum: „Die Patientensicherheit hat für uns höchste Priorität“

Das Klinikum „Ernst von Bergmann“ spricht von einem „unfassbar schrecklichen und außergewöhnlichen“ Fall. Man bedauere „den tragischen Todesfall und das damit verbundene schwere Schicksal, das die Opferfamilie erlitten hat“, so Christian Kieser, der ärztliche Leiter des Zentrums für Psychiatrie und Neurologie. Er beteuert: „Die Patientensicherheit hat für uns höchste Priorität in allem, was wir tun.“ Direkt nach dem dramatischen Ereignis habe die Klinik ihre Abläufe analysiert und kritisch hinterfragt und die Sicherheitsstandards mit externen Experten evaluiert und diskutiert. „Das Resümee aus diesen ärztlichen Fachgesprächen ist, dass es unvermeidbare schicksalhafte und nicht vorhersehbare Vorkommnisse gibt.“

Das Klinikum unterstütze die Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft „mit allen Kräften“, um zu einer lückenlosen Aufklärung beizutragen, heißt es zudem. Zu Einzelheiten können man sich allerdings nicht äußern. „Das gilt ebenso für etwaige zivilrechtliche Ansprüche.“ Laut einem Bericht der Potsdamer Neuesten Nachrichten erwägt der Sohn der Getöteten, das Klinikum zu verklagen.

Professionelle Hilfe seit beinahe 20 Jahren

Die Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik am Bergmann-Klinikum verfügt insgesamt über 141 Betten auf sechs Stationen, vier Tageskliniken mit 67 Behandlungsplätzen und zwei Psychiatrischen Institutsambulanzen (PIA) an zwei Standorten: In der Aue und in der Charlottenstraße.

In der Aue in Babelsberg befinden sich fünf Stationen, zwei Tageskliniken, eine PIA. Die Klinik gibt es seit dem Jahr 2000. nf

Von Nadine Fabian

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