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Potsdam Patrics letzte Reise
Lokales Potsdam Patrics letzte Reise
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06:19 20.12.2016
Ein halbes Jahr nach seiner ALS-Diagnose ist Patric Zocher – hier mit seiner Frau Nicole Mitte Oktober 2016 – am vierten Advent im Bergmann-Klinikum gestorben. Quelle: Claudia Jonov
Potsdam

Patric Zocher ist tot. Der 40-jährige Potsdamer, der im Frühjahr die Diagnose ALS erhalten und sich der unheilbaren Krankheit voller Zuversicht und Trotz gestellt hatte, starb am Sonntagnachmittag im Ernst-von-Bergmann-Klinikum. Dort war er am Freitag mit einer Lungenentzündung eingeliefert worden – eine häufige, meist tödliche Komplikation bei einer Amyotrophen Lateralsklerose. Auch Patrics geschwächter Körper hatte der Lungenentzündung nichts mehr entgegenzusetzen. Er wird am Dienstag, 27. Dezember, um 11 Uhr auf dem Neuen Friedhof an der Heinrich-Mann-Allee beigesetzt, nicht weit von seinem Zuhause in der Siedlung Eigenheim entfernt.

Ein karibisches Fest als Beerdigung

Patric ist friedlich im Kreise seiner Familie eingeschlafen“, sagt Nicole Zocher, die ihren Mann in den vergangenen Monaten gepflegt hatte und ihm bis zuletzt nicht von der Seite gewichen ist. „Die Eltern waren da, unsere Tochter Isabelle, viele Freunde – es war so, wie es sich Patric gewünscht hat. Er hatte keine Schmerzen, musste nicht leiden und über Tage kämpfen – er ist mit einem Lächeln gegangen.“

Mit einem Lächeln sollen sich auch all jene, die Patric kannten, die ihn mochten und schätzten, an ihn erinnern. „Die Beerdigung soll ein großes karibisches Fest werden“, sagt Nicole Zocher. „Die Gäste sollen feiern. Niemand soll weinen. Das war Patrics großer Wunsch.“ Für die Beisetzung hat die Familie die große der beiden Trauerhallen gemietet. „Die Halle und Patrics Sarg werden mit exotischen Blüten und Muscheln geschmückt. Wir spielen seine Lieblingsmusik und zaubern ihm zum Abschied eine kleine Karibik.“ Denn so schön es auch daheim in der gemütlichen Wohnung und dem kleinen Garten vor dem Wohnzimmerfenster ist: Immer hat es Patric in die Ferne gezogen. Er reiste gern, am liebsten an die sonnengeküssten Traumstrände der Dominikanischen Republik, an denen er so gut die Seele baumeln lassen konnte und das Leben so licht und leicht dahin plätschert. Freundschaften hat Patric Zocher dort geschlossen, hat überlegt, eines Tages mit seiner Frau in dieses Land der Lebenskünstler auszuwandern.

Ein letztes Mal im Traumdomizil

Im September – Patric war schon von der Krankheit gezeichnet und konnte nur noch wenige Schritte gehen – war das Paar noch einmal auf die Insel geflogen. Freunde und Arbeitskollegen von der Step hatten die Reise möglich gemacht und in den Tagen, in denen das Paar Energie für den Kampf gegen die Krankheit tankte, klammheimlich das Badezimmer barrierefrei umgebaut.

Patrics Kampf gegen ALS

Mit Kopfschmerzen und einem steifen Hals beginnt Patric Zochers Leidensgeschichte.

Gemeinsam für Patric: Alte Freunde, neue Verbündete

Noch einmal das Meer sehen

ALS-Patient sucht dringend eine Pflegekraft

Patric hat den Kampf gegen ALS verloren

Patric ist sich bis zum letzten Atemzug treu geblieben“, sagt Nicole Zocher. Lebensverlängernde Maßnahmen wie eine künstliche Beatmung und künstliche Ernährung lehnte er ab. „Er wollte leben, nicht überleben“, sagt Nicole Zocher. „Er ist seinen Weg gegangen.“ Schon früh hatte das Paar offen über alle Eventualitäten gesprochen. „Dennoch hat Patric bis zum Schluss daran geglaubt, dass er es schaffen kann“, sagt Nicole Zocher. „Er hat seinen Kampf gegen ALS verloren, aber nicht die Schlacht. ALS muss besiegt werden!“

Ihr Mann habe sich daher gewünscht, dass die Gäste zur Beerdigung statt Blumen mitzubringen, für ALS-mobil spenden. Der Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, ALS-Patienten, ihre Angehörigen und Pflegekräfte zu unterstützen. „Auch wenn es für Patric nicht gereicht hat, soll es für andere Hoffnung geben“, so Nicole Zocher. „Das ist doch ein schönes Weihnachtsgeschenk im Nachhinein.“

Patric Zochers Schicksal hat viele Menschen bewegt – nicht nur in seiner Heimatstadt Potsdam. Auf der Facebookseite „Gemeinsam für Patric – Gemeinsam gegen ALS“ haben ihm Freunde, Bekannte und Wildfremde Mut gemacht. „Vielleicht ist euch schon aufgefallen, dass der Himmel heute Nacht sehr hell war“, hieß es dort am Morgen nach Patrics Tod. Patric habe sich sicher schon den besten Platz am türkisblauen Meer gesucht. „Falls ihr ihm etwas sagen möchtet, müsst ihr nur nach oben schauen.“

Es gibt bis heute keine Heilung für eine ALS

Die amyotrophe Lateralsklerose (ALS) ist eine seltene und derzeit unheilbare Nervenkrankheit. Ihre Ursache ist nicht bekannt.

Betroffen sind bei einer ALS die Nerven, die für die willkürliche Steuerung der Muskulatur verantwortlich sind. Nach und nach verlieren ALS-Patienten bei vollem Bewusstsein die Kontrolle über ihren Körper.

Der Verlauf der ALS ist bei jedem unterschiedlich. Die meisten Patienten sterben allerdings innerhalb der ersten zwei bis fünf Jahre.

Von Nadine Fabian

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