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Potsdam Frauen wollen in die Stadtmitte zurück
Lokales Potsdam Frauen wollen in die Stadtmitte zurück
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08:48 08.01.2020
Das geplante Eckhaus Alter Markt 13/14 hönnte „Haus der Frauen“ werden. Im Hintergrund das Fortunaportal. Quelle: Wohnungsgenossenschaft Karl Marx
Innenstadt

Potsdams Frauen wollen in die Innenstadt zurück. „Wir haben einfach Lust auf die Mitte“, sagte Jenny Pöller, Vorstandsmitglied des Autonomen Frauenzentrums, auf MAZ-Anfrage.

Schon 2017 habe es erste Gespräche mit der Wohnungsgenossenschaft „Karl Marx“ gegeben, die ein Eckhaus am Alten Markt errichtet, das zum Teil über die Stadt vermietet werden soll.

Initiatorinnen Jenny Pöller, Heiderose Gerber und Sabine Hering (v.l.n.r.) vor dem Frauenzentrum in der Schiffbauergasse. Quelle: Volker Oelschläger

Die Genossenschaft sei auf die Frauen zugekommen, sagt Jenny Pöller. Ende 2019 hätten sie ein Raumnutzungskonzept für ein „Haus der Frauen“ bei der Stadt und bei der Wohnungsgenossenschaft abgegeben, sagt Heiderose Gerber, Geschäftsführerin des Frauenzentrums und Sprecherin des Frauenpolitischen Rates im Land Brandenburg.

Beteiligt wären nach dem der MAZ vorliegenden Konzept neben dem Autonomen Frauenzentrum der Frauenpolitische Rat als Zusammenschluss von 23 Frauenverbänden und -vereinen, der Verein „Fördert Frau“, die Initiative Frauenwahllokal und das Netzwerk der brandenburgischen Frauenhäuser.

Das 2011 aufgegebene Frauenhaus in der Zeppelinstraße 189. Quelle: Christel Köster

Das Konzept skizziert die Möglichkeiten des Hauses als Zentrum für Kultur und Kunst, für Politik, Wissenschaft, Religion, Wirtschaft, Sport und Gesundheit. Aktuell rechnen die Initiatorinnen laut Gerber mit 500 bis 600 Quadratmetern Fläche in zwei Etagen.

Derzeit steht dem Frauenzentrum mit 160 Quadratmetern Fläche in der Schiffbauergasse weitaus weniger Platz zur Verfügung. Anliegen eines Rückzuges in die Innenstadt sei es allerdings, Frauen in der Stadtmitte „sichtbar zu machen“, sagt Pöller.

Ein erster Platz in der Stadtmitte

Einen ersten Platz in der Stadtmitte hatten die Frauen seit 1990 in der von Persius entworfenen Villa in der Zeppelinstraße 189 am Luisenplatz.

Aufnahme vom 6. Juli 1990 mit der Eröffnungsfeier für das Café im ersten Potsdamer Frauenhaus. Quelle: AFZ

Eröffnet wurde das Frauenhaus im Juli 1990 mit einem Café. Ein halbes Jahr später wurden im Obergeschoss die ersten Zufluchtswohnungen Brandenburgs für Frauen in Not freigegeben. Im September 1991 war das Frauenzentrum mit einem Kultur- und Bildungsbereich komplett.

2011 wurde das Zentrum am Luisenplatz quasi aufgelöst. Das Frauenhaus kam an einen anonymen Ort mit 21 Plätzen in vier Wohnungen. Das Frauenzentrum mit Kultur- und Bildungsbereich zog in die Schiffbauergasse um. Das Haus an der Zeppelinstraße wurde von der Stadt verkauft.

Auch das Potsdam-Museum sucht Räume

Für das von der Genossenschaft geplante Eckhaus an der Einmündung der Erika-Wolf-Straße in den Alten Markt gibt es allerdings weitere Interessenten.

Aktive des Frauenzentrums bei einer Demonstration im März 2003. Quelle: Bernd Gartenschläger

Der Verein Pro Wissen war nach MAZ-Informationen bereits im Gespräch. Auch die Nutzung als ständige Galerie für die städtische Kunstsammlung alternativ zu einem Anbau an das Potsdam-Museum im Alten Rathaus wird diskutiert. 

Die Genossenschaft wollte sich auf MAZ-Anfrage noch nicht zu Details äußern: „Da wir uns in einem laufenden Verfahren befinden, können wir aktuell nicht tiefer auf Ihre Fragen eingehen“, sagte Geschäftsführer Bodo Jablonowski am Dienstag.

Er bestätigte aber: „Es gibt mehrere Nutzungsinteressenten für die Flächen Am Alten Markt 13/14. Alle möglichen Nutzungen haben mit den Bereichen Kultur, Bildung und Kunst zu tun.“

Offener Austausch mit allen Interessenten

Die Genossenschaft habe der Stadt die Nutzung der Flächen im Interessenbekundungsverfahren angeboten, nach dem die Baugrundstücke für die Rekonstruktion des Stadtquartiers am Alten Markt vergeben wurden: „An dieses Angebot halten wir uns“, sagt der Geschäftsführer, „und nehmen sehr gerne die Präferenz der Stadt für eine der möglichen Nutzungen entgegen.“

Heiderose Gerber 1996 bei einer Kundgebung für den Erhalt des Frauenzentrums. Quelle: Christel Köster

Die Stadt reagiert ausweichend. Sie wolle „gerne an die WG Karl Marx verweisen“, sagte Sprecherin Christine Homann: „Denn die Grundstücke wurden auf Grundlage des angebotenen und im Wettbewerbsverfahren ausgewählten Konzeptes verkauft.“

Die Nutzung müsse „kaufvertragskonform sein“, unterliege aber „keiner weiteren Vergabeentscheidung seitens der Stadt“.

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Umzug des Frauenzentrums im Mai 2011. Quelle: Bernd Gartenschläger

Geschäftsführer Jablonowski sieht das allerdings anders: „Wir sind der Errichter und Vermieter der Flächen. Da wir über die Mieteinnahmen unsere Investition refinanzieren müssen, streben wir einen langfristigen Mietvertrag an. Alle Nutzungsideen bedürfen der finanziellen Förderung durch die Stadt, so dass sie mittelbar mit entscheiden wird, mit wem wir den Vertrag abschließen. Wir befinden uns im direkten und offenen Austausch mit allen Interessenten und der Stadt.“

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Von Volker Oelschläger

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