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Potsdam DDR und Hohenzollern: Plakatausstellung in den Römischen Bädern
Lokales Potsdam DDR und Hohenzollern: Plakatausstellung in den Römischen Bädern
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15:07 29.08.2019
Warteschlange zur Friedrich-Ausstellung 1986 vor dem Neuen Palais. Quelle: SPSG
Sanssouci

Die Ausstellung „Friedrich II. und die Kunst“ im Neuen Palais war eine Sensation. Obwohl kaum beworben, kamen die Menschen aus der ganzen DDR in Massen. Vor dem Schloss formierte sich in diesem Spätsommer 1986 täglich eine riesige Warteschlange.

Mehrfach musste die Volkspolizei gerufen werden, um die Türen am Abend gegen den wütenden Protest von Gästen zu schließen, die es nicht mehr hinein geschafft hatten. Mehr als 200.000 Besucher kamen in 14 Wochen, das war ein einsamer Rekord.

Kuratorin Antje Adler vor dem 2010 gedruckten ersten Image-Plakat der Schlösserstiftung. Quelle: Bernd Gartenschläger

Antje Adler erzählt von diesem Ereignis in ihrer Ausstellung „Einfach Plakativ – 70 Jahre Werbung für die preußischen Schlösser und Gärten“, die noch bis zum 31. Oktober in den Römischen Bädern zu sehen ist.

Über Jahrzehnte hatte die Obrigkeit der DDR sich schwer getan mit den Hohenzollern. Preußen stand für Feudalismus, Militarismus und Krieg. In den 1980er Jahren jedoch gab es ein Umdenken.

Die Friedrich-Schau 1986 war die erste Ausstellung der damals staatlichen Schlösser und Gärten, die einem Monarchen gewidmet war. Antje Adler spricht von einer „Zäsur in der Ausstellungstätigkeit“.

Seltene Interna aus dem Staatsbetrieb

Seit 1990 arbeitet die gebürtige Potsdamerin bei der Schlösserstiftung. Anfangs Kastellanin, übernahm die Museologin schließlich die Betreuung der Stiftungs-Dokumentation mit ihren 16 Sammlungen, darunter die Plansammlung mit 17.000 originalen Architekturzeichnungen und Plänen aus der Nachkriegszeit und eine Fotosammlung mit 80.000 Negativen.

Die künstlerische Plakatsammlung der Stiftung mit ihren rund 2000 eigenen und 1000 Plakaten anderer Einrichtungen ist dagegen vergleichsweise klein.

Werbeplakat für die Knobelsdorff-Ausstellung 1953 im Schloss Charlottenburg. Quelle: Bernd Gartenschläger

Doch mit ihrer Auswahl von 110 Plakaten in vier Räumen gelingt der Kuratorin nicht nur ein vielschichtiger Blick auf die Entwicklung der Plakatwerbung als künstlerisches Genre, auf die Wandlung von Mode und Geschmack. Sie gewährt ebenso außergewöhnliche Einsichten in das Wirken des Staatsbetriebes, der mit der Verwaltung des Preußenerbes betraut war.

Das älteste Plakat von 1953, dem Jahr des Volksaufstandes vom 17. Juni, wirbt bezeichnenderweise für eine „Gedächtnisausstellung zum 200. Todestag“ des Baumeisters Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff im West-Berliner Schloss Charlottenburg.

Und bei aller Vielfalt von Veranstaltungen wie den Parkfestspielen mit „Musik, Gesang und Tanz – für eine glückliche sozialistische Zukunft“, so die Werbung für die siebte Folge im Jahr 1960, für Vorträge im Kulturhaus „Hans Marchwitza und für eine Vielzahl von Ausstellung in den Potsdamer Schlössern klingt in dieser Ausstellung auch die deutsch-deutsche Teilung immer wieder an.

Kleiner Rundgang durch die Ausstellung mit einigen Plakaten, die teilweise mit außergewöhnlichen Begebenheiten verbunden sind.

So erfährt man von einer Ausstellung „China und Europa“ über „Chinaverständnis und Chinamode im 17. und 18. Jahrhundert“ 1975 im Schloss Charlottenburg, für die auch Leihgaben der Potsdamer Verwaltung angefragt waren.

Doch das Kulturministerium der DDR lehnte ab. Grund waren die nach Maos Kulturrevolution auf einem Tiefpunkt angelangten Beziehungen des sozialistischen Lagers zu China, wie Antje Adler recherchierte: Zudem sei die DDR „nicht daran interessiert“ gewesen, mit ihren Leihgaben möglicherweise zu einer Verbesserung des Klimas zwischen China und der BRD beizutragen.

Hohenzollern fürchteten Enteignung

Bedenken anderer Art gab es 1988 bei einer Anfrage der Potsdamer Schlösserverwaltung zu Leihgaben für eine Ausstellung „Sammler, Bauherr, Mäzen“ über den Großen Kurfürsten. Die Verwaltung der Hohenzollern in Berlin-West fürchtete eine „Beschlagnahme und Enteignung“ der Leihgaben, auf die die DDR schon früher Anspruch erhoben hatte.

Die Generaldirektionen der Verwaltungen in Potsdam und West-Berlin konnten diese Befürchtungen jedoch entkräften, so Kuratorin Adler: Der „Verlust des internationalen Ansehens“ wäre für die DDR „zu groß gewesen“.

Nach der Präsentation im Neuen Palais ging die Kurfürsten-Schau ins Schloss Charlottenburg. Das war „eine neue Stufe der Zusammenarbeit der geteilten Schlosserverwaltungen“.

Image-Werbung wurde für die 1995 errichtete Schlösserstiftung erst vergleichsweise spät zum Thema. Das erste Plakat wurde erst 2000 publiziert. Als Motiv wählte der damalige Stiftungsgrafiker Waldemar Strempler einen Fernblick zum sanierten Klausberg-Belvedere inmitten von sattem Grün mit einem goldenen Adler vom Hausdamenflügel des Neuen Palais im Vordergrund.

Bedenken zu Baurs Bogenschützen

Eigentlich hatte Strempler einen anderen Entwurf favorisiert: Das Porträt einer Hofdame hatte er in der Collage mit einer Haube drapiert, die mit diversen Bauten der Stiftung vom Teehaus bis zum Schloss Charlottenburg besetzt war.

Diese Arbeit recycelte er 2011 als Werbeplakat für eine Ausstellung „Auf Blickfang“ in der Sanssouci-Orangerie, in der die Stiftung erstmals Werbeplakate aus den vergangenen 25 Jahren vorstellte.

Zu den Plakat-Entwürfen, die überhaupt erstmals öffentlich vorgestellt werden, zählt das Motiv eines Bogenschützen von Max Baur für eine Ausstellung historischer Aufnahmen 2010 in den Römischen Bädern, das von den Leihgebern abgelehnt wurde, weil seine Bildsprache zu sehr an die Kunst der NS-Zeit erinnerte.

Eine Rarität ist zweifellos das Werbeplakat für einen „orientalischen Abend“ im September 2007 neben dem Dampfmaschinenhaus an der Havelbucht. Verursacht durch einen Rechtschreibfehler, kostete der „Eiritt“ für die Veranstaltung zehn, ermäßigt acht Euro.

Die Ausstellung läuft bis zum 31. Oktober. Geöffnet ist Di-So 10-17.30 Uhr, Eintritt 5 Euro, ermäßigt 4 Euro; www.spsg.de/ausstellungen

Von Volker Oelschläger

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