Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Potsdam Britney ist viel früher verschwunden als bislang bekannt
Lokales Potsdam Britney ist viel früher verschwunden als bislang bekannt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:54 22.10.2019
Britney ging gern zur Schule im Bornstedter Feld.
Britney ging gern zur Schule im Bornstedter Feld. Quelle: Rainer Schüler
Anzeige
Bornstedter Feld

Die Polizei hat eine erste vage Spur zu der am Dienstag in Potsdam verschwundenen Britney. Eine Zeugin hat beobachtet, wie das 15-jährige Mädchen mit zwei anderen Mädchen ähnlich dunklen Hauttyps gegen 14.30 Uhr vor dem Bahnhofs-Haupteingang an der Friedrich-Engels-Straße Fotos von sich machte. „Wir hätten gern Kontakt zu diesen Mädchen, weil sie vielleicht wissen, wohin Britney wollte oder auch weiter mit ihr zusammen waren“, sagte Polizeisprecher Heiko Schmidt am Montagnachmittag der MAZ.

Neue Angaben der Mutter

Schmidt zufolge hat man mit Hilfe eines Dolmetschers nochmals die Mutter des Mädchens befragt und revidiert nun die bislang genannte Zeit des Verschwindens aus der elterlichen Wohnung in Drewitz. Demnach verließ sie die Wohnung ihrer Mutter und deren deutschen Lebensgefährten nach einem Streit nicht erst gegen 22 Uhr, sondern bereits gegen 13 Uhr. Überwachungsbilder belegen, dass sie um 13.28 Uhr aus einer Straßenbahn am Hauptbahnhof ausstieg, wo sie sich um 13.37 Uhr nachweislich mit einem Bekannten im Bereich der Straßenbahnhaltestelle Friedrich-Engels-Straße traf. Danach ging sie in Richtung des Bahnhofsgebäudes, wo sich ihre Spur jedoch verliert.

Gemeinsam mit der Berliner Polizei wurden Kontaktpersonen von Britney in Berlin aufgesucht und befragt. Über den Schul-Chat wurden Britneys Mitschüler über den Vermisstenfall informiert und alle bekannten Freundinnen befragt – bislang ohne brauchbare Hinweise.

Die Polizei hat nach wie vor keinerlei Anhaltspunkte für das Vorliegen einer Straftat. Zum Auffinden von Britney sind die Ermittler „angewiesen auf Hinweise aus der Bevölkerung“. Zeugen, die das Mädchen gesehen haben oder sonstige sachdienliche Hinweise geben können, werden gebeten, sich an die Polizeiinspektion Potsdam unter der Potsdamer Nummer 0331/55080 oder an jede andere Polizeidienststelle zu wenden.

Wie Schmidt der MAZ weiter sagte, sind Personalausweis und Reisepass von Britney noch bei ihr zu Hause: Man kann also ausschließen, dass sie auf dem Luftweg ausgereist ist, zum Beispiel in ihre alte Heimat Kenia. Ob es dorthin noch familiäre Kontakte gibt, konnte die Polizei nicht sagen.

An der Leonardo-da-Vinci Gesamtschule im Bornstedter Feld lernen rund 700 Kinder, darunter auch Migranten wie Britney. Quelle: Rainer Schüler

Anzeige erst Mittwochmorgen

Das Verschwinden gemeldet wurde am vergangenen Mittwoch gegen sieben Uhr morgens. Ein Passant behauptet, ihre auf einer Ufermauer des Nutheparks ausgebreiteten persönlichen Sachen schon etwa um vier Uhr entdeckt zu haben; die Polizei rief er dann aber erst gegen sieben. Es gibt angeblich einen zweiten Zeugen für den Fund, doch wurde bislang nichts über ihn und die Zeit seiner Beobachtung am Ufer bekannt.

Große Hoffnung setzen die Beamten der bis zu zehnköpfigen Ermittlergruppe vor allem in Hinweise von Klassenkameraden und Mitschülern aus der Leonardo-da-Vinci-Gesamtschule im Bornstedter Feld, in die Britney offenbar gerne ging. Man sei dankbar für jeden Hinweis, der aus diesem Umfeld vielleicht noch komme, warb Schmidt um Tipps des Freundeskreises.

Keine Anzeichen für Krisenlage

„Britney ist ein fröhliches, lernwilliges Mädchen“, sagt Schulleiterin Kirsten Schmollack. „Sie hat viele Kontakte und Freundschaften.“ Es habe keinerlei Anzeichen für eine Krisenlage gegeben. „Kinder in dem Alter knallen auch mal die Tür zu und sagen ,Ich hau ab!’. Das ist nicht ungewöhnlich“, sagte Schmollack am Montag der MAZ. Sie sei „grundsätzlich optimistisch“ und hoffe, dass Britney wieder auftaucht: „Es hätte mich auch nicht gewundert, wenn sie plötzlich zum Unterricht wieder da ist.“ Die von der Polizei veröffentlichten Fotos des Mädchens entsprechen dem letzten optischen Eindruck, den die Direktorin von ihr hatte.

Unterricht allerdings war am Montag noch nicht angesagt. Nach einer Information aller Schüler und Lehrer in der ersten Stunde, in Britneys Klasse auch mit einer Sozialarbeiterin, ging es in eine Projektwoche. Wie die Direktorin berichtet, waren einige der Schüler und sogar der Lehrer zum Schulstart völlig ahnungslos.

Lehrer sind erschüttert

Einige Lehrer seien schwer erschüttert gewesen und hätten gefragt, was sie denn tun könnten in der Situation, so Schmollack. Sie habe den Screenshot eines Presseartikels über Britneys Verschwinden an alle Kollegen geschickt. Sie selbst und die Klassenlehrerin haben unmittelbar nach dem Verschwinden durch die Polizei von dem Ereignis erfahren, weil sie gerade in der Schule waren. „Wir hoffen sehr“, so Schmollack, „dass wir etwas Positives dann auch wieder direkt von der Polizei erfahren und nicht erst in der Zeitung oder online lesen.“ Trotzdem blättere sie früh immer als erstes in den Medien, sagte die Schulleiterin der MAZ: „Britney ist ein sehr optimistischer und hoffnungsvoller Mensch. Also habe auch ich Hoffnung.“

Von Rainer Schüler

MAZ-Reihe: Politiker Persönlich - Was ist Ihr Motto als Politikerin, Frau Zalfen?
21.10.2019
Potsdamer Hasso-Plattner-Institut - Von Google bis zur Top-Uni in den USA
21.10.2019
Potsdamer Hasso-Plattner-Institut - Der Mann, der in die Zukunft blicken kann
21.10.2019