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Potsdam Eine wahnsinnige Nacht vor 30 Jahren
Lokales Potsdam Eine wahnsinnige Nacht vor 30 Jahren
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10:32 22.10.2019
Fotos von der Grenzöffnung auf der Glienicker Brücke vom 10. November 1989. Quelle: Manfred Warnecke
Potsdam/Berlin

Als die Schlagbäume aufgeklappt wurden, die Grenze fiel, und die ersten Potsdamer die Brücke der Einheit in Richtung Berlin überquerten, war der Westen für sie vor allem eines: überraschend dunkel. Es war der 10. November 1989. Mike Schubert, damals 16 Jahre alt, erinnert sich: „Die Grenze war auf unserer Seite bis ins letzte ausgeleuchtet und wenn man da rüber ging, war dann nichts, da war es einfach duster“, sagt er. „Ich wusste ja, dass da ein Park sein musste, aber sehen konnte ich nichts.“ 30 Jahre später ist Schubert der SPD-Oberbürgermeister der Landeshauptstadt, die Brücke der Einheit heißt längst Glienicker Brücke – und wird zum 30. Jubiläum des Mauerfalls zum städte- und länderübergreifenden Festort.

Potsdams Stadtchef Mike Schubert (SPD) und Cerstin Richter-Kotowski (CDU), Bürgermeisterin von Steglitz-Zehlendorf am Montag im Landtag. Quelle: Friedrich Bungert

Am Montag hat Mike Schubert gemeinsam mit Landtagspräsidentin Ulrike Liedtke und Brandenburgs Ministerpräsidenten Dietmar Woidke (beide SPD) sowie der Bezirksbürgermeisterin von Steglitz-Zehlendorf, Cerstin Richter-Kotowski (CDU) im Potsdamer Landtag das Programm des Gedenktags vorgestellt: Die Brandenburger Landesregierung und der Landtag, die Stadt Potsdam und der angrenzende Bezirk Steglitz-Zehlendorf wollen gemeinsam feiern, gemeinsam erinnern an diese Zeit, die viele bis heute nur als „Wahnsinn“ beschreiben.

Freude und bange Angst

So auch Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke. Er lebte im Herbst ’89 in Berlin-Mitte, gelangte als einer der ersten am Grenzübergang Bornholmer Straße in den Westen. „Diese unwahrscheinliche Drucksituation, die ganze Angst hat sich in dieser Nacht zunächst in Freude aufgelöst“ sagt er, der zuvor die Großdemonstrationen in der DDR-Hauptstadt miterlebt hatte, der gesehen hatte, „wie junge Leute von der Stasi in Autos gezerrt und abtransportiert wurden“. Auch an der Bornholmer Straße erwartete die neugierigen DDR-Bürger Dunkelheit – und die bange Ungewissheit, ob sie überhaupt wieder zurück kämen. „Auf dem Passfoto war ’Ausreise’ gestempelt“, sagt der Ministerpräsident, „niemand konnte sagen, wie es weitergeht, das war ein Wahnsinn.“

„Niemand wusste, wie es weitergeht“: Dietmar Woidke erinnert sich an den Mauerfall in Berlin-Mitte. Quelle: Friedrich Bungert

Noch bis in den Sommer 1990 hinein wurden die Pässe gestempelt, dabei war die Mauer bereits weg. „Es war eine Zeit, die uns alle sehr geprägt hat“, sagt Woidke. „Der Herbst 1989 war eine Chance zur Freiheit, die Chance, eine lebenswerte Gesellschaft der Zukunft zu gestalten“, sagt Landtagspräsidentin Ulrike Liedtke. Ihr sei wichtig gewesen, bei den Gedenkveranstaltungen des Landtags Menschen zu Wort kommen zu lassen, die „in unterschiedlichen Gruppen an unterschiedlichen Orten“ aktiv waren; sie hat Bürgerrechtler aus Frankfurt (Oder) und Cottbus eingeladen, zudem werden sich die Abgeordneten des Landtags auch an den Feierlichkeiten in ihren Wahlkreisen beteiligen. Das Hauptaugenmerk liegt jedoch nicht auf dem Landtag, sondern auf der Brücke.

Ein Ort der Begegnung

Man sieht der Glienicker Brücke die Teilung bis heute an. Die Grenze verlief in der Mitte, die Stahlkonstruktion ist ost- und westseitig in unterschiedlichen Grüntönen gehalten. Genau in der Mitte soll die Teilung auch am 10. November wieder sichtbar werden, eine Linie auf der Straße zeigt die ehemalige Grenze an. Doch sie soll nicht trennen: Hier wird ein Ort der Begegnung geschaffen, getaucht in eine aufwendige Illumination und untermalt von einer Videoinstallation mit historischem Filmmaterial zum Mauerfall.

Die Grenzöffnung auf der Glienicker Brücke am Abend des 10. November 1989. Quelle: Manfred Warnecke

Noch seien nicht alle Fragen, alle Herausforderungen der Wende geklärt, da sind die die Repräsentanten von Stadt, land und Bezirk einig. „Aber wir haben nach 30 Jahren vor allem Grund, zu feiern“, sagt Landtagspräsidentin Ulrike Liedtke. Mit den Gedenkveranstaltungen zum Mauerfall-Jubiläum startet Potsdam in ein Erinnerungsjahr: Im Sommer jährt sich die Potsdamer Konferenz zum 75. Mal, auf der die Teilung Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg beschlossen wurde. Im kommenden Herbst finden die zentralen Feiern zu 30 Jahren deutscher Einheit hier statt. Der Veranstalter ist das Land Brandenburg, Ministerpräsident Dietmar Woidke steht dann dem Bundesrat turnusgemäß für ein Jahr vor.

Von Saskia Kirf

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