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Potsdam Arbeitsagentur wirbt mit VR-Brillen für Ausbildungen
Lokales Potsdam Arbeitsagentur wirbt mit VR-Brillen für Ausbildungen
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12:00 04.05.2019
Und Film ab, bitte: Marie(16), Max (17), Anna (16) und Samantha (16, v. l.) der Gesamtschule Potsdam testen die neuen VR-Brillen im Berufsinformationszentrum der Potsdamer Arbeitsagentur.
Und Film ab, bitte: Marie(16), Max (17), Anna (16) und Samantha (16, v. l.) der Gesamtschule Potsdam testen die neuen VR-Brillen im Berufsinformationszentrum der Potsdamer Arbeitsagentur. Quelle: Bernd Gartenschläger
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Potsdam

Vorsichtig, ganz vorsichtig lässt der Kran das massive, meterdicke Rohr in die Baugrube hinab. Kaum eine Handbreit schwebt es vor den eigenen Augen vorbei. Wer den Kopf hebt, sieht, wie ein Mann mit Helm und Sicherheitshandschuhen am oberen Rand der Grube dem Kranführer lautstarke Anweisungen gibt. Wer den Blick senkt, sieht in die metertiefe Grube hinab.

Die Situation wirkt so real, so lebensnah und echt, dass man als Betrachter kurz die Luft anhält, als das Rohr durch eine Engstelle in der Grube hindurch manövriert werden muss. Und doch ist alles nur ein Film. Er läuft auf den neuen Virtual-Reality-Brillen der Potsdamer Agentur für Arbeit – und er demonstriert in einer 360-Grad-Optik den Baustellen-Alltag eines Tiefbaufacharbeiters.

100 Filme auf insgesamt 36 VR-Brillen

Rund 100 Filme hat die Agentur auf ihren 36 neuen Brillen gespeichert, mit denen sie seit diesem Jahr an Schulen und auf Messen für Ausbildungsberufe wirbt. Rund 100 Berufssituationen kann sie so zeigen. Wer sich eine der Brillen aufsetzt, erlebt für drei Minuten, wie ein Polizist auf Streife geht, wie ein Erzieher 20 Kinder gleichzeitig im Blick haben muss oder wie es ist, einen tonnenschweren Lkw zu lenken.

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330 Potsdamer haben noch keinen Ausbildungsplatz gefunden

Dabei soll das Projekt mehr sein als eine Spielerei: „Wir versuchen den Jugendlichen einen neuen Anreiz zu geben, sich mit dem Thema Ausbildungswahl zu beschäftigen und verschiedene Berufe einmal kennen zu lernen, die sonst vielleicht nicht so präsent sind“, sagt Doreen Ließ von der Arbeitsagentur. Es sei den Mitarbeitern bewusst, dass sich kein Schüler für einen Beruf entscheidet, den er drei Minuten in Rundumsicht erlebt hat. Aber bei der häufig langwierigen und komplizierten Suche nach einem Ausbildungsplatz in der richtigen Branche könne es ein weiterer hilfreicher Impuls sein.

Situation am Ausbildungsmarkt bleibt angespannt

Und Impulse sind dringend notwendig. Denn die Situation auf dem Ausbildungsmarkt bleibt angespannt. Aktuell sind noch 330 Potsdamer ohne Ausbildungsplatz. Weil gleichzeitig noch 566 Ausbildungsplätze in der Stadt unbesetzt sind, braucht es die Arbeitsagentur als Vermittler. Deswegen gehen die Mitarbeiter auf Messen, an Schulen oder laden sich – wie am Dienstag – Klassen in das Berufsinformationszentrum im Horstweg ein. Die Zehntklässler der Gesamtschule Potsdam jedenfalls sind angetan von den neuen Brillen. „Natürlich hilft ein richtiges Praktikum eher“, sagt Schüler Max (17), „aber wer noch keine Idee hat, der kann bei den Brillen bestimmt etwas mitnehmen“.

Die Schüler der Abschlussklasse haben bereits zu rund einem Drittel einen Ausbildungsplatz. Einige gehen weiter zur Schule und streben das Abitur an. Für manche aber ist die Suche nach dem richtigen Ausbildungsplatz noch nicht abgeschlossen. Sie finden die Idee mit den Brillen spannend, doch einen konkreten Berufswunsch hat hier niemand der virtuellen Realität abgewinnen können. Es ist eben nur der Beginn. „Wir probieren ja selber noch aus, wie wir die Brillen am besten einsetzen können“, sagt Doreen Ließ von der Arbeitsagentur. Ein Anfang und eine neue Idee aber sei es.

Von Ansgar Nehls

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