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Potsdam Architektonischer Bruch zur Garnisonkirche
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21:39 12.02.2020
Kreativhaus Rechenzentrum und die Baustelle des Turms der Garnisonkirche in der Breiten Straße. Quelle: Peter Degener
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Innenstadt

Bis 2023 soll feststehen, wie der Standort der Garnisonkirche und des Kreativhauses Rechenzentrum in Zukunft aussehen soll. Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) skizzierte am Mittwoch im Hauptausschuss ein vierstufiges Verfahren, dass er mit den Stadtverordneten anstoßen will.

Es sei die Konsequenz der Anhörung zum Umgang mit dem historischen Ort, bei der Ende Januar zahlreiche Akteure in dem Konflikt ihre Position dargelegt hatten. Für Schubert sei dort deutlich geworden, dass man „über beide Bauwerke und deren Nutzung“ diskutieren müsse.

>>>Kommentar zur Garnisonkirchen-Anhörung: Sie haben miteinander geredet

Neutraler Prozessmanager wird gesucht – kein Historiker, kein Architekt

Seine Idee sieht vor, das als erstes bis zum Sommer 2020 mit der Stiftung Garnisonkirche und der Stadt als den zwei Grundstückseigentümern, sowie den Nutzern des Areals - etwa den Mietern des Kreativhauses Rechenzentrum - „gemeinsam besprochen wird, in welcher Art und Weise ein inhaltliches Konzept und eine architektonische Lösung miteinander durchlaufen werden können.“

Dieser erste Schritt soll von einem neutralen Prozessmanager moderiert werden – kein Historiker, kein Architekt. Der Oberbürgermeister nennt allerdings als Bedingung für einen Kompromiss die Anerkennung „der Eigentumsverhältnisse und Nutzungsinteressen“. Das bedeutet: Der Turm der Garnisonkirche müsse wie genehmigt gebaut, das Kreativhaus Rechenzentrum solle „weitestgehend oder vollständig“ erhalten, sagte Schubert im Ausschuss.

Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) will beides – den Garnisonkirchenturm und das Rechenzentrum. und ein architektonisch herausragendes Drittes. Quelle: Friedrich Bungert

Inhaltliches Konzept bis Frühjahr 2021

Als nächstes soll bis zum Frühjahr 2021 das inhaltliche Konzept für den Ort präzisiert werden. Er denke dabei an die Schnittmengen aus den Konzepten der angehörten Akteure. Von der Jugendbegegnungsstätte über die Kulturkirche bis hin zum Dokumentationszentrum des preußischen und deutschen Militarismus reicht dieses Spektrum. Dabei soll auch geklärt werden, welches Raumprogramm und andere Anforderungen der Standort in Zukunft erfüllen muss.

Er wolle auf die Erfahrungen existierender Einrichtungen wie dem Dokumentationszentrum des Nationalsozialismus in München, der Kulturkirche Köln oder dem Haus der Weimarer Republik in Weimar zurückgreifen – und auf das Wissen der lokalen Gedenkstätten in Potsdam, sowie der Stiftung Preußische Schlösser & Gärten.

Das NS-Dokumentationszentrum am Königsplatz in München. Quelle: imago stock&people

Internationaler Architekturwettbewerb angeregt

Sobald der Inhalt des Ortes an der Plantage und seine Anforderungen feststünden und von den Stadtverordneten beschlossen wären, könne man in einem dritten Schritt das gestalterische Konzept entwickeln – die Architektur.

Schubert stellt sich einen internationalen Architektenwettbewerb vor: „Es gibt landauf, landab großartige Beispiele, wo Historisches und Modernes miteinander verbunden wurde, auch in Deutschland. Da gibt es spannende Möglichkeiten, die Brüche sichtbar zu machen.“ Wenn man vom Inhalt her denke, könne man mit Brüchen auch „entspannter umgehen“.

Das 2011 eröffnete Militärhistorische Museum der Bundeswehr in Dresden. Quelle: Oliver Killig/dpa-Zentralbild

Schubert nannte Dresden, München und Nürnberg. Dort stehen das Militärhistorische Museum der Bundeswehr von Daniel Libeskind, das NS-Dokumentationszentrum München des Architekturbüros Georg Scheel Wetzel und das Dokumentationszentrum auf dem Nürnberger Reichsparteitagsgelände von Günther Domenig.

Das Dokumentationszentrums auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände der NSDAP in Nürnberg. Quelle: dpa/Daniel Karmann

Kontrapunkte zum historischen Ort

Alle drei Beispiele zeichnen sich durch einen Bruch oder Kontrapunkt zum historischen Ort aus. So wird beim Militärhistorischen Museum ein altes Zeughaus aus dem 19. Jahrhundert seit einigen Jahren von einem Keil durchschnitten, der weit aus dem Denkmal hinausragt.

Anscheinend schwebt Schubert ein ähnlicher Bruch auch für die bauliche Gestalt auf dem Grundstück des früheren Kirchenschiffs der Garnisonkirche zwischen Turm und Rechenzentrum vor.

Im letzten Schritt des vorgeschlagenen Verfahrens geht es um die bauplanerische Umsetzung – so muss der Bebauungsplan Nr. 1 „Neuer Markt / Plantage“ dafür angepasst werden. Das soll bis Ende 2023 erfolgen.

„Anerkennung einer längst überfälligen Diskussion“

Im Hauptausschuss gab es verschiedene Reaktion. Linken-Chef Stefan Wollenberg nannte diesen Weg „die Anerkennung einer längst überfälligen Diskussion“. Die Grünen wollen eine möglichst breite Beteiligung der Öffentlichkeit am Prozess sichern. Die Fraktion Die Andere schlug die städtische „Werkstatt für Beteiligung“ als Prozessmanager vor.

SPD-Fraktionschef Daniel Keller lobte die offene Vorgehensweise und stellte indirekt die Bedingung zum Erhalt des Rechenzentrums infrage: „Wir haben in der Anhörung festgestellt, dass die Flächen gemeinsam gedacht werden müssen. Aber ich warne davor irgendwelche Vorfestlegungen zu machen, die den Prozess beschädigen oder konterkarieren würden.“

CDU zieht Antrag auf historisches Kirchenschiff notgedrungen zurück

Er forderte zudem die CDU auf, ihren Antrag , wonach sich Schubert im Kuratorium der Garnisonkirchen-Stiftung für die Wiederherstellung des barocken Kirchenschiffs einsetzen soll, zurückzuziehen. Die CDU folgte dem erst, als ihr eine Abstimmungsniederlage drohte. Schubert merkte an, dass das Kirchenschiff durch das Konzept der Initiative Mitteschön weiter einen Platz im offenen Prozess habe.

Der Oberbürgermeister will das Verfahren Anfang März in die Stadtverordnetenversammlung einbringen und dann die Idee sowohl dem Kuratorium der Stiftung, als auch den Nutzern des Rechenzentrums persönlich vorstellen.

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Von Peter Degener

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