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Potsdam Auch Drewitz bekommt Kiezkümmerer
Lokales Potsdam Auch Drewitz bekommt Kiezkümmerer
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18:05 13.01.2020
Drewitz von oben: Deutlich erkennbar ist die Konrad-Wolf-Allee mit dem grünen Parkstreifen, das Havel-Nuthe-Center im Vordergrund und das Stern Plaza am Sterncenter. Quelle: Friedrich Bungert
Drewitz

Das Neubaugebiet Drewitz entwickelt sich weiter. Zahlreiche Herausforderungen des Kiezes waren am Montag das Thema beim Jahresauftakt der zur „Gartenstadt“verwandelten Plattenbausiedlung im Begegnungszentrum Oskar. Dort wurden vor allem Fragen von Sanierung, Mieterschutz und Gewerbe diskutiert.

Das Wohngebiet bekommt einen Kiezkümmerer

Zusammen mit den Wohngebieten Stern und Schlaatz wird Drewitz mit Hilfe des Programms Soziale Stadt gefördert. Eine Verbesserung, die am Schlaatz schon angekündigt wurde, wird nun auch in Drewitz umgesetzt. „Es soll einen Kiezkümmerer geben“, erklärte Kathrin Feldmann, die Quartiersmanagerin vom Stadtkontor, der das Programm „Soziale Stadt“ durchführt.

„Es geht um jemanden, der sich für den Stadtteil verantwortlich fühlt. Er soll mit einem Lastenrad und vor allem vielen Informationen ausgestattet sein und Kontakt zu den Einrichtungen, Bewohnern und Eigentümern halten“, erklärt Feldmann. In der zweiten Jahreshälfte soll er seine Arbeit aufnehmen. Bezahlt wird die Stelle durch Bundesmittel.

Stadtkontor: Stadt muss weiter in den Stadtteil investieren

Der Baubeigeordnete Bernd Rubelt (parteilos) nannte Drewitz „ein Labor und Modellvorhaben“, auf dass die Bürger Stolz sein dürften. Die dortigen Erfahrungen sollen auch nächsten großen Umbauprojekt am Schlaatz, aber auch am neuen Stadtteil Krampnitz angewandt werden. Kathrin Feldmann, die von Anfang an dabei ist, weiß, dass es zu Beginn vor allem an der Kommunikation mit den Einwohnern mangelte.

Sie hofft, dass anderswo „vorab miteinander geredet wird“, aber auch, dass die Stadt sich nachhaltig in Drewitz engagiert. „Wenn der Baubeigeordnete verspricht, dass die Drewitzer auch künftig stolz auf ihren Kiez sein dürfen, dann muss die Stadt dran bleiben. Hier wird es immer städtische Fürsorge brauchen“, sagt Feldmann.

Nachdem mit Fördermitteln vieles neu geschaffen wurde, gelte es nun, Grünanlagen zu pflegen, Spielgeräte und Bänke bei Bedarf zu ersetzen. „Das bedeutet, dass die Landeshauptstadt hier eigenes Geld in die Hand nehmen muss“, sagt Feldmann.

Die Gartenstadt Drewitz. Quelle: Friedrich Bungert

Hohe Sanierungskosten – aber wenig klimatischer Effekt

Die Pro Potsdam und die Genossenschaften, denen zusammen etwa 2100 von 3100 Wohnungen in Drewitz gehören, haben laut Stadtkontor seit 2011 etwa 97 Millionen Euro in die Modernisierung investiert. 854 Wohnungen konnten dabei modernisiert werden.

Für Carsten Hagenau, den Leiter des Arbeitskreises Stadtspuren, ist diese Bilanz aber nicht nur positiv. „Mit Blick auf die Klimaneutralität des Stadtteils hätte man das Geld viel effizienter in das Energienetz investiert sollen, als in den Hochbau. Die Umstellung auf grüne Fernwärme kostet deutlich weniger, hat aber einen vielfachen Effekt“, sagt Hagenau.

Er rechnet vor, dass sich die Kaltmieten teils um zwei Euro pro Quadratmeter erhöht hätten – eine Durchschnittsbelastung von 1500 Euro im Jahr. Bei einer Modernisierung des Netzes läge die Mehrbelastung bei nur 30 Euro im Jahr.

Mieterberatung hat Verdrängung verhindert

Trotzdem ist der überwiegende Teil der Bewohner geblieben. Über 90 Prozent haben den Stadtteil während oder nach der Sanierung nicht verlassen. Weit über die Hälfte ist wieder in die frühere Wohnung zurückgezogen, berichtete Heike Brümmel vom Mieterverein Prenzlauer Berg.

Seit 2011 berät der Verein die Mieter, die damals nicht wussten, was mit der Sanierung auf sie zu kommt. „Wir haben Härtefälle betreut, bei Umzügen geholfen und in allen Fragen beraten. Die Zufriedenheit der Mieterschaft ist dadurch gewachsen, aber es gab auch keine Klagen gegen die Sanierung“, sagt Brümmel.

Carsten Hagenau leitet den Arbeitskreis Stadtspuren. Quelle: Friedrich Bungert

So sei durch die Arbeit des Mietervereins nicht nur die Verdrängung der Einwohnerschaft verhindert worden, auch die Zeitpläne im Baugeschehen konnten gesichert werden. Carsten Hagenau lobte diese Arbeit: „Wir waren sehr skeptisch, sind mittlerweile aber sehr froh, dass wir die Mieterberatung haben.“

Einzelhändler gründen Gewerbeverein

Gute Aussichten bescheinigt Thomas Hartmann den Einzelhändlern im Kiez. Er hat die Gewerbetreibenden im Auftrag der Stadt während der Sanierung unterstützt. „Zu Beginn der Sanierung gab es vor allem bei den Alteingesessenen im Havel-Nuthe-Center große Sorgen, auch weil nicht mit ihnen gesprochen worden ist“, erzählt Hartmann.

Die Kaufkraft der Drewitzer ist sowieso gering, nun wurden zusätzlich ganze Blöcke saniert. In dieser Zeit machten vier Händler dicht. Mancher überlebte nur mit Mühe, weil plötzlich 20 oder 30 Prozent der Kundschaft weggeblieben seien. „Halten können sie sich, aber es ist für die inhabergeführten Geschäfte eine Existenz knapp über dem Prekären“, findet Hartmann deutlich Worte.

Doch heute konstatiert er nach regelmäßigen Umfragen, dass die Umgestaltung entlang der Konrad-Wolf-Allee „Mut gemacht“ hat, die Lage der Händler stabilisiere sich. Vor allem die Neukonzeption der Wohnblocks der „Rolle“ mit Läden im Sockel habe auch junge Händler nach Drewitz geholt.

Ein Spätkauf, zwei Physiotherapien, ein Tattoo- und ein Fotostudio haben sich angesiedelt. Die Gewerbetreibenden von Drewitz wollen nun sogar einen eigenen Gewerbeverein gründen, um sich besser untereinander und mit den Einrichtungen in Drewitz zu vernetzen. Im Januar wird über die Satzung diskutiert, im Februar soll mit mindestens zehn Händlern die Gründung vollzogen werden.

Der Umbau von Drewitz zur Gartenstadt

Seit 2011 wird das Wohngebiet Drewitz zu einer klimaneutralen Gartenstadt umgebaut. Neben 200 Bäumen wurden vor allem über 30.000 Sträucher und Stauden angepflanzt.

Seitdem wurde die einstige Hauptverkehrsachse Konrad-Wolf-Allee zu einem langgestreckten Park umgestaltet, an dessen Rand Autos nur noch langsam unterwegs sind. Dadurch wurde der Durchgangsverkehr um 70 Prozent reduziert.

2019 entstanddaraus ein „Grünes Kreuz“, indem ein verkehrsberuhigter Straßenzug quer über die Konrad-Wolf-Allee zu einem neuen Platz aufgeweitet und mit Spielgeräten und Bänken aufgewertet wurde.

Von Peter Degener

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