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Potsdam Babelsberger tut alles für seine Täubchen
Lokales Potsdam Babelsberger tut alles für seine Täubchen
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00:20 01.06.2019
Günter Borchert hat seit seiner Kinderheit mit Tauben zu tun. In seinem Schlag hält der Züchter 50 Vögel. Quelle: Rainer Schüler
Babelsberg

 Alles fing mit 17 an; eine Liebe, die für’s Leben hielt: „Vater hatte Hühner, Kaninchen und Tauben“, erzählt Günter Borchert (89), „da war es normal, dass ich das fortgesetzt habe.“ Doch er beschränkte sich auf Tauben. „Die sind so genügsam!“

20 bis 30 Tiere waren es zunächst in seinem Schlag; 50 erwachsene Tiere sind es heute und etwa 40 junge. Sie leben in einem großen Schlag an der Rudolf-Breitscheid-Straße, im Gartenbereich hinter dem Haus, das Borchert einst gehörte. Er hat es verkauft, lebt seither mietfrei in einem Lückenschlussgebäude. Den Taubenschlag darf er weiterhin auf Lebenszeit und kostenfrei betreiben.

Günter Borchert (89) kann nicht von seiner Jugendliebe lassen: der Taubenzucht. Seit er 17 ist, betreibt er sie und opfert dafür jeden nennenswerten Urlaub. Aber er ist auch verheiratet.

Getrennt nach Täuber und Täubin wohnen hier die Tiere, sonst gäbe es ständig ungewollten Nachwuchs. 8,50 Meter lang, zwei Meter tief und zwei Meter hoch ist das Haus der Tauben, das 6700 Euro gekostet hat. Einmal pro Jahr erlaubt der Züchter das Zusammensein, lässt die Eltern Eltern sein. Mitte Februar bis Anfang Mai ist Paarungszeit; die Brut besteht meist aus zwei Jungen pro Paar.

17 Tage wird gebrütet, 25 Tage nach dem Schlüpfen ist der Nachwuchs dann schon flügge. Familienidylle? Nein, sondern Züchteralltag: Borchert nimmt den Eltern ihre Kinder weg und trennt die Eltern wieder. Jeder fliegt von nun an ganz für sich allein, getrennt nach den Geschlechtern, die es zueinander zieht. So finden alle auch wieder heim.

Taube und Küken im Schlag von Günter Borchert. Quelle: Rainer Schüler

Sperber, Krähen und Habicht: die größten Feinde der Tauben

In der Nähe des Schlages ist das kein Problem, falls nicht der Sperber oder Habicht Beute unter ihnen machen – die Greifvögel lauern gern mal in der Nähe. „Gegen sie hat die Taube keine Chance“, berichtet Borchert, „sie sieht die nicht, wenn sie sich im Sturzflug von oben nähern.“ Borchert zeigt die kleinfingergroßen spitzen Krallen der Raubvögel, die sich in die Opfer bohren: „Es werden immer mehr Räuber, aber man darf sie nicht fangen oder erlegen. Sie stehen unter Naturschutz.“

Er selbst hat seit längerem Ruhe vor den Raubvögeln, doch ein Züchter in Stahnsdorf hat mal fast alle Tauben an Sperber, Habichte und Krähen verloren. Mit den Krähen hat Borchert einen „Deal“: Er verfüttert ihnen frische Taubeneier und sie vergreifen sich nicht an den Tauben.

Wettflüge über 300 bis 600 Kilometer

Unsicherer als im Stadtgebiet ist die Reise auf den großen Wettflügen, wenn der Startort 300 bis 600 Kilometer entfernt von Potsdam liegt und man die Tiere mit dem Laster dorthin bringt, wo sie aufgelassen werden. Bis zu 2500 Tiere von verschiedenen Haltern hocken dann in Alu-Käfigen auf einem Laster. 8000 bis 10.000 lässt man aufsteigen. „Wenn die freigelassen werden, ist der Himmel schwarz“, erzählt Borchert: „Die fliegen erstmal kreuz und quer in dichten Wolken, ehe sie die Richtung finden. Wie sie das wirklich schaffen, weiß bis heute keiner ganz genau.“

An den Beinen haben die Tauben magnetisierte Ringe, die beim Start eine Kennung an einen Kleincomputer übertragen, der zu Hause in Potsdam auch die Rückkehr registriert. Er weiß immer, wo und wie schnell die Tiere sind. Mehr als 100 km/h schaffen Tauben, wenn sie Rückenwind haben.

Noch nie mehr als fünf Tage Urlaub am Stück

Borcherts Ehefrau Ursula findet das Hobby ihres Mannes nicht so lustig, denn es bedeutet Arbeit an jedem Tag und fesselt das Paar an die Tiere. „Das ist ein schöner Sport“, sagt sie, „aber die Frau muss da immer zurückstehen.“ Mehr als fünf Tage am Stück haben die beiden noch niemals Urlaub gemacht – und wenn doch, dann muss ein anderer Taubenzüchter ihre Tiere in ihrer Abwesenheit füttern.

Andererseits findet auch sie es gut, dass Günter – einst Maurer im Baubetrieb von Friedrich-Wilhelm Franke auf dem Neuendorfer Anger – im hohen Rentenalter gut beschäftigt ist und eine Aufgabe hat. Im Wohnzimmer steht auf der Schrankwand eine ganze Reihe mit Pokalen für Siege und Medaillenplätze bei Ausstellungen und Wettflügen, das macht auch Ursula Borchert stolz.

Günter Borchert hat schon viele Pokale gewonnen. Quelle: Rainer Schüler

Etwas besorgt blickt sie in die Zukunft, denn sie ist gesundheitlich kaum noch in der Lage, ihrem Mann zu helfen, der derzeit alles noch allein schafft. „Aber wenn er mal aufhört, würde keiner den Schlag kaufen“, sagt sie, „man könnte ihn höchstens noch verschenken.“

Die Taubenzüchterei geht deutschlandweit zurück. 9000 Züchter hatte die Republik zur Wendezeit, keine 3000 sind es noch. Acht Vereine mit rund 50 Mitgliedern gibt es in Potsdam; 20 Vereine waren es früher mal. Borcherts „Heimat“ heißt „Heimatliebe“.

Von Rainer Schüler

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