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Potsdam Baustart der Garnisonkirche verzögert sich
Lokales Potsdam Baustart der Garnisonkirche verzögert sich
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00:18 19.01.2014
„Ruf aus Potsdam“ am 15. Januar 2004: Mit-Initiator Hans-P. Rheinheimer, der damalige Ministerpräsident Matthias Platzeck, Oberbürgermeister Jann Jakobs, der damalige Bischof und jetzige Stiftungs-KuratoriumsvorsitzendeWolfgang Huber, Ex-Superintendent Bertram Althausen und der frühere Innenminister Jörg Schönbohm (von links nach rechts).
„Ruf aus Potsdam“ am 15. Januar 2004: Mit-Initiator Hans-P. Rheinheimer, der damalige Ministerpräsident Matthias Platzeck, Oberbürgermeister Jann Jakobs, der damalige Bischof und jetzige Stiftungs-KuratoriumsvorsitzendeWolfgang Huber, Ex-Superintendent Bertram Althausen und der frühere Innenminister Jörg Schönbohm (von links nach rechts). Quelle: Bernd Gartenschläger
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Potsdam

Das Garnisonkirchenprojekt muss einen massiven Rückschlag hinnehmen, durch den der für 2014 geplante Beginn des Wiederaufbaus scheitern kann. Der Bund knüpft seine in Aussicht gestellte Millionenförderung nämlich an Bedingungen. „Die zwölf Millionen werden erst freigegeben, wenn die Gesamtfinanzierung des ersten Bauabschnitts nachgewiesen werden kann“, erklärte der FWG-Vorsitzende Burkhart Franck in seiner Rede.

Sprich: Die gesamte Durchfinanzierung von Turm und Seitenflügeln – Kosten: 40 Millionen Euro – muss nachgewiesen werden, ehe das Geld vom Bund fließt.

Abzüglich der versprochenen zwölf Millionen vom Bund, die eingeplant werden können, fehlen der Stiftung momentan also 28 Millionen für den Finanzierungsnachweis.

Die Stiftung wird nun über das weietre Vorgehen beraten, unter anderem darüber, „ob wir das Ziel 2017 halten können“, sagte Franck. Eigentlich wollten Stiftung und Fördergesellschaft am Reformationstag 2017 den Einweihungsgottesdienst im Turm an der Breiten Straße feiern.
Gestern Abend wurde zunächst einmal im übervollen Friedenssaal das zehnjährige Jubiläum des „Rufs aus Potsdam“ gefeiert.

Diesmal stand der Abend unter einem besonderen Motto und im Zeichen der Erinnerung an die „Geburtsstunde“ des Wiederaufbaus der Garnisonkirche vor genau zehn Jahren.

Gäste beim Neujahrsempfang von Stiftung Garnisonrkirche und FWG: Altbischof Wolfgang Huber (r.) und Bischof Markus Dröge Quelle: Bernd Gartenschläger

Am 15. Januar 2004 war der „Ruf aus Potsdam“ – der Aufruf zum spendenfinanzierten Wiederaufbau der Garnisonkirche – Tagesgespräch in der Landeshauptstadt. Auch deutschlandweit erregte die Initiative viel Aufsehen; immerhin hatten der damalige Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD), sein CDU-Innenminister Jörg Schönbohm und der damalige Landesbischof Wolfgang Huber die Schirmherrschaft übernommen. Auch Potsdam-Mäzen und TV-Moderator Günther Jauch signalisierte Unterstützung: „Ich habe den dumpfen Verdacht, dass ich hier noch mehr tun werde“, sagte Jauch damals zur MAZ. Allerdings blieb es bei Jauchs „dumpfem Verdacht“, denn als Förderer ist er nie in Erscheinung getreten.

Die Ziele der Aufbruchszeit waren sehr ehrgeizig gesteckt: Das Gotteshaus solle „in sechs bis acht Jahren innen und außen originalgetreu rekonstruiert sein“, verkündete damals der Industrielle Hans-Peter Rheinheimer, Mit-Initiator des „Rufs aus Potsdam“ und später erster Vorsitzender der Fördergesellschaft Wiederaufbau Garnisonkirche.

Superintendent Bertram Althausen erklärte, ein „Zentrum für Frieden und Versöhnung“ im Nutzungskonzept. Hintergrund war auch die angestrebte Abgrenzung zum Preußenverklärer Max Klaar, der mit seiner Traditionsgemeinschaft Potsdamer Glockenspiel bereits fast sechs Millionen Euro gesammelt hatte, aber wegen seiner prononciert konservativen Anschauungen im Clinch mit der evangelischen Kirche lag.

Nach dem Paukenschlag des „Rufs aus Potsdam“ blieb der Ansturm auf die Spendenkonten für den Wiederaufbau allerdings aus. Erfolge gab es vor allem beim strukturellen „Überbau“ zu verzeichnen mit der Gründung der kirchlichen Stiftung Garnisonkirche. Im Kuratorium sind Kirche, Land und Stadt vertreten.

Die Fördergesellschaft Wiederaufbau Garnisonkirche hat mittlerweile hunderte Mitglieder in aller Welt. Nach Rheinheimer, der bald das Handtuch warf, übernahm mit Hans-Peter Bauer ein Mann des Ausgleichs und des ruhigen Agierens hinter den Kulissen den FWG-Vorsitz. Als er sich aus gesundheitlichen Gründen zurückzog, rückte sein bisheriger Stellvertreter Burkhart Franck nach, ein früherer Oberst, dem es nicht an Wortwitz fehlt, wie Teile seiner gestrigen Ansprache zeigten. Franck redet aber auch Tacheles, etwa wenn es um die Interessensvertretung „seiner“ FWG gegenüber der Stiftung geht.

Der Empfang am Mittwoch im Friedenssaal mit dem Gästeandrang zeigte: Freunde hat das Aufbau-Projekt viele. In weiten Kreisen der Stadt ist es aber noch nicht „angekommen“, wie zuletzt Kuratoriumsmitglied Manfred Stolpe einräumte.

Unter anderem hat sich die Kritiker-Initiative „Potsdam ohne Garnisonkirche“ formiert. Zuletzt distanzierten sich auch die Linken wieder von dem Projekt.

Wie wird es weitergehen? In religiöser Hinsicht steht erst einmal ein Wechsel bevor. Juliane Rumpel, die drei Jahre lang Pfarrerin an der Garnisonkapelle war, wurde gestern sehr herzlich von Bischof Dröge und Altbischof Wolfgang Huber verabschiedet. Sie wechselt nach Wilhelmshorst/Langerwisch. „Sie hat Generationen und Positionen zusammengebracht“, lobte Huber.

Bischof Dröge dankte in seiner Rede den Wiederaufbau-Aktivisten für ihren „langen Atem“. Besonderes Gewicht legt Dröge auf die Bedeutung des Nutzungskonzepts. Das geistliche Ziel sei nicht erreicht, sobald der Turm steht, sondern erst, wenn „der Geist der Bergpredigt“ – Friede und Versöhnung – von dort ausgeht. Dröge: „Ich sehe die Garnisonkirche als offene Bürgerkirche; als Schule des Gewissens.“

Von Ildiko Röd

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