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Potsdam „Blumenfee Ele“ ist sauer über Vandalismus am Potsdamer Luisenplatz
Lokales Potsdam „Blumenfee Ele“ ist sauer über Vandalismus am Potsdamer Luisenplatz
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10:12 16.10.2019
Die „Blumenfee Ele" ist sauer über den zunehmenden Vandalimus am Luisenplatz. An dieser Stelle wurden Bananenpflanzen herausgerissen. Quelle: Rainer Schüler
Innenstadt

„Ihr alle seid Diebe!“ schimpft die „Blumenfee“ in heller Wut. In einem Flugblatt „an die Personen, die da mitten in der Nacht elf Pflanzen mit Topf am Luisenplatz gestohlen haben“ wirft Eleanora „Ele“ Terrelonge-Griffith de Franke dem unbekannten Täter vor, er bestehle die Stadt Potsdam, das Weltkulturerbe, die „Community Luisenplatz“ und ihre private Initiative, die nun schon sieben Jahre währt.

Plünderung wird schlimmer

Der Vandalismus wächst: Am vergangenen Freitag gegen 1.30 Uhr nachts riss ein scharrendes Geräusch sie aus dem Schlaf. Von ihrem Fenster aus hörte sie mehr als sie es sah, wie „mindestens zwei Männer“ am Tiefgaragenaufgang gegenüber dem „Contadino“-Italiener mehrere ihrer Pflanzkübel in einen Transporter luden, von dem sie nur die Lichter wahrnahm. Der Wagen sei dann gegen die erlaubte Richtung um den Platz zur Schopenhauerstraße gefahren, ohne dass sie ein Nummernschild erkennen konnte.

Hier stand einmal eine ganze Reihe gut bestückter Blumenkübel; einer war den Dieben zu schwer. Quelle: Rainer Schüler

Schon eine Nacht zuvor waren mehrere reich bepflanzte Kübel verschwunden, gegen drei Uhr früh, schätzt die aus dem mittelamerikanischen Costa Rica stammende Einwanderin mit Tränen in den Augen. „Sie haben elf meiner Kinder gestohlen“, schreibt sie in dem Verzweiflungs-Flyer – und weiter in ihrem mitunter noch gebrochenen Deutsch. „Ich werde Sie nie verzeihen.“

Von klein auf aufgezogen

Von der kleinen Mickerpflanze zur gesunden Staude hat sie die Pflanzen aufgezogen: „Ich kenne sie alle, manche haben sogar Namen. Ich weiß, wenn sie krank sind und wie ich ihnen helfen kann.“ Die prächtigen Canna in 16 Kübeln etwa hat sie mal als ein einziges Knollenbündel bekommen und immer wieder geteilt. Und die drei metergroßen Bananenstauden, die jemand vor dem China-Restaurant einfach aus dem Boden zog, hat sie einst als nur kniehohe Setzlinge gepflanzt. „Es bricht mein Herz“, sagt sie im Angesicht der Plünderung.

Die komplett abgeräumte Seite eines Tiefgarageneingangs. Quelle: Rainer Schüler

Zwei Seiten von Garagenaufgängen wurden komplett abgeräumt; an anderen Stellen fehlen Kübel aus der Reihe oder vor Hausfassaden. Ein Sprayer hat zwei große Beton-Pflanzkübel mit seinem „467“-Tag beschmiert, und auf dem Pflaster am Brunnen prangen ein „FCK“ und ein „Us“ aus wetterfester Farbe; gleich daneben ist offenbar ein Farbeimer umgekippt. Mitten auf dem Radweg steht ein Elektroroller; auch das ärgert Ele. „Die, die Dinger vermieten, müssen den Nutzern sagen, dass sie das nicht dürfen!“ fordert sie.

Seit Jahren bepflanzt „Blumenfee“ Ele den Luisenplatz auf eigene Kosten, mit Hilfe privater Sponsoren. Doch Unbekannte stehlen Blumenkübel, graben Pflanzen aus, besprühen Kübel und das Pflaster.

Auf mindestens 2500 Euro schätzt sie den Vandalismus-Schaden, den niemand ihr ersetzt, weil man niemanden wird dingfest machen können. Der Platz ist fast komplett dunkel in der Nacht; sie hätte Lampen gern an den Ecken der Garagenzugänge, die inzwischen auch schon Teil ihrer üppigen Pflanzungen geworden sind. Alle Auf- und Abgänge hat sie nicht nur von außen blühend zuwuchern lassen, sondern auch innen mit Bougainvilleen und anderem bestückt: „Das ist wie eine Biosphäre hier“, freut sie sich: „Ein Experiment, ein grüner bunter Eingang in die Stadt.“

Blumenfee „Ele“ hat den Vorgarten der Caritas-Kita mit weißen Stauden bepflanzt. Quelle: Rainer Schüler

Traurig ist sie und enttäuscht über den Vandalismus, ging ein paar Tage nicht mehr raus auf „ihren“ Platz. Doch ans Aufgeben denkt sie nicht: „Ich bin wie ein Sandkorn aus der Sahara“, sagt sie: „Ich bin hier gelandet, und hier werde ich bleiben.“ Der Platz wird nach und nach wieder gefüllt, und ihr Tatendrang reicht weiter in die Allee nach Sanssouci. Im Traum – „Ele“ hat immer wieder mal Visionen – ging sie dort lang und blieb am Zaun vor einer Villa stehen. Der Vorgarten war kein Garten, sondern wucherndes Grünland. Sie sah sich eine ausholende Armbewegung machen von einem Ende des Hauses zum anderen und einen „weißen Garten“ wachsen.

Trauriger Anblick am Tage

Dann ging sie am hellen Tage hin und sah das traurige Vorfeld des klassizistischen Gebäudes einer Kita der Caritas. Dass es der Stadt gehört und von ihr verwaltet wird, erfuhr sie dort und fragte, ob sie helfen könne, etwas „Schönes in Weiß“ zu schaffen hinterm Zaun, an dem Tausende Touristen täglich achtlos vorüberziehen auf ihrem Weg zum Grünen Gitter am Schlosspark Sanssouci.

Kinder schufen diese fröhliche Beetbegrenzung, doch die Denkmalpflege der Stadt findet das unpassend. Quelle: Rainer Schüler

Heute wachsen dort vor allem weiße Hortensien, und gleich hinter dem seitlichen Haupteingang der Kita hat sie ein paar hundert Narzissenknollen in ein Beet gesetzt: „Im Frühjahr wird das alles gelb.“ Gelb, rot, grün und blau haben die Kinder ein paar große Beetbegrenzungssteine angemalt und farbig ihre kleinen Hände darauf abgedrückt. Lustig sieht das aus, doch die Denkmalpflege ist nicht amüsiert: „Die finden das unpassend“, sagt Ele. „Aber das ist doch ein Haus für Kinder!“ Dringend saniert werden müsste es; der Anblick ist beschämend, findet sie. Am liebsten würde sie selbst es mieten und ein Haus zum Wohnen für Studenten daraus machen, mit ihr als Herbergsmutter.

Mehrere Anzeigen wegen Vandalismus

Ele“ hat mehrfach Anzeigen erstattet wegen Vandalismus. Am 11.Oktober zeigte sie über die Internetwache der Polizei den Diebstahl mehrere Pflanzen und Pflanzkübel auf dem Luisenplatz an.

Die Kriminalpolizei hat nun die Ermittlungen übernommen, sie dauern an. Wie die Polizei auf MAZ-Anfrage mitteilt, gab es in diesem Jahr in dem Zusammenhang schon zwei weitere Anzeigen wegen Sachbeschädigungen auf dem Luisenplatz.

Bei den beiden früheren Vandalismus-Anzeigen ging es um Graffitischmiererei auf dem Platz und um Beschädigungen von Pflanzen und Kübeln.

Von Rainer Schüler

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