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Potsdam Polizei warnt vor Selbstjustiz im Kirchsteigfeld
Lokales Potsdam Polizei warnt vor Selbstjustiz im Kirchsteigfeld
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21:03 28.03.2014
Löscharbeiten unter einem Carport eines Mehrfamilienhauses im Kirchsteigfeld. Quelle: Pascal van der Meer
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Potsdam

Am Freitag verteilten Beamte Flugblätter, mit denen um Hinweise gebeten, aber zugleich davor gewarnt wird, das Recht in die eigenen Hände zu nehmen. Das sei strafbar, erklärt die Polizei auf den Flyern, die an Passanten und Gewerbetreibende übergeben, in Hausbriefkästen geworfen und an Autoscheiben geheftet wurden. „Rufen Sie lieber die Polizei“, endet der Flugblatt-Text: „Wir kommen schnell, versprochen!“

Der MAZ gegenüber erklärte ein junger Mann anonym: „Wenn wir den Täter in die Finger kriegen, brennen hier nicht nur Autos!“ Ein Hausmeister, der seit der Bauzeit des Architekten-Viertels im Dienst ist, berichtete, die Bürger würden immer wieder und immer häufiger Leute melden, die sich nachts in der Nähe der Carports rumtreiben, in denen seit Jahresanfang bei fünf Brandstiftungen acht Autos beschädigt oder zerstört wurden. Ein Gesamtschaden von rund 300.000 Euro ist inzwischen entstanden.

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Im Potsdamer Kirchsteigfeld geht wieder die Angst um. Nach Bränden Anfang 2014 stand im Januar 2015 erneut ein Auto in Flammen. Nun fragen sich viele: Ist der Feuerteufel wieder unterwegs?

Die Ermittlungsgruppe „Kirchsteigfeld“ arbeitet seit 19. Januar mit drei Kriminalisten, berichtet Heiko Schmidt von der Polizeidirektion West. Die Beamten würden über spezielle Fach- und Sachkenntnisse verfügen und bekämen bis zu vier Kollegen als Verstärkung. Über die Zahl der Zivilbeamten und ihre Einsatzhäufigkeit schweigt die Polizei lieber. Beim jüngsten Anschlag am 21. März war das Opfer, eine junge Frau, neben ihrem brennenden Volvo auf einen jungen Mann gestoßen, der sie fragte, ob das ihr Auto sei. Sie glaubte, den Täter vor sich zu haben, doch war es ein Polizeibeamter in Zivil.

Die Brandserie 2014

  • 8. Januar: In der Ricarda-Huch-Straße brennt in einem Carport ein Kia aus. Ein Opel daneben wird beschädigt.
  • 14. Januar: In der Pierre-de-Gayette-Straße brennt eine Mülltonne. Am Hirtengraben steht ein Toyota in einer offenen Garage in Flammen.
  • 19. Januar: In der Bettina-von-Arnim-Straße brennen in einem Carport ein Citroen, ein Opel und ein Skoda ab. Vier Autos werden beschädigt. Der Carport ist wegen der statischen Schäden noch immer gesperrt.
  • 16. Februar: Am Hirtengraben brennt in einem Carport ein Ford.
  • 21. März: Am Hirtengraben brennt ein Volvo komplett aus.

Bisher gingen mehr als zehn Hinweise ein. Keiner führte zur Erhärtung eines Tatverdachts gegen eine Person oder eine Gruppe. Weil alle Brandorte in der Nähe des Hirtengrabens im Kirchsteigfeld liegen, vermuten Anwohner, dass der Täter ein Bewohner des Viertels war oder ist. Er muss Ortskenntnisse haben, denn die mit Carports gesäumten Innenhöfe haben nur zwei Zugänge von der Straße, aber viele aus den verschlossenen Treppenhäusern. Der Täter kennt offenbar seine Fluchtwege genau.

Anwohner vermuten auch, dass sich der Brandstifter an einem Vermieter rächen will. Einige äußerten die Angst, nach dem Anzünden von Mülltonnen und Autos könnte der Brandstifter sich bald Treppenhäuser vornehmen. In den bislang betroffenen Mietshäusern gibt es keine Fahrstühle.

Von Rainer Schüler

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