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Potsdam Linke eröffnen Kampagne für DDR-Kunst
Lokales Potsdam Linke eröffnen Kampagne für DDR-Kunst
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22:40 31.03.2014
Die „Transparente Weltkugel“ wurde im September 2010 demontiert, auf einen Lkw verladen und in einen Bauhof gefahren. Quelle: MAZ-Archiv
Potsdam

Das DDR-Kunstwerk "Transparente Weltkugel" mit der elften Feuerbachthese von Karl Marx als Äquator soll wieder in die Innenstadt. Die Linke will am Mittwoch per Stadtverordnetenbeschluss erwirken, dass das 2010 demontierte Metallobjekt vor das Bildungsforum gesetzt wird. Die Stahlskulptur mit ihren fünf Metern Durchmesser war 1977 von Günter Junge zur Gestaltung der magistralenhaft erweiterten Friedrich-Ebert-Straße geschaffen worden. Sie stand neben dem Bibliotheksneubau mit der damaligen Humboldt-Buchhandlung nahe dem Treppentunnel zum Staudenhof. Dort soll im Zuge der Rekonstruktion alter Straßenzüge ein Wohnhaus gebaut werden. Nach Plänen der Verwaltung soll die "Transparente Weltkugel" in diesem Jahr auf das Gelände des Oberstufenzentrums in der Jägerallee kommen.

Abbau der Familie Grün im November 2013. Quelle: Christel Köster

Die Linke hingegen fordert nun, dass die Skulptur wieder an den Ort kommt, für den sie geschaffen wurde. Prinzipiell sei ein Schulhof nicht schlecht, so gestern die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Karin Schröter. Doch das Kunstwerk sei dort für die Öffentlichkeit "kaum erfahrbar". Zudem habe die "Transparente Weltkugel" in Bezug zur Bibliothek und der Buchhandlung gestanden. Diese "innere Beziehung sollte wieder hergestellt werden".

Mehrere Kunstwerke aus der DDZ-Zeit lagern in Depots und sind den Augen der Öffentlichkeit entzogen. Die Linke möchte, dass namhafte DDR-Kunstwerke, die in der Versenkung verschwunden sind, wieder den Weg ins Blickfeld der Öffentlichkeit kommen. Was denken Sie?Ist DDR-Kunst noch zeitgemäß? Stimmen Sie ab! Quelle: Repro MAZonline

Der Antrag ist Teil einer Kampagne der Linken für DDR-Kunstwerke, die aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit verschwunden sind. Mit der Bacchusfigur aus dem Weinkeller des früheren Kulturhauses "Hans Marchwitza" am Alten Markt und dem bronzenen Zitat "Kultur ist jeder zweite Herzschlag unseres Lebens" vom Namenspatron stehen am Mittwoch weitere im Depot verschwundene Hinterlassenschaften der DDR auf der Tagesordnung. Zum Bacchus, einem Geschenk der polnischen Partnerstadt Opole, gibt es eine Anfrage Schröters nach dem Verbleib. Eine Anfrage zum Marchwitza-Zitat kommt von ihrem Fraktionskollegen Ralf Jäkel.

Hans-Marchwitza-Zitat in einer Archiv-Aufnahme. Quelle: Bernd Gartenschläger

Ursprünglich sollte dieses Zitat nach dem Umbau des Alten Rathauses für das Potsdam-Museum im oberen Foyer gegenüber dem Wandbild "Potsdamer Alltag 1966" von Werner Nerlich angebracht werden - am Ausgangspunkt für den Rundgang durch die ständige Ausstellung zur Stadtgeschichte. In der Ausführung des Architekten Reiner Becker blieb allerdings kein Platz dafür. Jetzt wird der Raum beherrscht von der gefängnisartigen Vergitterung des Treppenhauses, die den freien Blick auf das denkmalgeschützte Wandbild verwehrt. Doch wie berichtet, soll das laut Baudezernat ohne Genehmigung eingebaute Gitter auf Beschluss der Stadtverordneten entfernt und durch ein transparentes Geländer ersetzt werden. Herbeigeführt wurde dieser Beschluss auf Initiative der Grünen - mit maßgeblicher Unterstützung durch die Linke.

Familie Grün, das Flugschiff und andere PflegefälleFamilie Grün des Fahrländer Künstlers Joachim Buhlmann (1924–2008) ist gewiss das prominenteste DDR-Kunstwerk der Landeshauptstadt. Seit 1982 hatten Mutter, Vater und Sohn ihren Platz an der Brandenburger/Ecke Lindenstraße. Im November 2013 wurden die Keramikfiguren wegen schlechten Zustands abgebaut. 30.000 Euro soll der geplante stabilere Nachbau kosten, der über Spenden finanziert werden soll. Bisher gingen laut Rathaussprecherin Christine Weber rund 820 Euro ein.Nach einer aktuellen Übersicht des Kulturamtes sind derzeit vier Kunstwerke aus dem öffentlichen Raum „zwischengelagert“. Aufgeführt sind neben der „Transparenten Weltkugel“ das 1974 von Christian Roehl nach einem Entwurf Peter Rohns gestaltete „Flugschiff“ (siehe Foto)vom abgerissenen Haus des Reisens, das ans Parkhaus in der Schiffbauergasse soll, die 1987 von Rudolf Böhm für die Waldstadt II geschaffene Brunnenstele „Die sieben Raben“ und das 2001 von Stefano Lombardi an den Luisenplatz gesetzte Rhinozeros.Nicht aufgeführt ist in der Übersicht etwa das Karl-Foerster-Denkmal von Christian Roehl aus dem Jahr 1974, das nach schwerem Vandalismus-Schaden in die Werkstatt musste. Quelle: Christel Köster

Von Volker Oelschläger

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