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Potsdam Der Schlaatz soll schöner werden – das sind die Wünsche der Anwohner
Lokales Potsdam Der Schlaatz soll schöner werden – das sind die Wünsche der Anwohner
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01:16 04.03.2019
Seit Langem hat der Stadtteil Schlaatz ein schlechtes Image. Das Straßenbild ist dominiert von Plattenbauten und betonierten Flächen. Das Image soll jetzt aufgebessert werden. Quelle: Bernd Gartenschläger
Potsdam

„So, wer will Moderator sein?“ Martina Wilczynki hat gerade den Plan für den Abend erläutert. Nun fehlen nur noch Freiwillige Wortführer. Die 56-Jährige ist die Leiterin des Schlaatz-Bürgerclubs und hat drei Tische aufgebaut. Sie hat die Anwohner zu einem Diskussionsabend ins Friedrich-Reinsch-Haus eingeladen.

An den Tischen sollen sie über jeweils ein Thema diskutieren: Was läuft gut im Schlaatz? Was läuft schlecht im Schlaatz? Was liegt sonst noch auf dem Herzen? An jedem Tisch sitzt ein Moderator. Jede Gruppe hat 15  Minuten Zeit, dann geht es weiter zum nächsten Tisch.

Diskussionsgruppe beim Bürgerclub : Uwe Fröhlich (l.), Martina Wilczynski (stehend), Reinhilde Wuttke (in pink) und Gustav Taleiser (r.) Quelle: Annika Jensen

In der Mitte des großen Raumes steht ein Stuhlkreis. Zehn Stühle sind aufgebaut. Kurz nach 18 Uhr ist jeder Stuhl besetzt. Rentner sind da, aber auch Menschen mittleren Alters. „Ich würde sagen, Freiwillige vor. Uwe, übernimmst du eine Tischmoderation?“ fragt Martina Wilczynski einen Mann mit kurzen braunen Haaren.

Es ist Uwe Adler, Stadtverordneter und Mitglied bei den Grünen. „Na, nun wurde ich ja schon verdonnert“, antwortet er und alle lachen. Und auch die anderen beiden Tische bekommen schnell einen Moderator. Nun kann es losgehen. Die Gruppen sind schnell gebildet. Die Diskussionen starten sofort.

Der Schlaatz entstand Anfang der 1980er Jahre in einem alten Sumpfgebiet. Tausende Liter Wasser wurden damals abgepumpt. Die neue Siedlung bot Platz für 9500 Einwohner und war gedacht aus Stadtteil der kurzen Wege. Seit Langem hat der Stadtteil ein schlechtes Image. Das Straßenbild ist dominiert von Plattenbauten und betonierten Flächen.

Vor kurzem haben sich die drei Baugenossenschaften Karl Marx, die PWG 1956 und die Potsdamer Wohnungsbaugenossenschaft sowie das städtische Unternehmen Pro Potsdam zu einem Arbeitskreis zusammengetan. Ihnen allein gehören 5600 Wohnungen. Der Arbeitskreis möchte sich Gedanken machen, wie sich die Lebensqualität im Schlaatz verbessern lässt. Und wie neue Wohnungen entstehen können. Die Anwohner sollen dabei mit einbezogen werden. Mehrere Termine sind angesetzt, um ins Gespräch zu kommen.

Ergebnisse bekommt der Bürgermeister

Bei Martina Wilczynski fand der erste Termin statt. Dort war zwar kein Vertreter der Baugenossenschaften anwesend. Aber darum ging es auch gar nicht. „Wir wollen eine Vorarbeit leisten“, sagt Wil­czynski. „Unsere Ergebnisse wollen wir dem Bürgermeister geben, wenn er am 9. Mai zur Stadtteilwanderung zu uns kommt.“ Konsens im Bürgerclub ist, dass die Menschen gern im Schlaatz leben und nicht von dort wegziehen möchten.

An einem Tisch diskutieren Gustav Taleiser (77) und Reinhilde Wuttke (66). Ihr erstes Thema ist die Frage, was im Schlaatz nicht gut läuft. Ihre Diskussion startet mit einem langen Vortrag von Gustav Taleiser über die Sauberkeit im Stadtteil. „Ich bin seit 25 Jahren hier, es war wirklich einmal besser“, sagt er. „Es gibt viele Schmierereien. Überall liegt Müll und Sperrmüll. Mittlerweile werfen die Menschen ihren Müll aus dem Fenster. Wir haben ja schon fast eine Rattenplage. Man schämt sich manchmal, wenn man sagt, dass man aus dem Schlaatz kommt.“

Die negativen Punkte überwiegen ganz klar die positiven Punkte. Quelle: Annika Jensen

Für ihn steht fest: „Bevor man sich Gedanken darüber macht, was sich baulich verbessern lässt, muss man die Voraussetzungen dafür schaffen.“ Und die liegen für ihn ganz klar darin, das Müllproblem in den Griff zu bekommen. Einigkeit besteht aber auch darüber: Die Anwohner sind das Problem. Die Stadt mache viel sauber. „Es dauert aber nicht lange und es liegt wieder Dreck herum“, sagt Taleiser.

Reinhilde Wuttke ärgert sich indes darüber, dass viele alte Geschäfte verschwunden seien. „Es gibt hier nichts mehr. Es ist alles weg“, sagt sie. Eine Ausnahme ist da freilich der Schilfhof. Dort gibt es einen Rewe und unten im Haus einen Friseur, eine Gaststätte und einen Paketdienstleister. Und doch: Früher war der Stadtteil der kurzen Wege wirklich einer. Den Schilfhof loben sämtliche Abendgäste denn auch als Beispiel für Belebung.

Auf Facebook sollen die Menschen weiterdiskutieren

Am Ende zeigt sich Martina Wil­czynski zufrieden. Die Pinnwände sind voll. Auch wenn jene mit den negativen Punkten sehr viel voller ist als jene mit den positiven. Aber was sollen die Entscheidungsträger auch mit Wattbäuschchen-Rhetorik? Wilczynski will die Ergebnisse des Abends aufschreiben und auf Facebook diskutieren lassen.

Der Schlaatz soll schöner werden

Viele Blöcke in dem 9500-Einwohner-Stadtteil sind noch immer im Zustand der 1980er Jahre. Nun soll saniert und neu gebaut werden. Und es sollen neue Angebote vor allem für Familien und Senioren entstehen.

Zu diesem Zweck haben sich die vier großen Wohnungsunternehmen zu einem Arbeitskreis zusammengeschlossen: die Wohnungsbaugenossenschaft Karl Marx, die PWG 1956, die Potsdamer Wohnungsbaugenossenschaft sowie die städtische Pro Potsdam. Der größte Teil der 5600 Schlaatzer Wohnungen gehört den Genossenschaften und der Pro Potsdam.

Eine erste Idee ist es, Lücken zwischen Wohnblöcken zu bebauen und bereits vorhandene Gebäude aufzustocken. Das soll nun geprüft werden.

Auch Menschen, die nicht an ihrer Runde teilgenommen haben, haben eine Meinung zu Veränderungen in ihrem Stadtteil. Imad und seine Freundin Maja gehen gerade zum Einkaufen. Die beiden 26-Jährigen kommen aus Syrien und leben seit zwei Jahren am Bisamkiez. Und das gerne. Aber auch sie halten den Müll für ein großes Problem. „Ich wünsche mir mehr Aufmerksamkeit von den Menschen“, sagt Imad. Auf der anderen Seite kann er die Vorurteile gegenüber dem Schlaatz nicht verstehen. Er fühle sich einfach wohl. Wenn er etwas verbessern würde, wären das vor allem die Wege, die nach Regen oft unpassierbar sind.

Von Annika Jensen

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