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Potsdam Demo fürs Tierheim Potsdam vorm Rathaus
Lokales Potsdam Demo fürs Tierheim Potsdam vorm Rathaus
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19:20 11.02.2015
Demo vor dem Rathaus in Potsdam. Quelle: Christel Köster
Potsdam

Der Tierschutzverein (TSV) Potsdam und Umgebung hat am Mittwoch mit dem symbolischen Bau eines Tierheims vor dem Stadthaus seinen Anspruch bekräftigt, an der Michendorfer Chaussee das wirkliche neue Tierheim einzurichten. Doch die Chancen dazu sinken auf Null, seit der städtische Ver- und Entsorgungsbetrieb EWP erklärt hat, das von der Stadt an den Verein verkaufte Grundstück auf dem so genannten Sago-Gelände habe keinen Wasser- und keinen Abwasseranschluss.

Karsten Zühlke vom Wassermanagement der EWP fragte den TSV, wie er sich die weitere Erschließung vorstellt. Darauf hat TSV-Chef Niklas Wanke keine Antwort. Der MAZ sagte er, man habe den Kaufvertrag in der Gewissheit geschlossen, dass das Grundstück erschlossen ist beziehungsweise die nötigen Anschlüsse herstellbar sind. Die Mitglieder des Vereins, die seit Wochen das verwahrloste Gelände beräumen, seien „völlig verzweifelt“.

Nach einem äußerst langwierigen Verfahren über sieben Jahre hinweg sei dies nun die zigste Hiobsbotschaft in sehr kurzer Zeit. „Nachdem es hieß, dass die privaten Spendengelder für den Neubau dazu nicht zur Verfügung gestellt werden, sondern erst gewartet werden soll, bis das Tierheim fertig ist, war uns schon äußerst unwohl, was die Haltung der Stadt zu dem Projekt angeht“, erklärte Wanke. Zudem hat die Kommunalaufsicht des Landes ihr Veto eingelegt, weil der TSV deutlich weniger für das Grundstück geboten hatte als ein Konkurrent, aber trotzdem zum Zuge kam.

Zühlke zufolge liegt am Gelände zwar Strom an, doch der Haupttrinkwasseranschluss an der Michendorfer Chaussee ist seit dem Auszug des Asylbewerberheims im Jahre 2002 stillgelegt. Er könnte reaktiviert werden, wogegen eine Wiederinbetriebnahme der damaligen Kläranlage nicht möglich sei. Die Anlage sei komplett kaputt und dürfe auch nicht durch einen Neubau ersetzt werden, weil sich das Gelände in der Trinkwasserschutzzone III des Wasserwerkes Leipziger Straße befindet. Verboten ist dort das Aufstellen von Trockentoiletten, das Versickern von Abwasser und das Verbringen von Fäkalien, die aber im Tierheimbetrieb massiv anfallen. Zühlke hält es für illusorisch, einen Abwasseranschluss bis zum Potsdamer Siedlungsgebiet zu legen. Nur knapp einen Kilometer weit wäre es bis Wilhelmshorst, das einen anderen Ver- und Entsorger hat, mit dem Verträge zu schließen wären. Auch Trinkwasserbrunnen zu bohren, sei unrealistisch, weil das Gelände zu hoch über dem Grundwasser liegt. Stadtsprecherin Christine Weber sagte der MAZ, entgegen der EWP-Auskunft könnten in der Bauzeit durchaus Miettoiletten aufgestellt und später wieder eine Kleinkläranlage gebaut werden.

TSV-Chef Wanke hielt das Abwasserproblem bislang für lösbar. Es gebe in direkter Nachbarschaft Mieter der Landesentwicklungsgesellschaft LEG: „Die müssen doch Wasser- und Abwasseranschlüsse haben.“ Müssen sie nicht. Laut EWP gibt es keine Strom- und Wasserkunden auf dem Areal. Der LEG zufolge betreiben mehrere gewerbliche Nutzer Lagerhaltung ohne Strom, ohne Wasser, ohne Abwasser. Darauf habe man den TSV vor einem Jahr hingewiesen.  Stadtsprecherin Weber versichert, das Wasserproblem sei  lange vor dem Verkauf allgemein bekannt gewesen, auch den Stadtverordneten.

„Ich glaube langsam nicht mehr an Zufälle“, erklärte Nils Naber, Sprecher von Bündnis 90/Die Grünen und Ex-Stadtverordneter am Mittwoch. „Es ist einfach nur noch schäbig, wie mit dem Tierschutzverein von Seiten der Stadt umgegangen wird.“ Die Bündnisgrünen könnten nicht zulassen, „dass der Tierschutzverein mit Schikanen vom Gelände gedrängt wird.“ Die Verwaltung torpediere das Projekt, wo es nur geht, und habe das Toilettenproblem in den  vergangenen Monaten und in der Ausschreibung nicht erwähnt. Auch SPD-Fraktionschef Mike Schubert ist überrascht: „Ich dachte, wir hätten mit dem Verkauf endlich den gordischen Knoten durchgeschlagen.“

Odyssee eines Tierheimprojektes

  • Mit dem Zuschlag für das Grundstück an der Michendorfer Chaussee hat der Tierschutzverein Potsdam die erste Hürde genommen. Jetzt darf er dort eine „Tierbetreuungseinrichtung mit gewerblicher Nutzung“ betreiben.
  • Bis Ende 2007 gab es ein Tierheim an der Forststraße am Wildpark. Nach der Schließung wegen angeblich nicht artgerechter Tierhaltung stand kein Ersatzstandort zur Verfügung. Weil die Betreuung von Fundtieren Pflichtaufgabe der Kommune ist, schloss die Stadt Verträge mit Einrichtungen in Beelitz und Kremmen.
  • In Fahrland und Eiche gab es Anwohner-Proteste gegen ein Tierheim.
  • 2012 beschlossen die Stadtverordneten, das Sago-Gelände für den Tierheimbau auszuschreiben. Dort stand bis 2002 das erste Potsdamer Asylbewerberheim. Davor wurden hier DDR-Grenzhunde ausgebildet.

Von Rainer Schüler

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