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12:09 24.01.2020
Die Villa Sarre wurde 1906 erbaut und war bis 1945 das Wohnhaus des berühmten Orientarchäologen Friedrich Sarre. Quelle: Friedrich Bungert
Potsdam

Drei geschichtsträchtige Gebäude in Babelsberg, der Innenstadt und Neu Fahrland sind derzeit auf dem Markt. Das größte Anwesen ist dabei ein echter Ladenhüter. Die MAZ hat sich die Luxusimmobilien in Potsdam näher angeschaut.

Die Villa des Friedrich Sarre

Hoch über der Villenkolonie Neubabelsberg und den Griebnitzsee ragt die Villa Sarre in der Spitzweggasse. Das Haus ist seit einigen Wochen auf dem Markt. Erste Besichtigungen haben schon stattgefunden, wie die Maklerin Sabine Lanz der MAZ bestätigt.

Weitere Details, etwa den aufgerufenen Preis, will sie aber aus Diskretionsgründen nicht nennen. Wer das Anwesen kauft, erwirbt nicht nur ein Denkmal aus der Hand des Architekten Otto Sior mit 840 Quadratmetern Wohnfläche und einem rund 8000 Quadratmeter großen Garten. Nach einer Sanierung 2012 erwarten den Käufer zehn Zimmer, sieben Schlafzimmer, fünf Bäder – und Weltgeschichte.

Die Turmvilla wurde als Wohnhaus des Orientarchäologen Friedrich Sarre errichtet und die architektonischen Bezüge reichen bis in das antike Babylon zurück. Sarre war großer Sammler antiker Artefakte von Kleinasien bis Persien. Sie bilden den Grundstock der islamischen Sammlung der Berliner Museen. Er selbst war Direktor des Islamischen Museums.

Die schreitenden Löwen von Babylon am Turm der Villa Sarre. Quelle: Friedrich Bungert

An seinem Babelsberger Haus ist das deutlich zu sehen: Blau leuchten die Kacheln im Turmumgang. Sie sind mit schreitenden Löwen geschmückt. Die Dekoration beruht auf einer Rekonstruktion der berühmten Prozessionsstraße und des Ischtar-Tors von Babylon. Im Berliner Pergamonmuseum kann man das Original besichtigen. Auf dem Turm seines Wohnhauses umgaben diese Kopien den Wissenschaftler.

Doch das Ende ist tragisch. 1945 wurde Neubabelsberg von der Roten Armee geräumt. Zahlreiche Villen dienten für die Delegationen der Alliierten bei der Potsdamer Konferenz. Sarre und seine Frau mussten ihr Haus innerhalb von Stunden verlassen, ein großer Teil des Nachlasses ging verloren und der 80-Jährige verstarb wenige Tage später.

Die Hiller-Brandtschen Häuser

An der Breiten Straße, direkt gegenüber der Baustelle des Garnisonkirchturms, stehen seit 1769 die Hiller-Brandtschen Häuser. Sie zählen zu den prächtigsten Bürgerhäusern, die unter König Friedrich II. in Potsdam errichtet worden sind.

Das von Georg Christian Unger entworfene Denkmal wurde erst vor wenigen Jahren erneuert. Auch der Figurenschmuck auf dem Dach, die historische Fassade und das großzügige Treppenhaus des Barockbaus sind im besten Zustand.

Hiller-Brandtsche Häuser in Potsdam. Das Eckgebäude steht zum Verkauf. Quelle: Peter Degener

Zum Verkauf steht allein der markante Eckteil an der Dortustraße. 3,6 Millionen Euro ruft der Eigentümer für das Haus auf. Im Gegensatz zu Villa Sarre ist dieses Haus eine reine Kapitalanlage, die insgesamt elf Wohnungen sind allesamt vermietet.

„Der Preis ist auch für Potsdamer Verhältnisse ambitioniert. Es handelt sich um die 38-fache Summe der jährlichen Mieteinnahmen. Für weniger exponierte Objekte fällt dieser Faktor mitunter geringer aus“, sagt Marcus Weber, der sich für das Maklerbüro Pure Immobilien um das Objekt kümmert.

Marcus Weber kümmert sich für das Maklerbüro Pure Immobilien um den Verkauf des Eckhauses der Hiller-Brandtschen Häuser. Quelle: Peter Degener

Seit 2015 gehört das Haus einem Privatmann aus dem Raum Stuttgart. „Der Eigentümer ist entspannt, wenn er den Preis bekommt, verkauft er, ansonsten wartet er noch ab. Es gab auch schon Interessenten, die einen zweiten Besichtigungstermin vereinbart haben“, sagt Weber.

Die zwei übrigen Gebäudeteile der Hiller-Brandtschen Häuser wurden schon vor Jahren saniert und dabei in mehr als 20 Eigentumswohnungen aufgeteilt.

Der Heinenhof in Neu Fahrland

Die mit Abstand größte Wohnimmobilie, die in Potsdam gerade öffentlich zum Verkauf steht, ist der sogenannte Heinenhof in Neu Fahrland. Allein die Wohnfläche beträgt laut Exposé der Makler von Engel & Völkers rund 6250 Quadratmeter.

Umgeben ist die üppige Industriellenvilla, die ganze Gebäudeflügel für das Personal der Bewohner bereithält, von mehr als zehn Hektar Land am Ufer des Lehnitzsees.

Erbaut wurde der Heinenhof 1910 von Otto March im Auftrag des Industriellen Carl Friedrich von Siemens, dem jüngsten Sohn und Nachfolger des Erfinders Werner von Siemens.

Die prächtige Ostfassade des „Heinenhofs“, dem bis 1911 errichteten repräsentativen Wohnsitz von Carl Friedrich von Siemens. Quelle: Peter Degener

Im Gegensatz zu den Hiller-Brandtschen Häusern und der Villa Sarre ist der Heinenhof schon seit Jahren auf dem Markt. Der Kaufpreis ist dabei eine Geheimsache, angesichts der Lage und Dimensionen des schlossartigen Anwesens aber sicher im höheren Millionenbereich.

Seit fast zwei Jahrzehnten gehört der Heinenhof dem Berliner Immobilienentwickler Anno August Jagdfeld. Der ist auch kein Unbekannter. Der Wiederaufbau des Hotel Adlon am Brandenburger Tor oder das Luxus-Einkaufszentrum Quartier 206 in der Friedrichstraße gehen auf sein Konto.

Mit dem „Grand Hotel Heiligendamm“ an der Ostsee erlitt er 2012 eine millionenschwere Pleite. Seitdem wird auch der Heinenhof angeboten, ein Käufer hat sich aber nicht gefunden.

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Von Peter Degener

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