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Potsdam Dritter Streik des Schlosspersonals für Tarifverhandlungen
Lokales Potsdam Dritter Streik des Schlosspersonals für Tarifverhandlungen
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17:15 04.02.2020
Der neue Fridericus-Geschäftsführer Victor Matthesius im Gespräch mit den streikenden Angestellten. Quelle: Varvara Smirnova
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Potsdam

Die Auseinandersetzung zwischen den Beschäftigten der Fridericus Servicegesellschaft (FSG) und der Stiftung Preußische Schlösser & Gärten (SPSG) ist am Dienstag mit dem mittlerweile dritten Streik fortgesetzt worden. Das Ziel der Mitarbeiter des Besucherservice: die Aufnahme von Tarifverhandlungen.

Stiftungsrat verlegt Sitzung und entkommt der Protestkundgebung

Die Protestkundgebung fand vor dem Sitz des Generaldirektors im Zivilkabinetthaus am Grünen Gitter statt, wo zeitgleich auch der Stiftungsrat tagen sollte. Die Vertreter des Bundes und der Länder Berlin und Brandenburg scheuten anscheinend die Auseinandersetzung, denn die Sitzung wurde kurzerhand an einen unbekannten Ort verlegt. Begründen wollte die SPSG dies auf Nachfrage aber nicht.

Widersprüche von Fridericus und Verdi – ist der Tarifvertrag praktikabel?

Rund 30 Fridericus-Mitarbeiter demonstrierten trotzdem vor dem Haus – und kamen auch mit dem neuen Geschäftsführer der FSG, Victor Matthesius, ins Gespräch. „Ich hätte Sie gerne in einem anderen Umfeld kennengelernt. Ich nehme die Botschaft wahr, dass Sie unzufrieden sind“, sagte er.

Victor Matthesius spricht zu seinen Angestellten. Quelle: Varvara Smirnova

Die Forderung von Tarifverhandlungen lehnt Matthesius ab. Ein Grund: Bei einer Anwendung des Tarifvertrags für den öffentlichen Dienst gäbe es Probleme mit den Arbeitszeiten des Wachdienstes. „Die Regelungen dafür sind nicht sehr flexibel. Da müssten wir Menschen wieder saisonal anstellen, aber dann finde ich noch schwerer Personal.“ Verdi-Gewerkschaftssekretärin

Susanne Feldkötter sagte dazu: „Der Tarifvertrag deckt auch das Wach- und Sicherheitsgewerbe ab, damit wurde bis zur Gründung von Fridericus ja auch gearbeitet. Herr Matthesius wird sicher Passagen im Vertrag finden, die er auf seine Wachleute anwenden kann.“

Befürchtung: Mitarbeiter gehen lieber ins Humboldt-Forum

Die Streikenden betonten, dass es spätestens mit Eröffnung des Berliner Schlosses als Humboldt-Forum noch schwerer werde, Sicherheitspersonal zu finden. „Dann gehen Ihre Leute aus Charlottenburg dort arbeiten, so wie sie in Potsdam ins Museum Barberini gegangen sind“, sagte eine Mitarbeiterin.

Außerdem machte sie klar: „Wir stehen hier nicht nur für den Besucherservice, sondern für alle Mitarbeiter von Fridericus. Wir wollen einen Haustarifvertrag.“ Feldkötter wies auf mangelnde Rentenansprüche der aktuellen Arbeitsverträge hin. Ihr Credo: Die Fridericus-Beschäftigten übernehmen die Aufgaben einer öffentlichen Einrichtung mit Steuergeldern und sollen deshalb wie der öffentliche Dienst behandelt werden.

„Wir sind es wert“ steht auf den Westen de Gewerkschaft Verdi. Quelle: Varvara Smirnova

Ministerin Manja Schüle: „Ich warne vor zu hohen Erwartungen“

Wissenschaftsministerin Manja Schüle (SPD), die zugleich stellvertretende Vorsitzende des Stiftungsrates ist, sagte der MAZ auf Anfrage: „Ich finde die Anliegen der Beschäftigten nachvollziehbar. Allerdings warne ich vor zu hohen Erwartungen. Der Bund und Berlin müssen mitziehen, das habe ich auch in Gesprächen mit Streikenden am Rande der letzten Demonstration deutlich gemacht“, so Schüle.

Sie erwarte aber „auch von der Geschäftsführung Fingerspitzengefühl. Wenn Streikende von ihrem Arbeitgeber bei einer Demonstration fotografiert werden und sich dadurch eingeschüchtert fühlen, geht das gar nicht.“ Das zielte auf Kerstin Schilling, Direktorin des Schlossmanagements der SPSG, die bei der letzten Demo am Landtag Bilder der Streikenden gemacht hatte (MAZ berichtete). Der MAZ sagte sie am Dienstag: „Ich habe ein privates Foto gemacht.“

Auch Kerstin Schilling, Direktorin der Abteilung Schlossmanagement der Schlösserstiftung, sprach zu den Streikenden. Sie war wegen Fotos von der letzten Protestkundgebung in die Kritik geraten. Quelle: Varvara Smirnova

Vom Streik war am Dienstag nur Cecilienhof betroffen

Die Auswirkungen des dritten Streiks hielten sich am Dienstag in Grenzen. In Potsdam war laut SPSG nur Schloss Cecilienhof betroffen, das am Dienstag nicht von Individualtouristen besucht werden konnte. Am Donnerstag werden sich der neue Geschäftsführer und Gewerkschaftsvertreter zu einem Kennenlerngespräch treffen.

Die Streikenden fordern dagegen einen Termin für die Aufnahme von Tarifgesprächen. „Solange es diesen Termin nicht gibt, müssen Sie davon ausgehen, dass wir erneut streiken“, kündigte eine Mitarbeiterin von Fridericus an.

>>>Fridericus streikt erneut – und wartet auf ein Zeichen des neuen Chefs

>>>Schlösser-Beschäftigte streiken erneut für mehr Lohn

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