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Potsdam "Man muss Verluste akzeptieren"
Lokales Potsdam "Man muss Verluste akzeptieren"
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18:42 05.02.2014
Zuhause im Weltkulturerbe: Heinz Schönemann wohnt in der Fasanerie im Park Sanssouci. Quelle: Christel Köster
Potsdam

Dabei gibt es gute Gründe für Lobeshymnen auf den Mann, der als stellvertretender Generaldirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Verdienste erwarb. In seiner Amtszeit sind Preußenimmobilien restauriert worden wie die Neuen Kammern und die heute von der Uni genutzten Communs. Schlösser wie Caputh oder das für NVA-Ausstellungen missbrauchte Marmorpalais wurden als Museen zurückgewonnen. Die durch den Mauerbau gekappte Sicht zur Berliner Pfaueninsel wurde geöffnet, die Kronprinzenwohnung im Cecilienhof museal erschlossen, das Belvedere auf dem Klausberg aus Ruinen rekonstruiert. Schönemann hat in den 1990er Jahren die Wiedervereinigung der nach dem Krieg geteilten Potsdamer und Berliner Schlösserverwaltungen zur Stiftung begleitet. Ein Traum blieb indes unerfüllt: ein Hedwig-Bollhagen-Museum in Potsdam. "Die Stadt hatte kalte Füße bekommen wegen der Arisierungsvorwürfe gegen HB", sagt Schönemann. Er ist Vorstandsvorsitzender der Hedwig-Bollhagen-Gesellschaft und teilt diese Sicht der Dinge nicht. Im Rehgarten von Sanssouci erinnert nun eine Stieleiche an die märkische Designerin, die in Potsdam vor allem mit ihrer Baukeramik Spuren hinterließ.

1968 hatte Schönemann die Künstlerin zu einer Ausstellung im Neuen Garten überredet - der Beginn einer Freundschaft. "Besuche bei ihr in Marwitz endeten meist um Mitternacht im Lager und wir kauften Geschirr." Gästen serviert Frau Schönemann Tee aus HB-Tassen. Im Arbeitszimmer des Hausherrn stapeln sich Bücher. Skulpturen und Bilder künden von einem passionierten Kunstsammler. Seit 1978 wohnt das Paar in der Fasanerie mitten im Weltkulturerbe. Dank einer Betriebsvereinbarung nach der Wende: "Darin steht: Wer 20 Jahre hier gearbeitet und gewohnt hat, ist unkündbar".

Der in Leuna geborene Sohn eines Finanzbeamten studierte an der Martin-Luther-Universität Halle Kunstgeschichte, Geschichte und Archäologie. Den ersten Job hatte er bei der Denkmalpflege in Schwerin. Ein Karrieresprung folgte bald: Direktor der Kunstsammlung auf der Moritzburg in Halle. "Ich begann herzeigenswerte DDR-Kunst zu sammeln bis in Prag die Panzer rollten und unsere Hoffnungen begruben", erinnert sich Schönemann an die 1968 einsetzende restriktive SED-Kulturpolitik. Da kam das Angebot des damaligen Generaldirektors Jochen Mückenberger aus Sanssouci gerade recht. Dort führte er auch etliche gekrönte Häupter zum Weinbergschloss Friedrichs II., darunter Thailands König Bhumibol. "Eine Armbanduhr erinnert an diesen Besuch." Mit seiner denkmalpflegerischen Maxime "Man muss Verluste akzeptieren" machte er sich allerdings unter den Kollegen nicht nur Freunde. Das verschollene chinesische Porzellan vom Bufett der Neuen Kammern etwa ersetzte er durch moderne Fayencen der Bollhagen-Schülerin Heidi Manthey. Als Kunstexperte war er "im Sinne gesamtdeutscher Annäherung" aktiv. So geriet er ins Visier der Staatssicherheit: "Man wollte mich krimineller Handlungen überführen. 3000 Seiten Akten von 30 Zuträgern gibt es", erzählt der Jubilar. Und was sagt er zum neuen Landtagsschloss? "Ich wäre für eine moderne Lösung mit Spolien gewesen. Doch zeigen Sie mir den Architekten, der das gut hingekriegt hätte."

Kunst und Können

  • Heinz Schönemann begann 1968 bei der späteren SPSG in Potsdam als Schlösserdirektor, von 1978 bis 1995 war er Vize-Generaldirektor.
  • Bis 1999 stand er als Stiftungskonservator der Denkmalpflegekommission vor.Als Kunsthistoriker war er an Publikationen und Ausstellungen beteiligt. Für die zum 200. Todestag Friedrichs II. 1986 bearbeitete er die Geschichte des Friedrichsdenkmals. Die Regie für die Expositionen über deutsche Kunst zur Zeit der französischen Revolution 1989 und über Friedrich Wilhelm IV.
  • 1995 lag in seinen Händen.
  • Seit 2006 ist Schönemann Vorstandsvorsitzender der in Potsdam ansässigen Hedwig-Bollhagen-Gesellschaft.
  • Der Jubilar „beschenkt“ Kunstfreunde am 27. April 2014 mit einem Vortrag. Dazu lädt die Pückler Gesellschaft Berlin zu 11 Uhr in den Marstall von Schloss Glienicke, Königstraße 36, ein. Heinz Schönemann spricht zum Thema „Der Freundschaftstempel im Park Sanssouci – eine letzte Tafelrunde Friedrichs des Großen“. 

Von Carola Hein

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