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Potsdam Kritik an möglicher Fusion von ViP und Havelbus
Lokales Potsdam Kritik an möglicher Fusion von ViP und Havelbus
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13:02 27.03.2014
Heiße Debatte um die Fusion der Verkehrsbetriebe. Quelle: Bernd Gartenschläger
Potsdam

Begeistert von dem Vorschlag ist der Potsdamer SPD-Chef Mike Schubert. "Die Anregungen zur Fusion sind eine gute Nachricht", sagt Schubert. "Damit steigen die Chancen für die Einführung des Systems einer Regio-Bahn." Dieses System sei "eine Alternative zu der Tram-Linie nach Teltow".

Als Regio-Bahn bezeichnet man die Verknüpfung des Straßenbahn-Netzes mit den Gleisen der Deutschen Bahn. Es hat sich in etlichen Städten bereits bewährt, als erstes im badischen Karlsruhe, weshalb man auch vom "Karlsruher Modell" spricht. Technisch funktioniert es so: Die Straßenbahnen müssen dieselbe Spurweite haben wie die DB-Gleise - das ist in Potsdam der Fall. Den deutlich stärkeren Strom, mit dem die Bahn ihre Züge betreibt, müssen die Triebwagen technisch "vertragen". Das heißt: neue Fahrzeuge mit Zwei-System-Technik müssen her. An den Endpunkten des Tram-Gleisnetzes werden Übergangs-Gleisabschnitte gebaut, auf denen die Bahnen kurzzeitig ohne Stromversorgung weiterrollen. Während dieser "Gleitzeit" stellt sich das System im Triebwagen um. Das läuft automatisch und ist technisch überhaupt kein Problem mehr. Vorteil dieses dualen Netzes: Man spart sich den extrem teuren Bau neuer Tram-Trassen. Die Gleise der Deutschen Bahn führen ja bereits ins Umland. Wenn ein schnellerer Zug durchgelassen werden muss, machen die Regio-Bahnen Platz auf einem Ausweichgleis. Das ist ebenfalls gängige Praxis anderswo. Auf der viel befahrenen Rheintalstrecke etwa verkehren Schnellzüge und Regio-Trams problemlos auf denselben Gleisen.

Ähnliche Modelle funktionieren auch in Saarbrücken, Kassel, Chemnitz, Nordhausen, aber auch in Paris, Lyon und den Niederlanden.

SPD-Mann Schubert hat sich in der Vergangenheit mehrfach für die Einführung der Technik ausgesprochen, um die Verkehrsprobleme zischen Umland, Potsdam und Berlin zu lösen. Eine Fusion der kommunalen Verkehrsbetriebe von Stadt und Landkreis würde in seinen Augen Schwierigkeiten aus dem Weg räumen.

Ganz anders bewertet der CDU-Kreistagsabgeordnete Gerhard Enser - Ex-Bürgermeister von Stahnsdorf - eine mögliche Fusion von ViP und Havelbus. Der Landrat, so tadelt Enser, möge sich darauf konzentrieren, die internen Probleme bei Havelbus zu lösen. Dabei seien "Fusionsgerüchte mit Potsdam kontraproduktiv. Sie vernebeln die Lage", so Enser.

Tatsächlich hatte auch Landrat Blasig schon darauf hingewiesen, dass vor einem Zusammengehen mit Potsdam die Havelbus-Gesellschaft neu strukturiert werden muss. Das heißt aus Blasigs Sicht: Havelbus soll aufgeteilt werden. Havelbus gehört nach jetzigem Stand den Landkreisen Havelland und Potsdam-Mittelmark gemeinsam. Der mittelmärkische Teil soll vom havelländischen abgespalten werden, damit Potsdam-Mittelmark eine eigene Gesellschaft erhält und flexibler auf die Bevölkerungsdynamik etwa im Raum Teltow reagieren kann. Das Havelland hatte immer versucht, die Gesellschaft zu erhalten. Noch ist die Aufteilung nicht beschlossene Sache.

Scharf lehnt der Linken-Fraktionssprecher im Kreistag Potsdam-Mittelmark die Fusionspläne ab. Er fürchtet, dass in einem vereinigten Verkehrsbetrieb zum Beispiel "die Busverbindung von Grube nach Bad Belzig oder der Schülerverkehr nach Treuenbrietzen" kaum noch eine Rolle spielen würden. Singer erinnert daran, dass Havelbus schlechte Erfahrungen mit Potsdam gemacht habe - vor einigen Jahren hatte es Knatsch um die Bezahlung von Havelbus-Fahrten ins Potsdamer Stadtgebiet gegeben. Potsdam hatte viel weniger bezahlt, als Havelbus erwartet hatte. Daraufhin entflocht man die Fahrpläne, so dass kaum noch Parallelverkehr in Potsdam besteht.

Singer hält Havelbus - die Gesellschaft hat bekanntlich ihren Hauptsitz in Babelsberg - auch ohne Zusammengehen mit Potsdam für die "ernstzunehmende Größe im Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg", die Oberbürgermeister und Landrat sich für die Zukunft nach einer Fusion wünschen.

VERKEHR IM WANDEL

  • Reformbedarf: Dass der öffentliche Nahverkehr reformbedürftig ist, ist seit Jahren klar. So tragen kreisfreie Städte wie Brandenburg/Havel oder Cottbus schwer an der Finanzierung des teuren Straßenbahnbetriebs – kein Wunder bei sinkender Bevölkerungszahl.
  • Fahrgast-Boom: Anders ist es in Potsdam, das einen jährlichen Zuwachs an Passagieren des Verkehrsbetriebs ViP von mehr als einem Prozent verzeichnet.
  • Die verworfene Holding: Vor fünf Jahren hatte eine Wirtschaftsprüfungs-Gesellschaft im Auftrag des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg (VBB) Einsparmöglichkeiten sondiert und hatte eine Art Holding für die Verkehrsbetriebe von Potsdam, Potsdam-Mittelmark und Havelland sowie der Stadt Brandenburg vorgeschlagen. Auf diese Weise, so die Prüfer, ließen sich pro Jahr mehr als zehn Millionen Euro einsparen. Politisch fiel der Vorschlag durch.
  • Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs hat am Montag die Fusion von ViP und Havelbus vorgeschlagen.

Von Ulrich Wangemann

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