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Potsdam Trüffelbäume in Potsdam
Lokales Potsdam Trüffelbäume in Potsdam
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00:32 17.04.2018
Der Winzerberg im Potsdamer Schlosspark Sanssouci.  Quelle: Rainer Schüler
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Potsdam

 Das hätte Friedrich den Großen diebisch gefreut; damit hätte er den anderen Königen Europas ein Schnippchen geschlagen: Trüffel aus eigenen Landen. Doch was der Alte Fritz nicht mehr erlebte, könnte jetzt Wirklichkeit werden. Auf dem Potsdamer Winzerberg werden zwei Haselsträucher kultiviert, deren Wurzeln mit Sporen des Burgundertrüffels (Tuber uncinatum) geimpft sind und das Pilzgeflecht (Mycorrhiza) des Trüffelpilzes enthalten. Nach fünf bis sechs Jahren könnten daraus Trüffelknollen entstehen – eine Edelzutat für Köche. Die präparierten Haselnuss-Sträucher sind das Geschenk eines Vereins von der Aar an den Winzerbergverein zu Potsdam, der sich nun nicht nur um verschiedenste Rebensorten meist alter Provenienz kümmert, um Tomaten, Kräuter und die Imkerei, sondern auch um die Trüffelproduktion. „Das ist ein Experiment“, sagt Chef-Gärtnerin Monika Lange, „von dem wir gar nicht wissen, ob es wirklich funktioniert. Aber das wussten wir beim Wein ja auch nicht.“ Und die Rebstöcke auf den Terrassen des Berges trugen und tragen dieses Jahr schon reiche, inzwischen zuckersüße Früchte aus hellen wie aus blauen Trauben.

Federweißer und Zwiebelkuchen
Vergangene Woche wurde sogar erstmals Federweißer verkostet, am Lagerfeuer und in großer Runde, denn die „Gruppe Grün“ am Winzerberg, die Gärtnerschar, zählt inzwischen fast 50 Leute, alle voller Ideen und Leidenschaft. Federweißer und Zwiebelkuchen war das „Menü“ des Sommerausklangs. Den Winter über reifen die Anbaupläne für das nächste Jahr. „Ein bunter Nutzgarten war der Weinberg zu des Königs Zeiten; er soll es wieder werden“, sagt Lange; der Federweißer gehört dazu, gehört von nun an fest zum Saisonausklang: Kein fertiger Wein ist das, sondern aus weißen oder roten Rebsorten gepresster Traubenmost, dessen alkoholische Gärung gerade begonnen hat und der noch keiner Filtration unterworfen war. Trüb ist er, weiße Flocken – „Federn“ – treiben in der Flasche, die man der andauernden Gärung wegen nicht fest verschließen kann, sondern atmen lassen muss.

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Bienenwachs als Heilmittel
Ansonsten werden die Trauben des Winzerbergs gegessen von denen, die sie pflegen und die einen Obulus entrichten, wenn sie ernten. Auch Rosmarin und Minze wachsen am Berg, man machte Sirup aus beidem als Brotaufstrich und Salatwürze, aus Rosmarin auch Salz. „Superlecker auf Backkartoffeln“, empfiehlt Lange und hat gleich noch einen Tipp vom Berg in petto: Die beiden Bienenvölker von Katja Saupe hoch oben auf dem Berg haben nicht nur 40 Kilo Honig abgeliefert dieses Jahr, sondern auch Wachs als Heilmittel gegen Schmerzen. Beim Tag des offenen Denkmals am 14. September haben Kinder Wachswickel gegossen. Sie zogen Stoffstreifen durch flüssiges Wachs; die fertigen Platten können später beliebig oft, mit einem Fön zum Beispiel, erwärmt und auf schmerzende Körperstellen gelegt werden, wo sie wie Moorpackungen beim Physiotherapeuten wirken.

Der Weingott Bacchhus dient als Logo
Für die „Produkte“ vom Weinberg ist ein eigenes Logo entworfen worden: der Kopf des Weingotts Bacchus vor einer Skizze der Weinbergterrassen. „Wenn der Berg mal fertig ist und alle Weinbergscheiben verspendet sind, arbeiten wir Gärtner emsig weiter“, sagt Lange: „Wir haben Kosten für Pflanzen und Pflanzenschutz, für Arbeitsgeräte und Strom.“ Dazu muss man Geld erwirtschaften, etwa über Produktspenden.

TRÜFFELBÄUME

  • Die Wurzeln der Trüffelbäume sind mit den Sporen des Burgundertrüffels geimpft, enthalten dessen Pilzgeflecht.
  • Burgundertrüffel sind als heimische Pilzart perfekt an hiesige Umweltbedingungen angepasst. Sie bilden stattliche Fruchtkörper von bis zu mehreren hundert Gramm Gewicht.
  • In Deutschland stehen die Wildvorkommen aller heimischen Trüffelarten unter strengem Naturschutz und dürfen nicht entnommen werden.
  • Trüffel aus Plantagen mit Trüffelbäumen sind keine Wildvorkommen.
  • Die Haselnuss wächst als vielstämmiger Strauch und erreicht eine Höhe von etwa sechs Metern. Sie wächst sehr schnell, wird bis zu 100 Jahre alt.
  • Durch den schnellen Wuchs können bereits nach fünf Jahren erste Trüffel wachsen. Die Wuchsform der Hasel schafft sehr schnell geeignete Bedingungen für das Trüffelwachstum.
  • Der Boden sollte kalkhaltig sein, also einen pH-Wert höher als 7 haben.
  • Gut belüftet und entwässert sollte der Boden sein. Staunasse Böden sind für eine Trüffelpflanzung ungeeignet.
  • Ein Standort in Hanglage oder auf einer Kuppe ist optimal, da dort die Entwässerung meistens gut ist. Das bietet der Winzerberg in idealer Weise. Senken und Ebenen, etwa zu Füßen des Weinbergs, sind eher zu meiden. Eine kleine Erhebung von einem Meter kann schon ausreichen, um einen geeigneten Wasserhaushalt herzustellen.
  • Die Pflege der Trüffelbäume beschränkt sich auf die Kontrolle der Konkurrenzvegetation, auch das ideal für eine nicht permanente Pflege. Gräser und andere aufkommende Pflanzen sollten ein bis zweimal im Jahr durch Mähen, Freischneiden oder oberflächliches Fräsen kurzgehalten werden. Später stellen sich die richtigen Verhältnisse durch die Beschattung der Pflanzen von selber ein, so dass sich die Pflege auf ein Minimum reduziert.
  • Die Ernte wird am besten mit einem so genannten Trüffelhund durchgeführt. Es gibt auch Trüffelschweine.

Von Rainer Schüler

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