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Potsdam Historiker: Garnisonkirche ist kein Nazi-Bau
Lokales Potsdam Historiker: Garnisonkirche ist kein Nazi-Bau
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09:56 12.05.2014
Am Freitag wurde ein Nachbau der Wetterfahne des Garnisonkirchtursm an der Bautelle aufgestellt. Am Samstag gab es einen Dankgottesdienst dazu. Quelle: Bernd Gartenschläger
Potsdam

Die "Bürgerinitiative für ein Potsdam ohne Garnisonkirche" lasse an ihren Unterschriftenständen für ein Bürgerbegehren Lügen verbreiten, wenn sie frage "Sind Sie dagegen, dass eine Potsdamer Nazi-Kirche wieder aufgebaut wird?" oder "Wollen Sie verhindern, dass mit dem Wiederaufbau dem militärischen Preußen ein Denkmal gesetzt wird?", erklärte Kitschke am Sonntag in einem offenen Brief an die Initiative. Diese hatte am Samstag von mittlerweile 9000 Unterschriften gegen den Wiederaufbau berichtete; am Freitag standen auf ihrer Internetseite noch 8806 Unterschriften.

In Handzetteln an die Besucher des samstäglichen Dankgottesdienstes zur Aufstellung der Wetterfahne des Kirchturms wirft die Initiative dem Fördergesellschafts-Chef und Ex-Offizier Burkhart Franck "beleidigende und pauschalisierende Aussagen" gegenüber Initiativmitgliedern vor und behauptet, Franck wolle den Wiederaufbau auch gegen den Willen einer Mehrheit der Potsdamer weiterbetreiben. Die evangelische Kirche wird in dem Schreiben gefragt, ob sie im Falle eines Antiaufbau-Votums der Bevölkerung das Rekonstruktionsprojekt stoppen würde.

Kitschke, selbst Christ, aber ohne Amt in der Kirche, gab nun seiner Überzeugung Ausdruck, die Kirche werde die Entscheidung der Bürger akzeptieren. Das jetzt laufende Bürgerbegehren sei aber nur die Vorstufe eines Bürgerentscheides und damit nicht repräsentativ für die Bevölkerungsmeinung.

Antiaufbauinitative kämpft "gegen ein Phantom"

Wenn die Initiative den Bürgern bei den Unterschriftenaktionen auf der Straße einrede, dass das Begehren zur Verhinderung des Wiederaufbaus führen würde, sei das "nur die halbe Wahrheit". Für die angeblich beleidigenden Äußerungen Burkhart Francks gebe es keine Belege. Alle Mitglieder der Fördergesellschaft haben sich Kitschke zufolge vom "rechten Gedankengut" Max Klaars von der Stiftung Preußisches Kulturerbe stets distanziert, weshalb Klaar seine zum Wiederaufbau gesammelten sechs Millionen Euro abgezogen habe.

Der Antiaufbauinitiative wirft Kitschke vor, sie kämpfe "gegen ein Phantom", wenn sie die Potsdamer Aufbauinitiative mit der von Max Klaar "stetig und wider besseres Wissen" gleichsetze. Er selbst lebe seit seiner Geburt in Potsdam und lasse sich nicht in die "rechte Ecke" drängen. "Nehmen Sie bitte zur Kenntnis", so Kitschke, "dass die in der Fördergesellschaft für den Wiederaufbau der Garnisonkirche Potsdam e.V. und der Stiftung Garnisonkirche Potsdam zusammengeschlossenen Menschen weder demokratiefeindlich noch national- oder anderweitig sozialistisch gesinnt sind!"

Für ihn selbst stehe neben der "städtebaulichen Heilung des Stadtbildes" die inhaltliche Arbeit für Frieden und Versöhnung aus christlicher Verantwortung im Vordergrund, erklärte Kitschke: "Wir müssen und wollen auf alles, was in der historischen Garnisonkirche geschehen ist, reagieren. Ein Mahnmal an Stelle der Garnisonkirche - wie von einigen Ihrer Vertreter vorgeschlagen - würde die gewünschte Auseinandersetzung mit diesem Gedenkort nicht befördern, sondern bestenfalls am 21. März jedes Jahres als Stätte von ,Sonntagsreden' und ,Kranzabwürfen" dienen. Niemand würde sich dafür weiter interessieren", wendet sich Kitschke an die Aufbaugegner: "Nur die historische Außengestalt des Barockbauwerkes weckt diese Erinnerungen, und genau deshalb muss sie 1:1 wiedererstehen. Wie wirkungsmächtig das Bild der alten Garnisonkirche ist, beweist Ihre Initiative hinreichend."

Von Rainer Schüler

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