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Potsdam Hitzige Debatte bei Dokumentarfilm-Premiere zum FH-Abriss
Lokales Potsdam Hitzige Debatte bei Dokumentarfilm-Premiere zum FH-Abriss
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14:44 30.10.2019
Premiere im Filmmuseum Schrott oder Chance. Das Filmteam Christian Morgenstern (li.), Kristina Tschech und Elias Franke (2.v.r.) vor der Filmpremiere im Gespräch mit Ex-Oberbürgermeister Jann Jakobs (2.v.l.) und André Tomczak. Quelle: Bernd Gartenschläger
Potsdam

Am Dienstagabend war es soweit: Der Film „Schrott oder Chance“ von Kristina Tschesch, Elias Franke und Christian Morgenstern hatte im Kinosaal des Potsdamer Filmmuseums Premiere. Nach mehrjährigen Dreharbeiten und einer erfolgreichen Crowdfunding-Kampagne kam damit ein Projekt zum Abschluss, dessen Thema für die Stadtgesellschaft nicht einfach abgeschlossen ist: der Abriss des Fachhochschulgebäudes auf dem Alten Markt.

In der anschließenden gut einstündigen Diskussion mit den Filmemachern, der Grünen-Stadtverordneten Saskia Hünecke, Mediaproduzent Peter Effenberg und dem Publikum kochten die Emotionen noch einmal hoch. So hoch, dass Ex-Oberbürgermeister Jann Jakobs sich genötigt sah, ebenfalls zum Mikrofon zu greifen – obwohl er sich an dem Abend eigentlich eines Beitrags enthalten wollte.

Aufnahmen aus dem Inneren des Gebäudes

Das Kollektiv 414, so benannt nach der Raumnummer ihres Studios im Rechenzentrum, hat eine Chronologie der Ereignisse geschaffen, die Potsdam in den vergangenen Jahren in Bewegung hielten. Mit den inzwischen als historisch zu bezeichnenden Aufnahmen aus dem Inneren des verfallenden Gebäudes, aber auch beeindruckenden Drohnenaufnahmen des leer geräumten Platzes, ist ihre Dokumentation ein wertvolles Zeugnis zur Stadtgeschichte.

„Unser Film ist ein Debattenbeitrag, es soll weiter diskutiert werden“, sagte Macherin Kristina Tschesch. Denn schon während ihrer um Ausgleich bemühten Darstellung sparten einige Zuschauer nicht mit Gelächter und Gejohle, wenn Abrissbefürworter auftraten.

Der im Film fast als Protagonist wirkende André Tomczak, Wortführer der Initiative Stadtmitte für Alle, ergriff an der Veranstaltung hingegen nicht das Wort. Für seine konstruktive Haltung wurde ihm auch von der „Gegenseite“ gedankt, wohingegen Zwischenrufe wie „Mitteschön halt’s Maul“, die Stimmung im Saal anheizten.

Jann Jakobs ergreift Partei für Saskia Hünecke

Saskia Hünecke, die den Prozess rund 25 Jahre in Entscheidergremien politisch begleitete, bemühte sich um eine Versachlichung der Diskussion. Sie machte drei Ebenen aus, auf denen der Diskurs geführt werde: emotional und erinnerungsbehaftet, städtebaulich sowie nach sozialen Werteanschauungen. Letztere polarisierten im Publikum. Nachdem Hünecke in Äußerungen „in eine undemokratische Ecke gedrängt“ worden war, so Jann Jakobs, ergriff er Partei für sie und verwies auf rechtliche Verpflichtungen und bereits investiertes Geld. Im Übrigen nannte er den 75-minütigen Film „klasse“.

Es wurde deutlich, dass das gerichtlich abgelehnte Bürgerbegehren eine Wunde ist, die einige noch schmerzt, darunter auch die Moderatorin Katharina Riedel vom Filmverband Brandenburg. Dabei wird geflissentlich davon ausgegangen, dass knapp 15.000 Unterschriften noch keine Aussage darüber zulassen, wie eine Volksabstimmung tatsächlich ausgegangen wäre.

Hautnah dabei war das sechsköpfige Kamerateam auch an der Besetzung des ehemaligen Instituts für Lehrerbildung. Sie hielten spielerische Aktionen, die den Ort zum Wohnzimmer der Stadt machen sollten, genauso fest wie die Demontage der ikonischen Sternfassade. So traf es die ehemalige Fachhochschulprofessorin Hanne Seitz im Film auf den Punkt: „Es ist alles schon gesagt, und muss trotzdem nochmals gesagt werden.“

Weitere Vorführung: 6.11., 19.15 Uhr.

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Von Gabriele Spiller

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