Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Potsdam "Man kann sein eigener Eisbrecher sein"
Lokales Potsdam "Man kann sein eigener Eisbrecher sein"
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:33 01.02.2014
Wenn Havel und Seen zufrieren, sind die Retter der Wasserwacht in höchster Alarmbereitschaft. Quelle: Bernd Gartenschläger
Anzeige
Potsdam

MAZ: Herr Oczkowski, laufen Sie gern Schlittschuh?
Jan Oczkowski: Ja, aber auch viel zu selten. Es ist schon ein paar Jahre her, dass ich das gemacht habe. Wenn, dann laufe ich auf der Eisbahn. Als Kind war ich ‒ zugegeben ‒ auch mal auf dem See.
Sind Sie schon einmal ins Eis eingebrochen?
Oczkowski: Ja, aber mit Absicht und zu Übungszwecken. Selbst, wenn man weiß, dass es gleich passiert, ist das Überraschungsmoment groß und das Erlebnis erschreckend. Ich habe Respekt ‒ gerade vor den kalten Temperaturen. Selbst, wenn man wie wir mit Wärmeschutz einbricht, spürt man die Eiseskälte und kann die Finger nach kürzester Zeit kaum noch bewegen.
Wie oft rücken Sie im Winter zur Eisrettung aus?
Oczkowski: Das lässt sich pauschal nicht sagen. Letzten Winter waren wir zum Beispiel gar nicht draußen und in diesem auch noch nicht. Gott sei Dank! Wir sind aber bereit, jeder Zeit auszurücken.
Es macht knack, man fällt, wieviel Zeit bleibt einem dann?
Oczkowski: Das ist vor allem von dem Gewässer abhängig, in das man eingebrochen ist. Je mehr es strömt, desto schneller kühlt man aus. Auch die Gefahr, unters Eis zu geraten und abgetrieben zu werden ist größer ‒ und damit stehen die Chancen auf eine Rettung schlechter. Die Wassertemperatur spielt ebenfalls eine wichtige Rolle, auch die Witterung. Bei Nebel, Eisregen, Schnee und Dunkelheit hab ich natürlich schlechtere Chancen, gesehen zu werden. Grundsätzlich gilt, dass ein Eingebrochener nicht länger als 20 Sekunden im Wasser bleiben sollte.
Was kann ich tun, wenn ich als erster an die Unfallstelle komme?
Oczkowski: Zunächst sollte man selbst um Hilfe rufen, um schnell weitere Helfer ranzukriegen. Und natürlich sollte man auch möglichst schnell den Notruf absetzen. Dann kann man je nach Entfernung der Unfallstelle vom Ufer und je nach Beschaffenheit des Eises versuchen, dem Eingebrochenen Gegenstände zu reichen, die ihm helfen an der Oberfläche zu bleiben oder mit denen er vielleicht sogar aus dem Wasser zu ziehen ist. Es bietet sich alles an, was man so finden kann ‒ Äste, Bretter, im besten Fall eine Leine. Bretter sind günstig, weil der Eingebrochene damit seine Auflageoberfläche vergrößern und sich aufstützen kann, ohne weitere Schollen aus dem Eis zu brechen.
Was sollte man keinesfalls tun?
Oczkowski: Als Retter sollte man sich auf keinen Fall in Gefahr begeben ‒ das ist für die meisten aber schwer einzuschätzen. Auf jeden Fall sollte man warten, bis ein zweiter Helfer vor Ort ist. Man sollte dem Verunfallten nicht die Hand anbieten und direkten Körperkontakt vermeiden. Es ist ratsam, immer ein Medium ‒ etwa einen Stock ‒ zwischenzuschalten, so dass einen der Eingebrochene, wenn er in Panik verfällt oder weiter einbricht, nicht hinterher-zieht.
Wie sollte ich mich verhalten, wenn ich selbst eingebrochen bin? Gibt es lebensrettende Tricks?
Oczkowski: Im Moment des Fallens sollte man so schnell wie möglich die Arme ausbreiten, um gar nicht erst unters Eis zu geraten. Ist man einmal drunter, ist die Orientierung sehr schwer und es ist Glückssache, wieder rauszufinden. Es klingt banal, aber man sollte versuchen, irgendwie aus dem Loch rauszukommen. Wenn man sich aufs Eis robbt oder rollt, drückt man sich am besten mit dem Fuß an der Eiskante hinter einem ab. Selbstverständlich sollte man um Hilfe rufen, aber generell sollte man ruhig bleiben, sonst kühlt man schneller aus. Wenn es zum Ufer nicht weit ist, kann man auch sein eigener Eisbrecher sein und sich den Weg freischlagen; das ist aber äußerst kraftraubend.
Wie groß ist Ihre Truppe?
Oczkowski: Wir sind um die zehn Rettungstaucher ‒ Männer und Frauen. Die Ausbildung ist kostenintensiv und zeitaufwendig, aber man muss sie nicht aus der eigenen Tasche bezahlen. Für geeignete Bewerber übernimmt das die Wasserwacht. Wir suchen übrigens immer Verstärkung. Wer mitmachen will, sollte gesund sein ‒ alles andere kann man trainieren.
Apropos, wie trainieren Sie Ihre speziellen Eis-Einsätze?
Oczkowski: Meistens gemeinsam mit der Feuerwehr. Wir sägen ein Loch ins Eis und üben verschiedene Methoden: mit dem Rettungsschlitten, mit Leitern oder auch einfach nur mit einem Rodelschlitten, den wir auf die Sitzfläche drehen, um eine größere Auflage zu haben. Eine große Rolle spielt das Eistauchen; es ist auch eine besondere Herausforderung.
Wenn das Eis doch so lockt, wo in Potsdam kann ich sorglos mit meinen Schlittschuhen rumkurven?
Oczkowski: Eine Freigabe für die Gewässer wird nicht ausgesprochen ‒ die Verantwortung will natürlich keiner übernehmen, denn passieren kann immer etwas. Zum Schlittschuhlaufen sind überfrorene Wiesen bestens geeignet. Auch der Kindermannsee im Park Babelsberg ist in Ordnung ‒ er ist nicht besonders tief; wer einbricht, hat den Kopf noch über Wasser.
Interview: Nadine Fabian

Potsdam Ursache des Problems noch nicht gefunden - Variobahnen in Potsdam fast alle wieder im Einsatz
02.02.2014
Potsdam Politik kürzt Potsdamern die Shoppingtage - Sechs mal sonntags einkaufen
31.01.2014
Potsdam Landesregierung wusste Bescheid - Investitionsbedarf für Schulen war bekannt
31.01.2014