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Potsdam Kaiser-Urenkel kann Aufregung nicht nachvollziehen
Lokales Potsdam Kaiser-Urenkel kann Aufregung nicht nachvollziehen
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21:33 24.02.2014
Kaier-Urenkel Franz Friedrich Prinz von Preußen. Quelle: MAZ-Archiv
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Potsdam

Fakt ist: Der Immobilienmarkt der jetzigen Landeshaupt- und einstigen Residenzstadt würde ganz anders aussehen - Potsdam wäre eine hohenzollernsche Hochburg. Quasi an jeder - vornehmen - Ecke würde man auf ein Domizil der ehemals regierenden Familie stoßen.

In der Anlage zum Bericht des Amts zur Regelung offener Vermögensfragen (Arov) mit Sitz im Landkreis Oder-Spree finden sich seitenlange Aufzählungen über Potsdamer Immobilien - die Behörde hat ihren Wert im Stichjahr 1990 mit umgerechnet 21Millionen Euro veranschlagt. Als Ausgleich für die Enteignungen in der sowjetisch besetzten Zone sollen die Nachfahren der Hohenzollern jedoch höchstens 1,2 Millionen Euro aus der Bundeskasse erhalten (MAZ berichtete).

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Franz Friedrich Prinz von Preußen - sein Großvater Joachim war der jüngste Sohn Wilhelms II. - hat die Debatte der letzten Tage aufmerksam verfolgt. Die Kritik an den vom Amt vorgeschlagenen Ausgleichszahlungen kann er nicht nachvollziehen. Das Haus Wettin, das die sächsischen Herrscher stellte, habe 2011 rund 4,2 Millionen Euro vom Freistaat Saschsen zugesprochen bekommen - für zwangsverstaatlichtes Porzellan. Franz Friedrich Prinz von Preußen sagt: "Wenn man sich die sächsischen Beträge ansieht, dann weiß ich nicht, warum man sich hier aufregt."

Zahlreiche Liegenschaften und Immobilien sind den Hohenzollern allein in Potsdam nach 1945 weggenommen worden. MAZonline zeigt einige der Grundstücke, die einst Hohenzollern-Besitz waren.

Familienintern ist die Sache klar geregelt. Erben würde ohnehin nur ein einziger Hohenzoller. Dazu Franz Friedrich: "Geerbt hat Georg Friedrich. Er ist Chef des Hauses und Inhaber des Hausvermögens." Die Regelung sei gut, weil sie eine Zersplitterung des Vermögens verhindere.

Ironie der Geschichte: Franz Friedrich hat gerade mit der Immobilienfirma "Prinz von Preußen Grundbesitz AG", deren Aufsichtsrat er angehört, Grundstücke im Bornstedter Feld von der Stadt-Holding Pro Potsdam gekauft. Das Bornstedter Feld war bis 1945 Grundbesitz der Preußen-Familie - es war 1926 bei der Fürstenabfindung als Privatbesitz den Hohenzollern gelassen worden. "Wir zahlen Marktpreise - wie alle anderen", betont der Prinz. An der Esplanade sollen acht Mehrfamilienhäuser entstehen.

Die Hohenzollern waren seit dem 15. Jahrhundert im Gebiet Brandenburgs aktiv, sie stellten später deutsche Könige und Kaiser. Heute hat die einstige Herrscherfamilie keine politische Macht mehr. Gegenwärtiges Oberhaupt der Hohenzollern ist Georg Friedrich Prinz von Preußen, der eine enge Beziehung zu Potsdam hat.

Aber was wären all die Schlösser und Villen, die in dem Bericht der Vermögens-Behörde gelistet sind, heute wert? "Das kann man gar nicht beziffern", sagt Anja Farke von der auf Edelimmobilien spezialisierten Makler-Firma Engel & Völkers. Der Wert von 1990, der dem Behörden-Kalkül zugrunde liegt, sei mit dem heutigen kaum zu vergleichen. Denn: "Der Zustand der heutigen Luxusimmobilien war zu diesem Zeitpunkt oft mehr als traurig. Es gehörte Mut dazu, sich solcher Objekte anzunehmen", sagt Anja Farke. Die Sanierung von Häusern im Nachwende-Potsdam sei sehr teuer gewesen, es sei gar nicht einfach gewesen, "viele Objekte überhaupt wieder bewohnbar zu machen".

Von Ildiko Röd und Ulrich Wangemann

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