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Potsdam Anti-Graffiti-Einsatz in Potsdam
Lokales Potsdam Anti-Graffiti-Einsatz in Potsdam
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18:16 13.01.2015
Am Bassinplatz muss André Hörcher schweres "Geschütz" auffahren.
Am Bassinplatz muss André Hörcher schweres "Geschütz" auffahren. Quelle: Rainer Schüler
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Potsdam

Ein großes rotes X auf grünem Grund ist ihr Symbol. Und grün-rot ist ihre „Kampfmontur“, wenn sie ausrücken zur Schlacht um Sauberkeit und Ordnung. Ob früh am Morgen oder spät am Abend, es muss schnell gehen. „Je eher wir die Schmiererei weg haben, desto wirkungsloser ist das Graffito“, sagt Joachim Hörcher, Chef der Babelsberger Firma „Wardawas“. Den Sprayern fehle dann, was sie am meisten wollen: Aufmerksamkeit, Bewunderung und Ruhm in ihrer Szene, Wut bei ihren Opfern. „In zwei bis drei Tagen haben wir 80 bis 90 Prozent der Schmierereien weggemacht, wenn wir den Auftrag dazu haben“, versichert Hörcher. Bei sehr bekannten Objekten geht das auch schneller: „Da planen wir halt um.“

Gesprüht wird meist im Schutz der Dunkelheit, wenn keine Zeugen zu erwarten sind. Und tags macht der Sprayer dann sehr gern das Foto von seinen „tags“ der Nacht. Dumm nur, wenn sein Werk da schon längst verschwunden ist. „Wardawas?“ Ja, „Wardawas“ war da.

Joachim Hörcher und seine Söhne Stephan (30) und André (29) sind ein Familienunternehmen und die schnelle Eingreiftruppe der Stadt, wenn es um den Schutz von Denkmälern und Baudenkmalen geht, um öffentliche Gebäude, öffentliche Plätze. Auch Kaufhäuser, Läden, Straßenmeistereien und Hausbesitzer rufen an. Weit mehr als 60 Kunden hatten die Hörchers letztes Jahr, etliche davon mehrfach. Zwei Drittel der Aufträge betreffen Potsdam, doch „die Landeshauptstadt der Sprayer“ ist das hier nicht. „Das ist ganz klar Brandenburg an der Havel“, sagt Hörcher: „Die Sprayer bekommen dort zu viel Platz in der Presse. Wenn die morgens in die Zeitung gucken, brechen sie in Freudentränen aus.“ In Potsdam läuft das anders. Ein Wartungsvertrag der Stadt mit der Baudenkmalpflege Roland Schulze sorgt dafür, dass die Hörchers so schnell zum Einsatz kommen, dass Öffentlichkeit kaum noch entsteht. 85 Objekte betreuen sie und das so effektiv, dass faktisch alle Baudenkmale im Besitz der Stadt frei von Graffiti sind. Hörchers Erfahrung nach weichen die Sprayer aber mehr auf private Häuser aus, und dann muss der Hausbesitzer überlegen, wie er sein Eigentum am besten schützt.

Am liebsten arbeitet der Hörcher-Clan bei Regen. „Das wäscht gleich alles ab“, sagt André. Der Mann mit dem „Tunnel“ im Ohrläppchen ist der „Coole“ in der Truppe, auf die jetzt auch das Fernsehen gestoßen ist. Bei Kabel 1 wird man die Hörchers demnächst sehen. „Die Reinemacher“ heißt die Doku, für die man unlängst zwei Einsätze des Trios filmte: Mit 200 Bar Druck aus der Heißwasserdüse rückte man von einer Hubbühne aus am Neuen Friedhof in der Heinrich-Mann-Allee dem Steinbewuchs des Sanitäterdenkmals zu Leibe. Hans Delitzsch-Sachsenhausen hat es modelliert, Joseph Gobel es gebaut; 1929 weihte man es ein. Es ist das einzige Großdenkmal des ersten Weltkrieges in Potsdam. Unter Bäumen steht es und wuchert immer wieder zu mit Moos und Algen. Nach der Aktion war die Inschrift wieder lesbar: „Den 15001 im Weltkrieg Gebliebenen der Sanitäterkorps der Armee-Marine-Schutztruppe“.

Noch dramatischer sah die Graffiti-Bekämpfung am historischen Toilettenhäuschen auf dem Bassinplatz aus, wo André Hörcher in einen Vollschutzanzug steigen musste. Weit höher als am Friedhof war der Wasserdruck und der knallharte Strahl mit Spezialsand vermischt. Mit aller Kraft stemmte André Hörcher sich dem Aufpralldruck des Schmirgel-Strahls entgegen; wie Butter löste sich die dicke Farbschicht von der Klinkermauer ab. Der Einsatz ist noch nicht beendet.

Die Wegmacher

Seit März 2004 ist Wardawas vor allem in den Ländern Brandenburg und Berlin im Einsatz als Spezialist für Graffiti-Entfernung, Oberflächenreinigung und Oberflächenschutz.

Das Familienunternehmen schreckt vor keinem Reinigungsproblem zurück und hat den Anspruch, jede Erwartung der Kunden zu erfüllen.

Die regelmäßige Reinigung des Lustgartens an der Breiten Straße (11000 Quadratmeter) von Öl- und Kaugummiflecken sowie Graffiti gehört ebenso zu den Erfolgen wie die Freihaltung der Stadttore, Obelisken, Denkmale und anderer historischer Gebäude im Eigentum der Stadt. Auch die Oberflächenveredelung in Innenräumen, an Autos, Bussen, Straßenbahnen und Booten gehört zum Portfolio.

Von Rainer Schüler

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