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Potsdam Schwierige Suche nach neuer Spitze für den Verkehrsbetrieb
Lokales Potsdam Schwierige Suche nach neuer Spitze für den Verkehrsbetrieb
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10:14 16.01.2020
Der Vip ist für Bus und Bahn in Potsdam verantwortlich. Quelle: Bernd Gartenschläger
Potsdam

Es geht um einen der wichtigsten öffentlichen Posten in der Landeshauptstadt: Die Neubesetzung der Geschäftsführung des Potsdamer Verkehrsbetriebs (ViP) war das einzige Thema einer Sitzung des Aufsichtsrats am Mittwochnachmittag.

Am Abend sollte in der Gesellschafterversammlung des ViP eine Entscheidung zu der Personalie getroffen werden. Diese musste wegen eines Vetos aus dem Aufsichtsrat jedoch vertagt werden.

Größte Herausforderung: die Tram-Erweiterung nach Krampnitz

Es handelt sich bei den Posten um die Nachfolge von Oliver Glaser und Martin Grießner, deren Verträge im Mai 2019 überraschend aufgelöst worden waren (MAZ berichtete). Die Position ist bedeutsam. Die solide Aufstellung des gesamten öffentlichen Personennahverkehrs in Potsdam liegt in der Hand des ViP.

Neben der Modernisierung des Fuhrparks von Bus und Bahn und der Suche nach genügend Fahrpersonal gilt dabei vor allem die Erweiterung des Straßenbahnnetzes nach Krampnitz als größte Herausforderung. Gerade dies ist eine Aufgabe, an der die einstige Geschäftsführung gescheitert war. Das Projekt hat mehrere Jahre Zeitverzug, viele Fragen sind ungeklärt.

Ex-Chefin des Pforzheimer Verkehrsbetriebs ist Favoritin

Über die Neubesetzung war bisher wenig bekannt. Nach MAZ-Informationen steht inzwischen ein Name fest: Claudia Wiest aus Pforzheim. Sie war bis 2016 die Chefin des Pforzheimer Verkehrsbetriebs und soll zusätzlich langjährige Erfahrung in einem Busunternehmen mitbringen und nun die aktuelle Favoritin für den Posten der kaufmännischen Geschäftsführung sein.

Für diese Entscheidung soll auch die paritätische Aufstellung entscheidend gewesen sein, damit das städtische Unternehmen eine Doppelspitze aus Mann und Frau bekommt.

Lob für Interims-Chef Monty Balisch

Für diesen Posten hatte sich nach MAZ-Informationen auch der aktuelle Interims-Geschäftsführer Monty Balisch beworben und galt als ein Favorit der Findungskommission. Vor der Übernahme der ViP-Geschäftsführung hatte er das Controlling im Mutterkonzern, den Stadtwerken, verantwortet.

Sowohl innerhalb des ViP als auch in der Branche heißt es, der 45-Jährige habe in den vergangenen Monaten vorbildliche Arbeit geleistet, große Unterstützung und Sympathie bei seinen Mitarbeitern erlangt. Auch der Personalrat soll die Bewerbung unterstützt haben.

Monty Balisch ist seit Mai 2019 Alleingeschäftsführer des Verkehrsbetriebs Potsdam. Quelle: Peter Degener

Dennoch ist die Wahl am Ende auf die Pforzheimer Bewerberin gefallen. Sie habe die besten Bewertungen erhalten, heißt es. Entgegen erster Informationen soll dabei nicht der Wunsch des Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) nach Parität entscheidend gewesen sein. Als Gesellschaftervertreter hat Schubert das Vorschlagsrecht.

Im nicht-öffentlichen Teil des Hauptausschusses am Mittwochabend soll Schubert Wiests Erfahrung ins Feld geführt und zugleich Monty Balisch gelobt haben. Der derzeitige ViP-Chef würde eine Perspektive innerhalb der Stadtwerke haben. Im öffentlichen Teil des Hauptausschusses sagte Oberbürgermeister Schubert zur Auswahl der Kandidaten nur: „Es war eine Besten-Auslese.“

Personalsuche kostet 180.000 Euro

Besetzt werden soll neben der kaufmännischen Geschäftsführung auch wieder eine technische Leitung beim ViP. Um eine geeignete Nachfolge für beide Posten zu finden, haben die Stadtwerke als Mutterkonzern viel Geld in die Hand genommen. 180.000 Euro sind nach MAZ-Informationen an zwei Personaldienstleister geflossen, um die Auswahl und Besetzung der Interims-Lösung und der dauerhaften Geschäftsführung des Verkehrsbetriebs zu erfüllen.

Die Suche soll extrem schwierig gewesen sein, heißt es aus der Branche. Deutschlandweit seien Fachleute in den Verkehrsunternehmen angefragt worden. Das Problem dabei sei vor allem die jüngste Führungskrise des ViP gewesen. Ein Insider sagte, in der Branche gilt der Posten als Schleudersitz.

Kandidat für Technik-Sparte kurzfristig abgesprungen

Zu den zwei Favoriten im Rennen um den Posten des Technik-Chefs zählen nach MAZ-Informationen ein Techniker aus dem Umfeld der Deutschen Bahn und ein Experte für Straßenbahnbau und -betrieb. Wie zu erfahren war, hatte sich Oberbürgermeister Schubert bei der Position der technischen Geschäftsführung ebenfalls durchgesetzt.

Sein Favorit soll der Kandidat gewesen sein, der schon die Erweiterung eines Straßenbahnnetzes, den Bau eines neuen Betriebshofes und den Ausbau der Tram-Flotte in einem anderen städtischen Verkehrsbetrieb geleistet hat. Allerdings hat dieser Kandidat nach einer ersten Zusage nun offenbar kurzfristig abgesagt. Nach MAZ-Informationen soll sein bisheriger Arbeitgeber mit einer Verbesserung des Vertrags zum Bleiben bewogen haben.

Aufsichtsrat tagt am 12. Februar erneut

Ob andere Kandidaten noch für den Posten bereit stehen, ist offen. Damit könnte der Verkehrsbetrieb noch länger ohne Technik-Chef dastehen. Am 12. Februar ist die nächste Sitzung des Aufsichtsrats, dann sollen den Mitgliedern neue Kandidaten aus dem Pool des Personaldienstleisters präsentiert werden. Auch über die Personalie Claudia Wiest könnte dann entschieden werden.

Der einstige ViP-Technikchef Oliver Glaser hat seit einigen Tagen übrigens einen neuen Job: Er ist seit Jahresbeginn der operative Geschäftsführer des deutschen Zweigs von Keolis, einer Tochter der staatlichen Eisenbahn Frankreichs. In Deutschland bietet Keolis von Düsseldorf aus unter dem Namen „Eurobahn“ Schienenpersonennahverkehr an – vorwiegend in Nordrhein-Westfalen.

*In einer früheren Version des Artikelshieß es fälschlicherweise, dass es sich bei der Kandidatin für die kaufmännische Geschäftsführerin um eine Berlinerin handeln soll. Außerdem wurde der Artikel um weitere Informationen und Details zur Suche nach der technischen Geschäftsführung erweitert.

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Von Peter Degener, Anna Sprockhoff und Rainer Schüler

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