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Potsdam Kritik an Umzugsplänen für Fachhochschule
Lokales Potsdam Kritik an Umzugsplänen für Fachhochschule
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13:32 06.10.2014
Blockiert den Wiederaufbau der historischen Mitte: das desolate FH-Gebäude.
Blockiert den Wiederaufbau der historischen Mitte: das desolate FH-Gebäude. Quelle: Christel Köster
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Potsdam

„Mafiösen“ Druck und Intransparenz hat Eckehard Bienas, Präsident der Fachhochschule Potsdam (FHP), der Landeshauptstadt im Streit um den Umzug von 1500 Studenten vom Alten Markt ins Rechenzentrum an der Breiten Straße vorgeworfen. Bienas warnt vor „erheblichen Einbußen in der Lehrqualität und im Studienbetrieb“, falls die Umsiedlung 2015 erzwungen wird. „Die Situation würde sich extrem verschlechtern“, sekundierte Heiko Kleve, Dekan des Fachbereichs Sozialwesen.

Die Hochschulleitung kritisierte am Vorabend des Tages der deutschen Einheit den Vorstoß des Baubeigeordneten Matthias Klipp (Bündnis 90/Grüne) zum vorzeitigen Freizug des DDR-Stelzenbaus an der Nikolaikirche als „unverständlich“, da dessen Nutzung bis 2018 vertraglich mit dem Land geregelt ist. „Wir sind erstaunt und überrascht, dass wir von der Stadt so in die Enge getrieben werden“, sagte Bienas. Studierende wie Mitarbeiter würden unnötig emotional belastet. Wie berichtet hatte Klipp zu Wochenbeginn erklärt, dieses Angebot könne die Hochschule „nicht ablehnen“.

Hintergrund der Turbulenzen: Klipp will die Entwicklung der Potsdamer Mitte forcieren, wo das FH-Gebäude letzter architektonischer Schandfleck ist. Im Rektorat werden Sinn und Nutzen des geplanten Provisoriums indes bezweifelt. Nicht „seriös“ sei laut Bienas der von Klipp genannte mittlere sechsstellige Betrag für den erforderlichen Umbau des Rechenzentrums: „Unsere Fachleute gehen von rund zwei Millionen Euro aus.“

Nach einer Besichtigung hält die FH die Räume für ungeeignet: zu niedrig, nicht lärmgedämmt, zum Teil verschimmelt, ohne Klimatisierung, die Rettungswege zu eng. Da es nicht genügend Hörsäle gibt, müssten die Studierenden zudem auf den Vortragssaal im Klinikum „Ernst von Bergmann“ ausweichen. Das bedeute Leerlauf wegen der Wege und würde die Studienorganisation erheblich beeinträchtigen, hieß es. Auch sei kein Platz für eine Mensa. Die Studenten hätten aber Anspruch auf subventioniertes Essen, so FH-Kanzlerin Gerlinde Reich: „Das Studentenwerk müsste mit jedem Kantinenbetreiber in der Umgebung extra Vereinbarungen aushandeln“.

Dagegen erfülle der Funktionsbau des Ex-Instituts für Lehrerbildung „die räumlichen Standards“. Defizite gebe es laut Bienas im Sanitärbereich und bei der Fassade. Das Gebäude stehe freilich im Gegensatz zum Landtagsschloss und dem Palais Barberini, räumte Bienas ein. Doch für die historistisch wiederbelebte Mitte einen funktionierenden Hochschulstandort aufzugeben, leuchtet im Rektorat niemandem ein. Denn: Der Umzug an den FH-Campus Pappelallee ist laut einer detailierten Machbarkeitsstudie ohnehin für 2017 geplant. Der Zeitgewinn sei minimal, liege bei höchstens 16 Monaten und verursache zusätzliche Kosten, so Bienas. Betroffen seien zudem weitere Partner wie das Familienzentrum, die Sperl-Galerie, das Zentrum für Medienwissenschaften oder der Hochschulsport. „Wir wollen uns positiv beteiligen“, sagte Bienas, „aber die nun bekannt gewordenen Bedingungen akzeptieren wir nicht.“

STRESS MIT FH-BAUTEN

  • Sehr beliebt: Allein für die 120 Studienplätze im Fachbereich Sozialwesen im Altbau am Alten Markt gibt es nach Angaben der Fachhochschule für das Wintersemester rund 2800 Bewerber.
  • Der Umzug der 1500 City-Studenten an den Campus Pappelallee sollte ursprünglich bereits 2013 abgeschlossen sein, doch dringend benötigte Neubauten wurden nicht planmäßig fertig. Nach dem sogenannten Annex I gab es eine Zwangspause, die Wissenschaftsministerin Sabine Kunst beendete. Laut FH-Präsident Eckehard Bienas steht nun die Ausschreibung für den Annex II und der Vertragsabschluss mit einem Generalauftragnehmer bevor. Baubeginn für den Neubau soll im Februar 2015 sein, zwei Jahre später soll er bezugsfertig sein.
  • Trotzdem werden nach Angaben des FH-Präsidenten am Campus Pappelallee dann immer noch 1500 Quadratmeter Nutzfläche für den reibungslosen Studienbetrieb fehlen.

Von Carola Hein

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