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19:33 28.11.2019
Bis Mitte 2021 soll das Go:In 2 fertig sein. Direkt dahinter befindet sich der 2007 fertiggestellte Vorgänger. Beide Häuser bieten jungen Firmen günstige Büros und Labore. Quelle: Friedrich Bungert
Golm

Der Wissenschaftspark Golm am westlichen Stadtrand wächst weiter. Am Donnerstag wurde der Grundstein für das Gründer- und Innovationszentrum Go:In 2 gelegt, das von der Stadt für insgesamt 15,2 Millionen Euro errichtet wird. Bis Mitte 2021 soll das Haus fertiggestellt sein.

Der Bau ohne Fördermittel ist eine besondere Leistung

Einerseits ist der Bau schon heute eine Leistung der Stadt und der Potsdamer Technologie- und Gewerbezentren GmbH (PTGZ). Die städtische Tochtergesellschaft ist Bauherr des Gewerbebaus und das Go: In 2 ist das erste Projekt dieser Art, das die PTGZ ohne Fördermittel realisiert.

„Nur die langjährige solide Geschäftsführung von Steffen Schramm hat das ermöglicht“, dankte Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) dem PTGZ-Geschäftsführer. Der Wille zum Bau des Go:In 2 war schon da, als der Vorgänger daneben 2007 gerade fertiggestellt war.

Steffen Schramm führt seit 1995 die Geschicke der kommunalen „Potsdamer Technologie- und Gewerbezentren GmbH“. Er ist Bauherr des Go:In 2. Quelle: Friedrich Bungert

Neugegründete Firmen sollen zu günstigen Konditionen unterkommen

Die erfolgreiche Idee: Junge Firmen, die die Forschungsergebnisse der Universität und der Institute ringsum mit profitablen Geschäftsideen auf den Markt bringen, sollten zu günstigen und flexiblen Konditionen Räume vorfinden. Sie sollten darin wachsen und nach ihrer Startphase in eigene Büros und Labore im Wissenschaftspark Golm umziehen. Um den Bau dieser Gewerbebauten sollten sich vor allem private Investoren kümmern.

Es herrschte zugleich ein hoher Zeitdruck, denn die ersten Mieter hätten eigentlich wegen der Förderbedingungen nach einigen Jahren ausziehen müssen – um Platz zu machen für die nächsten Firmengründer. Und weil der Bedarf schon damals groß genug war, plante man sofort den Nachfolger.

Doch dessen Fertigstellung verzögerte sich und der Bau privater Bürobauten trat über Jahre auf der Stelle, fängt erst jetzt richtig an Fahrt aufzunehmen. Nur weil sich die Stadt mit dem Land und der Förderbank ILB auf Übergangslösungen einigen konnte, ist die Abwanderung einiger High-Tech-Firmen verhindert worden.

Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) spricht bei der Grundsteinlegung. Im Hintergrund ist der Rohbau eines weiteren Bürobaus zu sehen, der durch Privatinvestoren errichtet wird. Solche Projekte wären schon vor Jahren dringend nötig gewesen. Quelle: Friedrich Bungert

Nanolytics: „Wir haben Fördermittel zurückgezahlt um bleiben zu können“

Von der Ungewissheit, ob man notfalls auch länger im ersten Go:In bleiben dürfe, war beispielsweise das kleine Unternehmen Nanolytics betroffen. In der Analyse von Proben aus dem pharmazeutischen und nanotechnischen Bereich ist das hochspezialisierte Unternehmen nach eigenen Angaben der Weltmarktführer.

„Wir sind schon 2006 quasi in den Rohbau des ersten Go:In eingezogen und bis heute dort ansässig. Damals hieß es, dass in acht Jahren, also schon 2014, das neue Gebäude steht. Doch es gab keine Anschlusslösung für uns. Die Kündigung haben wir dennoch bekommen und das war existenzbedrohend für uns“, schildert Nanolytics-Chef Kristian Schilling die Folgen der Bauverzögerung und der schleppenden Privatinvestitionen.

Einen anderen Standort hatte man nicht in Aussicht und wollte auch unbedingt in Golm bleiben. „Letztlich haben wir die Subventionierung unserer Flächen durch die Europäische Union auf Heller und Pfennig zurückbezahlt, um bleiben zu dürfen“, so Schilling. Andere Firmen hatten den Standort dagegen verlassen. „Das war von der Landeshauptstadt nicht geschickt“, so Schilling.

Seine Firma bleibe dem Standort aber nun treu. „Wir sind nun unbefristet versorgt und gerne hier“, sagt der Chemiker. Für die Mieter des Go:In 2 wird es den Druck unbedingt ausziehen nicht geben, weil bewusst auf Fördermittel mit den daraus folgenden Verpflichtungen verzichtet wurde.

Agnes von Mathuschka ist die Standortmanagerin des Golmer Wissenschaftsparks. Quelle: Friedrich Bungert

Ein drittes Innovationszentrum wäre nötig, findet die Standortmanagerin

Über ein drittes Go:In wollte am Donnerstag trotz des Erfolgs noch niemand sprechen. „Investoren können auch so etwas errichten. Wir zeigen, dass es funktioniert, aber müssen dafür mit Steuergeld arbeiten“, begründet Steffen Schramm seine Ablehnung.

Die Standortmanagerin des Golmer Wissenschaftsparks, Agnes von Matuschka, findet es dagegen gut, dass die Stadt nicht alles Privaten überlässt. „Der Bedarf würde ein drittes Gründerzentrum rechtfertigen“, sagt von Matuschka.

Die Mieter in den Innovationszentren programmieren keine Apps und verschwinden irdann, sondern arbeiten wissenschaftsbasiert. „Wer hierher kommt, bleibt“, sagt sie.

>>>Firmen drohen aus Golm abzuwandern

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